Die Legende des Sonnenritters B1K10: „Für Gerechtigkeit zu sorgen ist der Grund für die Existenz des Sonnenritters“

Die Legende des Sonnenritters Band 1: Eine Einführung in die Rittertheorie

Chinesisches Original von: 御我 (Yu Wo)

Englische Übersetzung von: Evangeline


Zehnte Regel der Sonnenritter: „Für Gerechtigkeit zu sorgen ist der Grund für die Existenz des Sonnenritters“ – deutsche Übersetzung von Ariana

Urteil und ich teilten dem Kronprinzen unseren Plan mit, da es unmöglich war ungefähr fünfzig heilige Ritter im Palast zu verstecken ohne dass es jemand mitbekam. Der Kronprinz nickte ohne zu zögern um seine Zustimmung zu zeigen, so als hätte er bereits im Voraus gewusst, dass dies passieren würde.

Einige der heiligen Ritter verkleideten sich als königliche Ritter und patrouillierten in der näheren Umgebung, während sich andere als Diener verkleideten. Nachdem von vornherein viele Leute im Palast sind, fällt es nicht sonderlich auf, wenn man fünfzig weitere hinzufügt.

Urteil lag auf dem Bett, verkleidet als die Person, die Roland töten wollte. Um meine heilige Aura zu verstecken, bat ich den Papst ein Siegel für sie zu gestalten, klebte dieses dann an den Kleiderschrank und schloss mich anschließend in selbigem ein.

Ich muss sagen, die Möbelstücke, die die königliche Familie verwendet, sind wirklich nicht normal. Der Kleiderschrank alleine war ungefähr halb so groß wie mein Zimmer und der Boden war sogar mit Samt ausgelegt. Ich musste mich einfach hinlegen und ihn austesten und schnappte mir praktischerweise gleich ein Cape als Decke. Oh, reine Wonne! Ich begann mich schläfrig zu fühlen. Dieser Kleiderschrank ist sogar bequemer als mein Bett.

Glücklicherweise hatte ich mich nicht entschieden, mich auf das Bett zu legen, wo sich Urteil gerade aufhielt. Wenn mich das Liegen im Kleiderschrank bereits schläfrig machte, würde ich auf dem zu bequemen Bett, vermutlich wie ein Stein schlafen und dann von Roland entzwei gehackt werden…

„Sonne? Sonne!“

„Hmm?“ Ich drehte mich im Bett um. Was ist das Problem?! Es ist so laut und ich habe es mir gerade bequem gemacht!

Die Person draußen wurde für einen Moment leise und dann gab es plötzlich eine Reihe lauter Knalle als jemand gegen die Tür des Kleiderschrankes schlug.

Ich sprang sofort erschreckt auf und fragte in Panik: „Wa –! Was? Ist Roland hier?“

„Noch nicht“, kam Urteils tiefe Stimme von außerhalb des Kleiderschrankes. „Aber ich mache mir Sorgen, dass du es vermutlich auch nicht bemerken würdest, wenn er hier wäre, da du zu fest schlafen würdest.“

„Ah…hahaha! Das wird nicht passieren!“ lachte ich nervös. Das ist tatsächlich gut möglich. Urteil ist wirklich derjenige, der mich am besten versteht!

„Die Nacht ist noch jung. Roland wird vermutlich nicht so früh auftauchen. Um dich also davon abzuhalten einzuschlafen, erzähl mir von ihm.“

Ich war einen Moment still, da ich nicht wusste, wie ich antworten sollte. Urteil war so geduldig wie üblich, daher sagt er nichts um mich zu drängen. Schließlich seufzte ich und begann über die vergangenen Erinnerungen zu sprechen.

„Das erste Mal bin ich Roland bei der Auswahl der Zwölf Heiligen Ritter, die von der Kirche abgehalten wird, begegnet, damals, als nur noch zehn Kinder übrig waren.

Es ist dir vermutlich mehr oder weniger bewusst, dass sie praktisch der größte Wett-Event der Stadt war und fast jeder wetten würde, um zu sehen welches der Kinder das zukünftige Mitglied der Zwölf Heiligen Ritter werden würde.“

„Ich weiß“, wehte Urteils Stimme herein. Seine Stimme klingt weit entfernt, ich glaube, er hat sich gerade wieder auf das Bett gelegt.

