Die Legende des Sonnenritters B1K8: „Verhalte dich nicht verdächtig während du einen Umhang trägst“

Die Legende des Sonnenritters Buch 1: Eine Einführung in die Rittertheorie

Chinesisches Original von: 御我 (Yu Wo)

Englische Übersetzung von: Evangeline und Amgine


Achte Regel der Sonnenritter: „Verhalte dich nicht verdächtig während du einen Umhang trägst“ – deutsche Übersetzung von Ariana

Grisia, wenn du nicht als Sonnenritter ausgewählt wirst wäre es doch auch nicht schlecht ein Geistlicher zu werden! Dann könntest du in Zukunft helfen meine Verletzungen zu heilen.

Ich setzte mich abrupt im Bett auf. Ich hatte gerade einen Traum gehabt, der lange vergrabene Erinnerungen zurückbrachte. Ich sah sogar ein ernst aussehendes Gesicht vor mir, dass sich schon seit längerem nicht mehr gezeigt hatte.

Roland war immer ein sehr ernsthafter Typ gewesen, der selbst wenn er andere aufheiterte einen ernsten Gesichtsausdruck hatte. Er hatte meine Fähigkeiten sehr genau beobachtet und mir dann einen alternativen Berufsweg vorgeschlagen. Und ich hatte mir seine Worte wirklich zu Herzen genommen und mich bereit gemacht zur Kirche zu gehen und mich als Priester zu bewerben, falls ich nicht als Sonnenritter ausgesucht werden sollte.

Selbst wenn ich nicht der Sonnenritter werden könnte, wäre es nicht schlecht ein Priester an seiner Seite zu sein. Wenn Roland als Sonnenritter ausgewählt werden würde, umso besser.

Roland und ich trafen einander während der Prüfungen für die Auswahl des nächsten Sonnenritters im Heiligen Tempel. Als nur noch zehn Kandidaten übrig waren, hassten alle einander wie die schlimmsten Feinde, aber ich kam sehr gut mit Roland aus.

Roland war sehr stark und insgesamt der vielversprechendste Kandidat, während es mir durchaus bewusst war, dass meine Fähigkeiten mit dem Schwert von allen am schlechtesten waren. Vermutlich konnte ich nur auf ein Wunder hoffen um Sonnenritter zu werden!

In einer derart wetteifernden, von Hass erfüllten Umgebung konnten nur der wahrscheinlichste und der unwahrscheinlichste Kandidat darauf hoffen Freunde zu werden.

Allerdings wurden unsere Bande der Freundschaft an diesem letzten Tag durchtrennt als der Sonnenritter, welcher später mein Lehrer wurde, bekannt gab, dass er mich als seinen Nachfolger auserwählt hatte …

„Warum wurde ich ausgewählt?“ Mein kindliches Ich trat ziemlich weggetreten vor um dem damaligen Sonnenritter gegenüberzutreten, da die Möglichkeit, dass ich ausgewählt werden könnte mir nie in den Sinn gekommen wäre.

„Nun, vielleicht war es aufgrund deines wunderschönen blonden Haares“, lachte mein Lehrer leicht spöttisch. Als ich diese Antwort hörte, fror mein Herz richtiggehend ein, da ich das Gefühl hatte, ich hätte irgendwie auf unehrliche Art und Weise gewonnen. Dennoch konnte ich mich einfach nicht dazu überwinden zu sagen, dass ich die Position aufgeben würde und dass Roland stattdessen meinen Platz einnehmen sollte.

Ich wollte auch der Sonnenritter werden, unbedingt!

Als ich endlich den Kopf drehte um nachzusehen, hatte Roland sich bereits umgedreht um zu gehen, bevor ich überhaupt die Chance hatte seinen Gesichtsausdruck zu sehen. Er entfernente sich sehr schnell, ohne ein Anzeichen von Widerwillen, und scheinbar ohne die Absicht zurückzukommen um mir zu gratulieren. Zugegebenermaßen, wenn man die damalige Situation bedenkt konnte ich mich schon extrem glücklich schätzen, dass er nicht herübergekommen war um mich in Scheiben zu schneiden. Die anderen Kandidaten schauten alle drein als wollten sie mich mit ihren bohrenden Blicken in Schweizer Käse verwandeln.

„Hasst du mich, Roland?“ Ich vergrub mein Gesicht murmelnd zwischen meinen Händen. „Bist du zurückgekommen um mich aufgrund deines Hasses heimzusuchen? Aber wie um alles in der Welt bist du gestorben? Immerhin bist du Roland, derselbe Roland der im Alter von zehn Jahren Erwachsene im Kampf besiegen konnte.“

Dann dachte ich an Baron Gerlands dritten Sohn und die Möglichkeit, dass der Kronprinz hinter allem steckte und bekam endlich eine Idee was los war. Wie stark er auch sein mochte, es gab keine Möglichkeit, dass Roland alleine gegen den Herrscher eines Landes vorgehen konnte. Selbst der Sonnenritter konnte nicht einfach den Herrscher eines Landes stürzen, außer dieses Land würde sich gegen die gesamte Kirche des Gottes des Lichtes stellen und einen totalen Krieg mit der Kirche beginnen.