„Erinnerst du dich noch an deine Quoten?“, fragte ich und lehnte mich mit dem Rücken an die Kastentür, da ich Angst davor hatte, mich wieder hinzulegen.

„Ich habe nie darauf geachtet“, antwortete Urteil.

Ich lachte. „Du bist genauso ernst wie Roland war, ihr beide habt eure gesamte Zeit damit zugebracht eure Schwertkunst zu üben! Ich erinnere mich noch: Deine Quoten waren 1,083 zu 1. Jemand der auf dich wettete, hätte, auch wenn er richtig lag, nicht viel gewonnen.“

„Du erinnerst dich ziemlich deutlich.“ Es war eine Spur Bewunderung in Urteils Stimme.

Da kann man nichts machen, nachdem das Einzige, worauf ich bei mir stolz sein kann, mein Gedächtnis ist!

Ich fuhr fort: „Rolands Quote war 1,052 zu 1, und damit sogar niedriger als deine. Das bedeutet, dass es damals sogar noch wahrscheinlicher war, dass er der Sonnenritter wird, als das du der Urteilsritter wirst.“

„Aber er wurde es nicht“, antwortete Urteil emotionslos.

„Nein, wurde er nicht, und derjenige, der der Sonnenritter wurde, war eine halbe Portion mit einer Quote von 563 zu 1“, sagte ich etwas spöttisch. „Eine Menge Leute die in jenem Jahr auf mich gewettet hatten wurden Millionäre!“

Urteils Stimme floss von draußen herein: „Du warst nicht so schlecht. Deine heiligen Fähigkeiten und deine Punktezahlen bei den schriftlichen Prüfungen waren die besten unter allen Kindern. Es ist bloß so, dass Außenseiter heilige Magie nicht begreifen und die Ergebnisse der Prüfungen nicht kennen.“

Obwohl diese Geschichte bereits weit zurück lag, fühlte ich mich trotzdem beruhigt, als ich Urteils Trost hörte. Stimmt! Ich bin gar nicht so schlecht, nur meine Schwertkunst ist etwas mangelhaft!

„Deine Schwertkunst ist allerdings wirklich grauenvoll“, fuhr Urteil fort.

Hey! Das hättest du jetzt nicht hinzufügen müssen, okay?

„Jedenfalls dachten damals alle, dass Roland garantiert der zukünftige Sonnenritter werden würde, und nachdem ich der unwahrscheinlichste Kandidat war, wurden wir beide natürlich die besten Freunde. Er hat mir oft geholfen, wie zum Beispiel – „

„Dir bei Kämpfen zu helfen, über die Mauer zu klettern um dir Heidelbeernachspeise zu kaufen, dir zu helfen, den Hund der dich gebissen hat zu verprügeln und so weiter“, vollendete Urteil meinen Satz und seufzte. „Grisia, du hast dich nicht im geringsten verändert.“

„Hahahahaha…“, lachte ich trocken. Stimmt! Nachdem Roland weg war hat Urteil seine Rolle übernommen.

„Hat er versucht dir die Sache anzuhängen, weil du ihm die Position des Sonnenritters weggenommen hast?“, fragt Urteil.

„Nein, er hat gar nicht versucht es mir anzuhängen!“, stöhnte ich und fühlte mich zum Heulen ohne Tränen zu haben. „Er ist einfach sehr langsam. Er hat immer noch nicht begriffen, dass er alle dazu gebracht hat zu denken, dass ich der Schuldige bin, der ihn zu Tode gefoltert hat. Er denkt, dass er mich bloß das eine Mal versehentlich mit dem Schwert erwischt hat.“

„Was dieses Gerücht über Folter und Tötung angeht, vermute ich, dass…“ Urteil stoppte plötzlich mitten im Satz.

Gerade als ich das Gefühl hatte, dass das seltsam war, kam eine mir sehr bekannte Stimme von außerhalb des Kleiderschrankes. Allerdings war ein Hass, den ich noch nie zuvor gehört hatte, in sie hineingemischt.

„Ich habe es bereits gesagt, dass ich, Roland, zurückkommen würde um euch zu finden, Eure Majestät der König!“

Roland? Wie? Wo ist er hergekommen…? Ah! Der Geheimgang! Verdammt! Ich hätte nie gedacht, dass Roland ihn auch kennen könnte!

„Du…du bist nicht der König…“

Wurden wir entdeckt?

Ich stieß schnell die Schranktür auf und sprang hinaus. Zugleich sandte meine Hand einen Blitz heiligen Lichtes aus, das Signal für die Ritter, die draußen auf der Lauer lagen, hinein zu kommen. Das Können unserer elite-heiligen Ritter war nicht übertrieben. Direkt nachdem ich den Lichtblitz gesandt hatte, sprangen Flamme und der Urteilsritterzug bei den Fenstern herein, während Erde und der Sonnenritterzug durch die Tür hereinstürmten.

Urteil sprang vom Bett mit seinem Göttlichen Urteilsschwert gezogen.

Zuerst starrte Roland verständnislos auf die Horde Menschen. Dann drehte er sich um und entdeckte mich. Er sagte ungläubig: „Grisia…Wie ist das möglich?“

„Roland, du hättest wissen müssen, dass ich dich nicht nach Belieben einen Mord begehen lassen kann.“ Ich blickte meinen Kindheitsfreund traurig an.

„Aber, ich habe dir deutlich gesagt, dass –“

Ich nickte und unterbrach Rolands Satz. „Du hast mir gesagt, dass der Kronprinz dein Feind sei.“

„Aber“, Roland war so wütend, dass er brüllte um mich zu unterbrechen, „das hier ist das Schlafzimmer des Königs!“

„Ja. Von dem Moment an, wo du mir sagtest, dass dein Feind Seine Hoheit der Kronprinz wäre, war ich zu hundert Prozent sicher, dass es tatsächlich der König war. Roland, deine Fähigkeit zu lügen war immer schon genauso grauenvoll wie meine Fähigkeiten im Schwertkampf.“

„Du…“ Roland war sprachlos.

„Außerdem kann ich zwar nicht sicher sein, ob der Kronprinz jemanden zu Tode foltern würde, aber was ich sicher weiß ist, dass, wenn er es täte, wir es auch nach zehn Jahren nicht herausfinden würden.“ Ich zuckte die Achseln. „Der Kronprinz ist kein Trottel. Wenn er wirklich jemanden zu Tode foltern würde, würde er definitiv die Leiche plus alle Spuren beseitigen und ein für alle Mal damit fertig sein und er wäre nicht blöd genug seine Ritter damit zu beauftragen die Leiche loszuwerden.

Weiters begannen sich Gerüchte, dass ich den Todesritter zu Tode gefoltert hätte, zu verbreiten. Wenn die Gerüchte nur gesagt hätten, dass ich den Todesritter getötet hätte, dann hätte man das einfach erklären können, da alle gehört haben, dass der Todesritter für mich zurückkommen würde und somit natürlich annehmen würden, dass ich ihn getötet hätte. Allerdings sind die Gerüchte so detailliert, dass sie sogar Folter erwähnen, was wirklich seltsam ist.“

Ich warf einen Blick auf Roland und sah, dass er verwirrt wirkte. Wie ich gedacht hatte, der Kerl hatte keine Ahnung von dem Gerücht. Aber egal, dieser Satz war ohnehin nicht für ihn bestimmt.

„Die einzige Person, die wusste, dass der Todesritter zu Tode gefoltert wurde, abgesehen von dem Todesritter, ist der Mörder.“

Ich warf erneut einen erneut einen Blick auf Roland und er runzelte dir Stirn, als ob er sich sehr anstrengen würde zu verstehen, was ich sagte. Ich fuhr fort zu erklären: „Allerdings verbreitete sich dieses Gerücht zu schnell, daher bezweifle ich, dass es von dem Todesritter verbreitet werden konnte. Immerhin kann ein Todesritter sich nicht einfach mit Leuten auf der Straße unterhalten.

Daher wurde dieses Gerücht, mit dem versucht wurde, mir den Mord anzuhängen, vermutlich von dem Mörder verbreitet.“ Ich lächelte und drehte mich um, um Urteil anzusehen. „Gerade eben, als du mit mir über das Gerücht sprechen wolltest, wolltest du dasselbe sagen, nicht wahr? Möchtest du noch irgendetwas hinzufügen, Urteilsritter?“

Urteil sah mich teilnahmslos an, mit dem „hör auf rumzuspielen“ Blick. Dennoch fügte er hinzu: „Zuerst, wenn die Kirche herausfände, dass dieser Fall mit der königlichen Familie zu tun hatte, hätten wir die Ermittlungen vermutlich sofort beendet und die dunklen Geheimnisse der königlichen Familie wären nicht ans Licht gekommen. Als jedoch der Ruf unseres Sonnenritters in den Fall involviert wurde, mussten wir um jeden Preis die Wahrheit herausfinden.“