Aber habe ich nicht gerade meine Absicht Roland zu rächen deklariert …? Hmm! Ich sollte wohl noch gründlicher nachforschen bevor ich anfange von Rache zu sprechen, dachte ich, ein wenig mit der Mentalität eines Straußes der den Kopf im Sand vergräbt.

Was Nachforschungen über die königliche Familie angeht, ist es ein Muss sich mit Hauptmann Sturm zu beraten, da er den ganzen Tag damit verbringt adeligen Frauen kokette Blicke zuzuwerfen und zusammen mit adeligen Söhnen romantischen Schwulst von sich zu geben. Er kennt auf jeden Fall viele ihrer Geheimnisse.

Taten sprechen lauter als Worte und Gedanken! Ich verbrachte die nächste Minute damit, mein Haar zu kämmen, mein Gesicht zu waschen und mich zurechtzumachen, bevor ich aus meinem Schlafzimmer stürmte und den gesamten Heiligen Tempel nach dem Sturmritter absuchte. Schließlich fing ich ihn in der Mitte irgendeines Korridors ab, während er einen großen Stapel Dokumente trug.

Ich fragte ohne zu zögern: „Bruder Sturm, könntest du Sonne zur Hand gehen?“

„Kann ich ablehnen?“ frage mich Sturmritter mit dunklen Ringen unter den Augen. Ausgehend von der Höhe des Papierstapels in seiner Hand leitete ich ab, dass er vermutlich, um seinen Ruf als sorgloser Sturmritter zu schützen, keine andere Wahl hatte als eine weitere Sitzung zu schwänzen. Ausgehend von vorhergehenden Beispielen, wurde wohl der gesamte Rückstau an Arbeit, der sich während meines Urlaubes angesammelt hat, auf seinen Schultern abgeladen.

„Dies ist ein Befehl von dem Anführer der Zwölf Heiligen Ritter.“

„… Gut, dann sag es.“

“Bitte hilf Sonne dabei herauszufinden, wer unter den Edelleuten eine Vorliebe dafür hat, andere zu foltern – möge der Gott des Lichtes diesen Lämmern, die vom richtigen Pfad abgekommen sind vergeben.“

„Wenn es nur das ist, kann ich es dir sagen ohne Nachforschungen anstellen zu müssen. Ungefähr 80% der Adeligen haben ein derartiges Hobby“, antwortete Sturmritter, während er mir mehrere verächtliche Blicke zuwarf.

„So viele?“ Das erstaunte mich etwas. War es möglich, dass andere zu foltern eine grundlegende Fähigkeit für Adelige war?

„Natürlich, immerhin sind sie Adelige.“

„Dann … Gibt es welche, die noch stärker vom rechten Pfad abgekommen sind und die sich nicht nur auf den Pfad der Folter begeben haben, sondern die sich sogar noch weiter jener Art von Aktivität hingeben, welche der Gott des Lichtes nicht tolerieren würde, wie andere zu Tode zu foltern?“

Als er diese Frage hörte warf mir Sturm einen schrägen Blick zu, gab mir aber trotzdem eine ernsthafte Antwort: „Niemand würde wirklich zugeben, dass er andere als Zeitvertreib zu Tode foltert. Aber Sonne, falls du es wirklich wissen willst, gibt es tatsächlich einiges an unbestätigten Gerüchten …“

„Dann sag es!“ forderte ich ihn auf. Ich hatte ursprünglich gedacht, dass es nur wenige Personen gäbe. Stattdessen ratterte Sturm eine Liste von ungefähr zehn Namen herunter und obwohl ich der Meinung bin, dass ich ein ziemlich vernünftiges Gedächtnis habe, konnte ich mir nur eine kleine Handvoll dieser Namen merken.

„ … über Baron Gerland und den König gibt es auch derartige Gerüchte.“

Ich zögerte ein wenig, fragt aber dennoch. „Was ist mit dem Kronprinzen?“

„Nein, ich habe tatsächlich nichts darüber gehört, dass der Kronprinz diese Art von Hobby hätte. Was Adelige angeht, wird der Kronprinz sogar als ziemlich ehrlich und anständig betrachtet.“ Sturm zuckte mit den Schultern und fügte hinzu: „Natürlich ist es auch möglich, dass er besonders gut darin ist es geheim zu halten. Obwohl es an der Oberfläche so wirkt als wäre der Kronprinz jemand, den man leicht ausnutzen kann, könnte er tatsächlich einer dieser klassischen Wölfe im Schafspelz sein. Wie wäre es ihm sonst möglich den König unter Kontrolle zu halten?“

Ich setzte mein Verhör fort: „ In diesem Fall wärst du nicht überrascht, wenn der Kronprinz wirklich jemanden zu Tode gefoltert hätte?“ Sturm warf mir einen noch seltsameren Blick zu, nickte aber nichtsdestotrotz als Antwort.

Ich nickte ein wenig bestürzt. „Das ist alles was ich wissen muss. Möge der Gott des Lichtes dich mit seiner Gegenwart segnen, Bruder Sturm.