„Das stimmt, ein dummer und wahrscheinlich nach hinten losgehender Plan, wie dass der Mörder blöd genug ist zu versuchen mir die Sache in die Schuhe zu schieben und somit die Kirche zu zwingen, die Wahrheit herauszufinden, stammt wahrscheinlich nicht vom Kronprinz“ sagte ich. Ich grinste ein wenig höhnisch. „Nun, denkt ein wenig darüber nach. Wer hasst mich sehr, ist ein Idiot und ist mutig genug zu versuchen den Sonnenritter der Kirche des Gottes des Lichtes zu verleumden? Abgesehen von unserem geliebten König, wer sonst könnte es sein?“

„Schwachsinn! Impertinentes Gesindel!“

Die Bücherregale auf der Seite teilten sich plötzlich und enthüllten einen Gang, aus dem der wütende König, dicht gefolgt vom stirnrunzelnden Kronprinzen, gestürmt kam. Natürlich folgte den beiden eine große Menge königlicher Ritter.

Wie ich erwartet hatte, das geheime Zimmer in dem sie sich versteckten war das erste, bei dem ich entdeckt hatte, dass es fest verschlossen war, als ich vorhin gekommen war um im geheimen zu ermitteln. Scheint so, als hätten sie den versiegelten Gang wieder geöffnet, um darin im Hinterhalt liegen zu können.

„AAAAAAARGH!”

Als Roland den König zu Gesicht bekam glühten seine Augen blutrot und er stürmte sofort wie verrückt auf ihn zu. Der König war zu Tode erschrocken und zog seine Ritter herbei um sich hinter ihnen verstecken zu können.

„Urteil! Erde!“ rief ich um sie zu erinnern, aber Urteils Reaktion war sogar schneller als meine und er war bereits dort und blockte Roland mit dem Schwert, bevor die Worte meinen Mund verlassen hatten. Erde stellte sich hastig vor den König und erschuf Das Schild der Erde nachdem ich fertig gerufen hatte.

Ich begann eine Beschwörung zu skandieren. Als mein Sprechgesang länger wurde, begann das heilige Licht im Raum heller zu scheinen. Dieses Licht war für Untote eine tödliche Waffe, daher konnte Roland, obwohl er zu Lebzeiten ein hervorragender Schwertkämpfer gewesen war und als Todesritter im Tod zu der Créme de la Créme der untoten Kreaturen gehörte, unter dem heiligen Licht trotzdem nicht lange durchhalten. Außerdem war sein Gegner der Urteilsritter, welcher der beste Schwertkämpfer unter den Zwölf Heiligen Rittern war.

Wie ich vorausgesehen hatte, konnte Roland, nicht lange nachdem die zwei angefangen hatten zu kämpfen, nicht mehr standhalten und wurde von Urteil entwaffnet. Sein Schwert polterte durch den Raum und er wurde von dem heiligen Licht im Zimmer in eine halb kniende Position gezwungen.

Als er das sah, stürmte der König, welcher sich ursprünglich hinter seinen königlichen Rittern versteckt hatte, hervor und begann auf Rolands Kopf zu stampfen. Während er stampfte fluchte er: „Du Bastard, du hast es gewagt zurückzukommen um Rache zu nehmen? Für Abschaum wie dich ist es eine Ehre, durch meine Hand zu sterben!“

„Vater, hör auf!“

Der Kronprinz wurde blass. Er lief zu seinem Vater um ihn wegzuziehen, aber er war zu schwach, daher wurde er stattdessen vom König weggestoßen. Glücklicherweise schafften es die königlichen Ritter in ihrer Nähe den Kronprinz rechtzeitig aufzufangen, sodass Seine Hoheit nicht zu Boden fiel.

„Hört auf, auf ihm herum zu trampeln!“ Der Flammenritter auf der Seite war der Erste, der sich nicht mehr zurückhalten konnte. Er stürmte vorwärts und schob den König weg.