Sturm nickte und als er ging konnte ich aufschnappen wie er murmelte: „Wie ungewöhnlich für Sonne, dass er so deutlich spricht, dass man ihn versteht sobald die Worte seinen Mund verlassen. Ich musste keinerlei Gehirnleistung verschwenden um zu entziffern was er versuchte zu sagen. Unbegreiflich!“

Während ich ziellos herumstreifte, sinnierte ich vor mich hin. Es gibt ungefähr zehn Personen auf der Liste der Verdächtigen, aber nachdem die Situation mit Baron Gerlands drittem Sohn, welcher dem Kronprinz Gefolgschaft geschworen hat, zusammenhängt, können die Verdächtigen eingegrenzt werden auf Baron Gerland, den Kronprinz und Seine Majestät den König. Obwohl der Kronprinz derjenige ist, dem er Gefolgschaft geschworen hat, wenn der König ihm einen Befehl gäbe sollte es immer noch durchsetzbar sein.

Der Grund warum ich Baron Gerlands dritten Sohn nicht verdächtigte war, dass er zwei andere Ritter mitgebracht hatte um ihm zu helfen die Leiche loszuwerden. Alle Ritter legen großen Wert auf ihren Ruf, daher wäre er, wenn er es wirklich getan hätte, die Leiche still und leise alleine losgeworden und hätte nicht die anderen beiden Ritter wissen lassen, dass er jemanden zu Tode gefoltert hatte.

Andererseits, wäre es möglich, dass die drei es zusammen getan haben?

„Nein!“ Ich schob diesen Gedanken sofort zur Seite. “Roland ist zu stark. Diese drei Ritter hätten ihn niemals alleine besiegen können.“

„Es scheint so, als hättest du bei deiner Ermittlung Fortschritte gemacht.“ Ich zuckte vor Schreck zusammen. Als ich mich umdrehte sah ich, dass die Stimme Hauptmann Urteil gehörte.

„Also ist Roland der Name des Todesritters?“ Urteil starrte mich intensiv an, als könne er dir Antwort aus meinen Gesichtszügen ablesen.

Ich fange gerade an zu verstehen, wie er Verbrecher dazu zwingt die Wahrheit zu sagen. Er verdient den Titel des Urteilsritters wirklich, wenn man bedenkt dass er in der Lage ist von diesem einen Satz abzuleiten, dass Roland der Todesritter ist.

„Kennst du diesen Todesritter? Aber ich habe diesen Namen noch nie von dir gehört. Ist es jemand den du vor langer Zeit kanntest?“ Ähh … Ich habe noch gar nichts gesagt, oder? Warum habe ich das Gefühl, dass Urteil jedes einzelne Detail kennt? Wie unheimlich!

„Gestern hat Flamme den Todesritter und jemanden der komplett schwarze Kleidung trug getroffen.“ Nachdem er dies gesagt hatte warf mir Urteil einen flüchtigen Blick zu und sagte: „Du wirkst nicht überrascht. Wusstest du es demnach schon? Aber die Sitzung der Zwölf Heiligen Ritter hat gerade erst geendet und Flamme ist nach mir gegangen, daher solltest du es noch nicht von ihm gehört haben.

„…“ Ich schätze ich muss nicht einmal antworten, damit Urteil alle Antworten innerhalb einer Minute selbst ableitet.

Da er vermutlich sah, dass ich nicht vorhatte ihm zu antworten, hörte Urteil auf mich zu befragen und erklärte: „Laut Flammes Bericht über die Ereignisse scheint dieser Todesritter dabei zu sein zu einem Todesherrn zu werden. Daher habe ich vor, die Hälfte der Streitkräfte des Heiligen Temples auszusenden um ihn in der Stadt zu suchen. Der Papst hat auch zugestimmt, die Hälfte der Priester der Kirche zu schicken um die Suche zu unterstützen. Wir können die Geburt eines Todesherren auf keinen Fall erlauben.“

Dann wäre Rolands einzig mögliches Schicksal am Scheiterhaufen verbrannt zu werden! Ich unterdrückte meine Unruhe mit Gewalt und holte meine Würde als Sonnenritter, welche ich seit einer Ewigkeit nicht mehr gezeigt hatte, hervor. Ich sagte knapp: „Sich um untote Kreaturen zu kümmern liegt in der Verantwortung des Sonnenritters. Hauptmann Urteil, du scheinst deinen Zuständigkeitsbereich überschritten zu haben.“

„Es tut mir sehr leid, Hauptmann Sonne. Ich hatte den Eindruck du seist auf Urlaub, und da die Situation mit dem Todesritter definitiv nicht verzögert werden kann, musste ich anstatt deiner handeln. Wenn du die Zügel wieder übernehmen möchtest, beende bitte deinen Urlaub. Nur zur Erinnerung, du hast noch zwei Tage übrig für deine Ermittlungen.“, antwortete Urteil ebenfalls komplett ruhig.

Als er fertig gesprochen hatte drehte er sich um zu gehen, aber als er an mir vorbeiging sagte er leise: „Seit unserer Kindheit hast du mich wie oft gezwungen für dich meinen Zuständigkeitsbereich zu überschreiten? Hilf mir beim Kämpfen, hilf mir zu ermitteln, hilf mir die zusammenzuschlagen, die gemein zu mir waren – wer war es, der all diese Anfragen geäußert hat?“

Ähh … das klingt tatsächlich nach etwas, dass mein „junges und unreifes Ich“ gesagt hat.

„Wer Roland auch sein mag, zu verhindern dass ein Todesherr geboren wird sollte eines deiner Leitprinzipien sein, nicht wahr, Sonnenritter?“

„Ja, das ist eines der Leitprinzipien des Sonnenritters“, gab ich mit einem Nicken zu. Allerdings hat Grisia auch seine eigenen Prinzipien.

Als er meine Antwort hörte, nickte Urteil noch einmal und ging.

Jetzt ist nicht mehr viel Zeit. Mit maximaler Effizienz würden die Kirche und der Heilige Tempel immer noch ungefähr einen halben Tag brauchen um die Hälfte ihrer Streitkräfte zu versammeln und in Zügen zu gruppieren um jeden Bezirk zu durchsuchen. Innerhalb dieses halben Tages muss ich Roland finden und ihn bei Pink verstecken. Ich habe großes Vertrauen, dass Pink in der Lage ist, Roland ordentlich und sicher zu verstecken.

Nachdem ich sehr gut auf dunkle Auren eingestellt bin, sollte es kein Problem darstellen Roland innerhalb eines halben Tages zu finden, solange der Kerl sich nicht an einem zu ungewöhnlichen Ort versteckt.

Ich kehrte in mein Zimmer zurück um mein Göttliches Sonnenschwert zu holen und meinen unauffälligen Umhang anzuziehen und kam nicht viel später im Stadtzentrum an, welches auch der größte Platz der Stadt ist. Dann tat ich so als wäre ich ein erschöpfter Reisender und setzte mich auf den Rand des zentralen Brunnens.

Unter dem Schutz des Umhanges hielt ich das Göttliche Sonnenschwert fest. Das reine heilige Element des Göttlichen Sonnenschwertes macht mich noch sensibler in Bezug auf dunkle Auren.

Mit geschlossenen Augen versuchte ich dunkle Auren in Blattknospenstadt wahrzunehmen. Genau wie es in jeder Stadt sicherlich dunkle Orte gibt, trägt auch jede Person mit Sicherheit Spuren von Dunkelheit in sich. Bei Städten und normalen Bürgern ist diese Menge allerdings verschwindend gering. Im Allgemeinen sind sie erfüllt von den verschiedensten Elementen, mit etwas Feuerelement hier und etwas Wasserelement dort. Nur jene die eine bestimmte Fähigkeit kultivieren würden eine hohe Konzentration des dazugehörigen Elements haben. So tragen, zum Beispiel, Magier die Feuermagie studieren unter Garantie eine abnormal hohe Menge an Feuerelement in sich.

Indem ich die Zusammensetzung von Elementen im Inneren einer Person untersuche, kann ich so ziemlich beim ersten Treffen den Beruf desjenigen ableiten.

Glücklicherweise ist meine Fähigkeit die Elemente wahrzunehmen nicht sehr häufig, genauer gesagt könnte man sie als eine seltene angeborene Gabe bezeichnen. Obwohl auch jene die nicht mit ihr geboren werden trotzdem lernen können sie anzuwenden, sind die Ergebnisse im Allgemeinen nicht herausragend.

Die Tatsache, dass ich diese Fähigkeit besitze ist nur meinem Lehrer bekannt und er hat mich sehr heftig davor gewarnt, dieses Geheimnis jemandem preiszugeben. Es wurde mir auch verboten, diese Fähigkeit zu verwenden solange es nicht absolut notwendig ist.

Das liegt daran, dass diese Fähigkeit einfach zu erschreckend ist, da die Zusammensetzung von Elementen jeder Person einzigartig ist und kurzfristig nicht signifikant verändert werden kann. Daher wäre ich in der Lage den Aufenthaltsort einer Person nachzuverfolgen sobald ich ihre elementare Zusammensetzung kenne. Außerdem wäre ich, wie bereits erwähnt, in der Lage beim ersten Treffen festzustellen welche Elemente jemand in sich trägt, und zwar so weit, dass ich sogar wissen könnte ob diese Person irgendwelche verzauberten Accessoires bei sich trägt und auch wie mächtig diese ungefähr sind.

Wenn andere herausfinden würden, dass ich in der Lage bin ihre Fähigkeiten deutlich zu sehen wäre es definitiv nicht vorteilhaft für mich.

Was hinzukommt ist, dass meine Fähigkeit die Elemente wahrzunehmen sich abgeschwächt hat nachdem ich der Sonnenritter geworden bin, da mein eigenes heiliges Element so vorherrschend geworden ist, dass es meine Fähigkeit die anderen Elemente wahrzunehmen stört. Nur gegenüber einem bestimmten Element ist meine Wahrnehmungsfähigkeit sogar stärker geworden und zwar jenem gegenüber, dass das genaue Gegenteil von heilig ist: Dunkelheit!

Ich konnte tatsächlich eine ordentliche Menge dunkles Element in der Stadt spüren, obwohl die Menge nicht außergewöhnlich hoch war. Blattknospenstadt ist im Vergleich zu anderen Städten ziemlich frisch und rein.