„Du wagst es mich wegzuschieben?!“ Der König war erstaunt. Dann schrie er hysterisch: „Königliche Ritter! Meine Ritter, er hat mich angegriffen! Ich befehle auch allen, sofort zurückzuschlagen!“

Als die königlichen Ritter den Befehl, die heiligen Ritter zu attackieren, erhielten, waren sie eindeutig für einen Moment fassungslos. Sie bewiesen jedoch, dass sie es wert waren, königliche Ritter genannt zu werden. Einen kurzen Moment später zogen sie ihre Schwerter und schritten geordnet auf den Flammenritter zu.

Flamme war so wütend, dass sein Gesicht knallrot wurde. Er brüllt mit tiefer Stimme: „Ihr wagt es, eure Waffen auf mich zu richten?! Heilige Ritter, fertigmachen zum Kampf!“

Daraufhin drehten sich die heiligen Ritter, um ihre Waffen auf die königlichen Ritter zu richten.

„Ihr alle, hört sofort damit auf!“ rief der Urteilsritter wütend.

Aber zu diesem Zeitpunkt war die Situation bereits derart außer Kontrolle, dass nicht einmal Urteils wutentbrannter Schrei sie noch aufhalten konnte. Es stimmt zwar, dass der Urteilsritterzug seine Waffen senkte, da sie es auf keinen Fall wagen würden, einen Befehl des Urteilsritters zu missachten. Aber mein Sonnenritterzug, der Flammenritter mit seinem explosiven Temperament und der Erdritter, der oberflächlich ehrlich und unter der Oberfläche bösartig ist, waren auch alle hier.

Aufgrund des abstoßenden Verhaltens, dass der König täglich zeigte, haben all diese heiligen Ritter vermutlich schon lange insgeheim auf den König herabgesehen. Zusätzlich ist dieser alte Kerl auch noch selbstständig hervorgestürmt, um auf dem Todesritter herum zu trampeln und gab sogar zu, dass er Roland getötet hatte. Es schien fast so, als hätte er Angst, dass die heiligen Ritter ihn nicht genug hassten.

Die heiligen Ritter und die königlichen Ritter starrten einander wütend an und hoben die Waffen, bereit zum Kampf. Der König goss noch mehr Öl ins Feuer indem er eine Vase nahm und auf den Flammenritter warf. Glücklicherweise traf ihn die Vase nicht und zerbrach stattdessen auf Erdes Schutzschild.

Dennoch verärgerte diese Respektlosigkeit gegenüber den Zwölf Heiligen Rittern der Kirche den Sonnenritterzug. Ich weiß nicht, welches Mitglied der heiligen Ritter die königlichen Ritter anspuckte, aber danach geriet die Situation komplett außer Kontrolle. Die Ritter begannen sofort, einander zu bekämpfen und das Klirren der Schwerter stoppte nicht einmal für einen Moment.

Nicht dass ich angeben will, aber obwohl die Mitglieder des Sonnenritterzuges ein explosives Temperament haben mögen, sind ihre Fähigkeiten garantiert erstklassig.

Ich fragte mich, ob mein Sonnenritterzug einfach Pech hatte, oder ob es an ihrem üblichen Verhalten lag, dass sie oft mit jemandem oder etwas, mit dem nicht zu spaßen ist, in Schwierigkeiten geraten. Nachdem ihr Zugleiter immer lächelt, und daher wie das perfekte Mobbingopfer wirkt, und selbiger Leiter üblicherweise die „geht mich nichts an“ Strategie in Bezug auf seinen Zug anwendet, müssen sie sich auf ihre exzellenten Fähigkeiten im Schwertkampf und ihre Solidarität verlassen um die Person so sehr zu verprügeln, dass sie sich nicht einmal traut, sich zu mir persönlich beschweren zu kommen.

Ich ignorierte den Kampf hinter mir und trat vor Roland. Als ich ihn anblickte, fühlte ich wie meine Gefühle in Aufruhr gerieten.

„Grisia, Grisia!“

Roland rief meinen Namen mit leiser Stimme. Er sah mich ausdruckslos an, aber die Flammen in seinen Augenhöhlen wurden langsam schwarz. Er starrte mich mit diesen schwarzen Flammen an und fragte: „Bist du der Sonnenritter geworden um diese Art von Person zu beschützen?“

Ich antwortete leise: „Roland, es gibt viele Dinge in dieser Welt, bei denen wir Kompromisse eingehen müssen. Ich bin der Sonnenritter der Kirche des Gottes des Lichtes, daher gibt es viele Dinge die ich bedenken muss.“

„Ist das deine Antwort?“ Die Flammen in Rolands Augen wurden noch dunkler.