Ich dehnte meinen Suchradius immer weiter aus, ausgehend von den Straßen des Platzes weiter in alle Richtungen. Ich durchsuchte zwielichtige Straßenecken, klapprige alte Hütten und Pferdeställe voll mit Rationen und Futter, aber ich konnte trotzdem keine Spur von Roland finden.

Wo hat er sich versteckt? Sein dunkles Element ist außergewöhnlich stark, also sollte es keinen Grund für mich geben ihn nicht finden zu können.

Könnte es sein… Ich blickte zweifelnd hinter meinen Rücken. Nicht allzu weit entfernt stand die wichtigste Stätte des gesamten Landes, der königliche Palast.

Der Palast könnte als der dunkelste Ort aller Zeiten betrachtet werden. Obwohl es in seinem Inneren viele loyale Ritter gibt, sind die Adeligen mit pechschwarzen Herzen noch zahlreicher. Alleine wenn man von Sturms Worten, dass 80% der Adeligen das Hobby andere zu Tode zu foltern haben, ausgeht, kann man sehen, dass der königliche Palast definitiv der verkommenste Fleck in ganz Blattknospenstadt ist.

Ich konnte wahrnehmen, dass der gesamte Palast in eine Wolke der Dunkelheit eingehüllt war. Falls Roland sich wirklich dort versteckte, hätte ich ihn auf keinen Fall bemerkt.

Ich will meine Sinne wirklich nicht in diese Masse an Dunkelheit strecken … trauerte ich in meinem Herzen. Allerdings konnte ich Roland nirgends sonst finden und dies war der einzige Ort der noch übriggeblieben war.

Ich schloss meine Augen ein weiteres Mal und streckte meine Sinne widerwillig in das Innere des königlichen Palastes aus.

Nach kurzer Zeit öffnete ich meine Augen wieder. Wie ist es möglich, dass er auch nicht dort drinnen zu sein scheint?

Könnte es sein, dass er die Stadt verlassen hat? Dachte ich träge. Das sind gute Neuigkeiten. Auf diese Art wäre Urteil nicht in der Lage ihn zu finden.

„Sag nicht, dass es die Pflicht des Sonnenritters ist tagträumend in der Mitte des Platzes zu sitzen?“

„Natürlich nicht. Normalerweise wäre ich ziemlich beschäftigt!“ entgegnete ich automatisch, aber als ich den Kopf hob war ich perplex. Direkt vor mir stand genau der Kerl, den ich überall gesucht hatte und einfach nicht finden konnte… Roland!

Roland stand neben mir, nahezu unverändert seit unserer Kindheit, nur größer und kräftiger als zuvor. Er war schmal gebaut, mit einem intelligenten, gutaussehenden Gesicht und einem ungemein ernsthaften Gesichtsausdruck. Nur indem er da stand vermittelte er den Eindruck eines harten Kerls. Selbst sein Lächeln vermittelte ein unbeschreiblich bedrückendes Gefühl, allerdings würden sich sehr wenige Menschen über das bedrückende Gefühl das Roland vermittelte beschweren. Er war einfach einer dieser geborenen Anführer, die Menschen dazu bringen konnten ihren Anordnungen willig und glücklich Folge zu leisten.

Was mich allerdings am meisten überraschte war, dass Roland aussah wie ein … normaler Mensch!

Er sah komplett anders aus als seine entsetzliche, farbverblasste Erscheinung von zuvor. Wäre er mit diesem Aussehen bei unserem letzten Treffen vor mir erschienen hätte ich ihn auf den ersten Blick als Roland erkannt.

Ich fragte verblüfft: „Du… wurdest auferweckt?“ Ich wollte mich ohrfeigen sobald die Worte meinen Mund verließen. Wie könnte er auferweckt werden nachdem er gestorben und sogar ein Todesritter geworden war!

„Nein, offensichtlich wurde ich nicht auferweckt“, antwortete Roland so ernst wie immer. Dann fragte er, höflich wie immer: „Kann ich mich setzen?“

„Äh, sicher.“ Meine Gedanken waren nun ein komplettes Durcheinander. Ich fragte mich verzweifelt, warum Roland so menschlich aussah, obwohl er nicht auferweckt worden war. Es war nicht möglich, dass Roland nur irgendein seltsames Hirngespenst war, oder?

Roland setzte sich neben mich und sagt lächelnd: „Grisia, du hast dich nicht verändert. Immer wenn du mit einem schwierigen Problem konfrontiert wirst, sitzt du auf irgendeinen Platz oder so ähnlich und verlierst dich in deinen Gedanken.“

Das liegt daran, dass ich meine Fähigkeit die Elemente wahrzunehmen verwendet habe, nicht daran, dass ich mich in meinen Gedanken verloren habe!

„Warum siehst du so aus?“ Ich konnte nicht widerstehen zu fragen.

Roland hob seine linke Hand und ich bemerkte sofort den Ring an seinem Mittelfinger. Roland trug nie Schmuck, besonders nicht diese Art rosa, herzförmigen Ring, von dem jeder auf den ersten Blick sehen konnte, dass er eine billige Fälschung war. Ich glaube, dass dieser Ring irgendeine Form von Apokalypse-auslösender Fähigkeit haben muss damit Roland ihn freiwillig trägt.

Roland seufzte leise. „Dies ist der Ring des Lebens den Rosa mir gegeben hat und welcher mir erlaubt eine menschliche Erscheinung anzunehmen. Allerdings reicht es, heiliges Licht einzusetzen um diese Illusion einfach wegzuwischen.

„Ich kann sehen, dass der Ring Rosa gehört… Ist das Schwert auch von ihr?“ Wer hätte gedacht, dass dieser lebende Eindruck durch die Effekte eines Ringes, der aussieht als könnte er einem kleinen Mädchen, das Vater-Mutter-Kind spielt, gehören, hervorgerufen wird?

Nächstes Mal wenn ich Rosas Haus besuche, sollte ich auf den Teddybären in der Ecke achtgeben. Wer weiß, vielleicht kann dieser Teddybär den Dämonenkönig herbeirufen oder so ähnlich?

„Nein, dieses Schwert ist ein Familienerbstück. Ich hatte gedacht, dass ich niemals ein bösartiges Schwert so wie dieses verwenden würde.“ Roland lächelte etwas widerwillig. „Ich hätte mir nie vorgestellt, dass ich dieses Schwert als Todesritter verwenden und tatsächlich zu den Kräften des Bösen gehören würde…“

„Warte!“ Ich wedelte mit der Hand um Roland zu stoppen, da ich die Präsenz von ungefähr fünf heiligen Rittern und zwei Priestern den Platz betreten spürte. Obwohl sie vermutlich nicht voraussehen würden, dass der Todesritter auf dem größten, meistbevölkerten Platz der Stadt auftauchen würde, handelte Urteil immer sorgfältig ohne ein einziges Haar zu übersehen. Offensichtlich würde er einen derart großen Platz nicht einfach unerforscht lassen.

Das war schlecht, der Todesritter saß direkt neben mir!

Auch wenn Roland menschlich aussehen mochte, konnte ich die dunkle Aura, die er ausstrahlte, noch schwach spüren während ich neben ihm saß. Es wäre schwer zu garantieren, dass er nicht von den Priestern aufgespürt würde … Oh-oh! Das ist schlecht – ein Priester schoss immer wieder Blicke in unsere Richtung und zeigte uns sogar dem heiligen Ritter neben ihm. Sie schienen sich darauf vorzubereiten herüberzukommen und einen genaueren Blick auf uns zu werfen.

„Roland, geh jetzt!“ drängte ich ihn mit leiser Stimme.

Jedoch warf Roland zwar einen Blick auf die Gruppe heiliger Ritter, macht allerdings keinerlei Anstalten zu gehen und behielt sogar eine ruhige und unbekümmerte Haltung bei.

Was für ein Desaster – die heiligen Ritter kamen nicht nur herüber, es waren auch noch alle sieben zusammen, alle mit einem ernsten Gesichtsausdruck. Es ist nicht möglich, dass wir wirklich entdeckt wurden, oder?

Mein Herz schlug heftig und ich überlegte immer noch wie wir uns an meiner eigenen Gruppe heiliger Ritter vorbeimogeln könnten als die sieben bereits neben Roland waren… Und ihn komplett ignorierten, an ihm vorbeigingen und sich vor mich stellten.

Dann sagte der Anführer der Ritter wachsam zu mir: „Mein Herr, bitte nehmen Sie die Kapuze Ihres Umhanges ab.“

Ich nahm die Kapuze ausdruckslos ab, während Roland daneben stand und wegsah. Ich konnte an der Art wie seine Schultern zitterten erkennen, dass er sein Gelächter unterdrückte.

„Ähh, Sonnenritter?!“ Die sieben erhielten offensichtlich einen ziemlichen Schock. Selbst wenn sie wirklich den Todesritter gefunden hätten glaube ich nicht, dass es sie mehr geschockt hätte.

Ich antwortete, als wäre ich von Trauer erfüllt: „Wäre es möglich, dass Sonne nicht mehr vom Gott des Lichtes gesegnet ist, sodass die heilige Aura welche seinen Körper durchdringt zu einem derartigen Maße verloren gegangen ist, dass meine Kollegen heiligen Ritter Sonne mit einem von dunkler Aura erfüllten Todesritter verwechseln könnten?“

„Nein, nein, so war es nicht!“ Alle sieben schüttelten zugleich den Kopf, wahrhaft ein spektakulärer Anblick!

„Dann könnte es daran liegen, dass Sonnes Benehmen und Bewegungen übermäßig hinterhältig und durchtrieben sind, in einem derartigen Maße, dass meine Kollegen heiligen Ritter Sonne für einen herumlungernden Todesritter halten könnten?“

Alle sieben schüttelten wieder gleichzeitig den Kopf, um 180° hin und her kreisend.

„Dann wäre es möglich, dass dies nur ein wundervolles Missverständnis ist, wie es von Zeit zu Zeit vom Gott des Lichtes erlaubt wird?“

Alle sieben schüttelten wieder den Kopf bis sie begriffen, was ich gerade gesagt hatte. Nachdem sie sieben unterschiedliche entsetzte Gesichtsausdrücke gezeigt hatten, begannen sie alle damit ihre Köpfe darauf auszurichten, sich auf und ab zu bewegen.

„Da all dies nur ein wundervolles, vom Gott des Lichtes erlaubtes Missverständnis ist, wird Sonne seine Brüder nicht weiter stören. Bitte fahrt damit fort, den Willen des Gottes des Lichtes auszuführen.“

Nachdem alle sieben mir hastig salutiert hatten und langsam und ruhig zurück salutiert hatte, hasteten sie um zu flüchten ohne zurück zu schauen, als wäre ich, der Sonnenritter, noch beängstigender als der Todesritter.

Vermutlich war es mein ursprünglich ausdrucksloses Gesicht, das sie erschreckte. Dass der Sonnenritter, welcher das Prinzip des Lächelns selbst im Angesicht des Todes aufrechterhalten muss, plötzlich aufhört zu lächeln würde ziemlich erschreckend wirken, selbst wenn er nicht wütend dreinschaut. Es scheint so, als müsse ich in Zukunft noch mehr auf mein Lächeln achten, andernfalls könnten sich leicht geschmacklose Gerüchte über den Sonnenritter und seine instabile Gemütsverfassung verbreiten.

Ich setzte die Kapuze meines Umhanges wieder auf und drehte mich um, um Rolands etwas überraschten Gesichtsausdruck zu sehen. Er fragte: „Grisia, wann hast du angefangen auf derart gebildete Art und Weise zu sprechen?“

„… Frag nicht.“

Ich sagte zu ihm: „Roland, beeil dich und versteck dich bei Rosa. Der Priester von vorhin hat vermutlich wirklich eine dunkle Aura gespürt und nur weil du hier komplett im Offenen gesessen bist und so unschuldig ausgesehen hast, haben sie mich neben dir für den Todesritter gehalten.“

Roland schwieg eine Weile bevor er leise sagte: „Ich wollte mich nur von dir verabschieden, Grisia. Das nächste Mal wenn wir uns begegnen werden wir Feinde sein.“

„Feinde…dann hasst du mich also wirklich.“ Niedergeschlagen senkte ich meinen Kopf. Ursprünglich hatte ich mich noch an dem Hoffnungsschimmer festgehalten, dass Roland nicht nachtragend war und er die Tatsache, dass ich ihm seine Position als Sonnenritter gestohlen hatte vielleicht sogar bereits vergessen haben könnte.

Aber Roland fragte stattdessen: „Warum sollte ich dich hassen?“

„Du hasst mich nicht?“ Ich hob den Kopf und fragte laut: „Warum würdest du mich sonst in dem Moment in dem du auftauchst niederstrecken?“

Roland machte ein entschuldigendes Gesicht. „Das liegt daran, dass Rosa mich darum gebeten hat, dir ein paar untote Kreaturen zu bringen um die du dich kümmern kannst. Ich wollte nur winken um dich zu begrüßen, aber ich bin erst kürzlich zu einem Todesritter geworden und hatte vergessen, dass sowohl meine Kraft als auch meine Geschwindigkeit erhöht waren und das Ergebnis war, dass ich nicht genug Zeit hatte um meine Hand zurückzuziehen und dich versehentlich durchschnitten habe. Es tut mir wirklich leid!“

„…“ Ich fragte widerwillig: „Und warum hast du dann gesagt, dass du zurückkommen und mich suchen würdest?“

„Ich wollte ursprünglich zurückkommen und dich suchen um mich zu verabschieden“, antwortete Roland nüchtern.

Roland du Armleuchter! Ist dir noch nicht aufgefallen, dass du bereits ein Todesritter bist? Deine „Begrüßungen“ und „Verabschiedungen“ haben mich beinahe umgebracht.

„Roland, wenn Menschen zwei Leben hätten, würde ich dich auf jeden Fall ein zweites Mal sterben lassen“, sagte ich wütend während ich die Zähne zusammenbiss.

Es ist schlimm genug, dass er auf mich hingehauen hat, aber wie konnte er etwas sagen, dass so leicht als „Ich werde zurückkommen um dich zu finden, Sonnenritter“ missinterpretiert werden kann? Das hat dazu geführt, dass die Leute mich derart missverstanden haben, dass ich beinahe bereit gewesen wäre zum Märtyrer zu werden und mich an den Kirchenpfeilern zu Tode zu rammen.

„Du kannst mich verbrennen“, antwortete Roland ziemlich ruhig. „Wenn ich meinen Erzfeind getötet habe, lass ich mich von dir verbrennen.“

„Ich habe es nicht ernst gemeint.“ Ich runzelte die Stirn. Ich hatte beinahe vergessen, dass Roland ein derart ernsthafter Typ ist, dass man mit ihm überhaupt nicht scherzen kann.

„Ich habe es ernst gemeint. Wenn ich diese Person nicht töten müsste, dann hätte ich es mir niemals erlaubt als böser Geist in dieser Welt zu existieren.“

„Ist der Kronprinz derjenige, der dich umgebracht hat?“ Als er meine Worte gehört hatte, starrte mich Roland ausdruckslos an, bevor er mit dem Kopf nickte.

Also war es wirklich der Kronprinz? Meine Stimmung wurde sofort schwer.

„Du wirst keinen Erfolg haben. Urteilsritter hat zumindest nicht so viel Stroh im Kopf… ähem! Ich meine, er ist nicht so ‚nett‘ wie ich. Er würde auf jeden Fall ein Netz das sich vom Boden bis zum Himmel erstreckt um den Kronprinzen herum aufziehen, sodass es unmöglich für dich wäre, Erfolg zu haben“, sagte ich.

Roland drehte sich um und ich konnte sehen, dass er so aufgewühlt war, dass seine Augen begannen sich zu verformen, als ob sie begannen sich in die rachsüchtigen und feurigen Augen eines Todesritters zurück zu verwandeln.

„Es spielt keine Rolle, wie groß die Erfolgschance ist, ich werde ihn auf jeden Fall töten“, antwortete Roland.

„Roland, Rachsucht ist keine angemessene Eigenschaft für einen Ritter“, hob ich hervor.

„Nein Grisia, ich tue es nicht für Rache“, erklärte Roland kalt. „Das ist nicht das erste Mal, dass er dieses Verbrechen begangen hat. Ich wurde zum Opfer, da ich seine Verfehlungen nicht mehr ertragen konnte und aufdecken wollte, was er wirklich ist. Ihn am Leben zu lassen wird nur weitere unschuldige Opfer verursachen.“

Ich war wie vor den Kopf geschlagen und mir fehlten die Worte. Ist der Kronprinz wirklich eine doppelgesichtige Person, die ein lächelndes Gesicht zeigt, während sie die Persönlichkeit eines sadistischen Mörders versteckt?

Roland stand auf, während sich die dunkle Aura seines Körpers wild in der Umgebung verbreitete. „Ich werde ihn definitiv umbringen, damit er niemals wieder jemanden in Gefahr bringen kann.“

„Deine bleibende Obsession ist es ihn zu töten?“ Wenn dies der Fall sein sollte, wird es schwierig. Für eine derartige Obsession gibt es keinen Kompromiss.

„Bleibende Obsession?“ Roland starrte mich verständnislos an.

„Ja. Letztes Mal bist du beinahe ein Todesherr geworden. Damit du in einer derart kurzen Zeit derart weit fortschreiten konntest, musst du eine bleibende Obsession haben die nahezu unmöglich zu erfüllen ist. Und wenn es darum geht, ihn umzubringen, dann ist es wirklich eine nahezu unmögliche bleibende Obsession.“ Ich schüttelte den Kopf. Sag nicht, dass Roland zu verbrennen doch die einzige Möglichkeit ist?

Ich sah auf und sah zufällig, dass Roland mir einen seltsamen Blick zuwarf. „Was?“, fragte ich, etwas verdutzt.

„Nein, ich sollte gehen. Die dunkle Aura, die ich gerade freigesetzt habe als ich die Kontrolle verlor, ist vermutlich bereits bemerkt worden. Grisia, wenn wir uns das nächste Mal begegnen hoffe ich, dass du mir als Sonnenritter gegenübertreten wirst.“ Sobald er geendet hatte, drehte sich Roland um und ging ohne abzuwarten.

Ich saß benommen auf dem Platz, mein Herz erfüllt von einem Wirrwarr an Gefühlen. Es ist bereits unmöglich Roland davon abzuhalten andere zu töten, was sollte ich also tun?

Rolands Pläne aufdecken? Auf diese Art hätte er, wie stark er auch sein möge, unter den wachsamen Augen des königlichen Palastes und der Kirche des Gottes des Lichtes keinerlei Erfolgschancen und wäre vielleicht nicht einmal in der Lage zu fliehen. Wenn dies passieren sollte, müsste ich, als der Sonnenritter, Roland persönlich wegholen um ihn am Scheiterhaufen zu verbrennen und das Streichholz anzünden um ihn zu grillen.

Andererseits könnte ich Rolands Pläne für mich behalten und darauf warten, dass er den Herrscher des Landes entzwei schnitt. Obwohl ich hasse es zuzugeben, mit seiner Kraft und der Erscheinung, die ihm der Ring des Lebens zur Verfügung stellt, könnte Roland tatsächlich Erfolg haben…

Verdammt seist du Roland! Warum konntest du die Tat nicht einfach still und leise alleine begehen und erst nachher zu mir tratschen kommen? Warum musstest du mir vorher über deine bösen Pläne berichten und mir massive Kopfschmerzen verursachen während ich darüber debattiere, ob ich dich grille oder nicht?

Der Klang unordentlicher Schritte kam näher. Als ich aufsah, war es tatsächlich die verspätete Gruppe heiliger Ritter. Ich schüttelte den Kopf. Dass sie erst jetzt auftauchen, so werden sie nicht einmal den Schatten eines Todesritters finden!

„Hier drüben!“ Hää? Könnte es sein, dass Roland zurückgekommen ist? Ich sah mich überall um, konnte aber kein Anzeichen von ihm finden…

„Sie! Nehmen Sie die Kapuze Ihres Umhanges ab!“ Ein ganzer Zug heiliger Ritter stürmte mit dem Trara einer Rinderherde auf mich zu und brüllte mich heftig an.

„…“ Wie oft wollt ihr mich eigentlich noch für den Todesritter halten, bevor ihr endlich zufrieden seid?!

[Sonnenritter Band 1 Kapitel 8 Ende]

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