„Roland, sieh dir deine aktuelle Situation an.“ Meine Augen waren voll Mitgefühl. „Was der König auch getan haben mag, er ist immer noch der König und ich muss dich davon abhalten, ihn zu töten.“

„Selbst wenn er den Tod verdient?“ Roland starrte mich an, die schwarzen Flammen strömten bereits aus seinen Augenhöhlen.

„Ja, selbst wenn er tausend Tode verdient“, verkündete ich ruhig.

„So ein guter Sonnenritter!“ Roland brach plötzlich in Gelächter aus, beginnend bei einem sanften Glucksen, über ein lautes Lachen, bis er schließlich hysterisch lachte. Die Flammen in seinen Augen brachen aus ihnen hervor und brannten seine Wangen hinunter, wie schwarze Tränen.

„Ack!”

Ohne Warnung schleuderte Roland mich mit einem harten Stoß seiner Schulter quer durch den Raum. Das heilige Licht, das den Raum durchflutete, verschwand sofort ohne die geringste Spur. Nachdem das heilige Licht verschwunden war, stand Roland aus seiner halb knienden Position auf.

Ich landete und wankte zurück auf die Füße. Der Urteilsritterzug, der die Tür bewachte, sah was passierte und versuchte mir beim Aufstehen zu helfen, aber ich schickte sie mit einer Handbewegung zurück auf ihren Posten. Aber außer ihnen sah niemand was passiert war, da sich das Schlafzimmer in ein chaotisches Schlachtfeld verwandelt hatte. Wenn man die königlichen Ritter, Flammenritter, Erdritter und meinen Sonnenritterzug mit einrechnete, kämpften über fünfzig Leute im Zimmer.

Obwohl der Kronprinz und Urteil sie anbrüllten aufzuhören, schüttete der König kontinuierlich Öl ins Feuer. Mein Sonnenritterzug ignorierte Urteilsritters Befehle komplett, da ich ihr Anführer und der Urteilsritter schließlich mein eingeschworener Feind war! Daher war es ganz natürlich, dass sie nicht auf Urteil hören würden.

Das Gesicht seiner Hoheit des Kronprinzen war so blass, dass es so aussah als würde er jeden Moment in Ohnmacht fallen. Im Gegensatz dazu hatte das Gesicht des Urteilsritters aufgrund seiner Wut einen beängstigenden Violett-ton angenommen.

Glücklicherweise war dies das Schlafzimmer des Königs, welches so groß wie ein Konferenzsaal war. Wie würde man auch sonst fünfzig sich duellierende Ritter hier drinnen unterbringen?

Ich skandierte den Spruch und heiliges Licht durchflutete erneut das Zimmer, es war diesmal jedoch noch heller. Allerdings wandte ich dabei einen kleinen Trick an und ließ mein heiliges Licht den gesamten Raum, außer den Bereich um Roland herum, füllen.

Es war notwendig für mich, dass Roland sich in einen Todesherrn verwandelte. Nur dann würde mein Plan Erfolg haben.

Das heilige Licht blockierte erfolgreich die dunkle Aura, die sich um Roland sammelte während er sich von einem Todesritter in einem Todesherrn verwandelte. Das blende Licht verhinderte auch, dass irgendjemand Roland deutlich sehen konnte. Der Urteilsritterzug dachte vermutlich, dass ich den Todesritter bereits überwältigt hatte und tat daher nichts.

Die anderen muss ich nicht einmal erwähnen. Sie waren so sehr mit kämpfen beschäftigt, dass ich bezweifle, dass sie überhaupt bemerkten, dass das heilige Licht nach einem kurzen Aussetzer wieder auftauchte.

Mein heiliges Licht kann jedoch meine eigene Sicht nicht blockieren, daher sah ich die Geburt eines Todesherrn mit eigenen Augen.

Rolands Hautfarbe war gräulich-weiß und die Flammen in seinen Augen wurden pechschwarz und breiteten sich über sein Gesicht aus, wobei sie zwei tränenartige Markierungen zurückließen. Nun brannten die Markierungen weiter nach unten. Ich konnte nicht sehen, wo sie unter seiner Kleidung verschwanden, aber die Markierungen breiteten sich schnell auf seine bloßen Arme aus.

Außer den schwarzen Flammenzeichnungen, die aus seinen Augen flossen, sickerte die dunkle Aura die Roland umgab in seinen Körper und „wuchs“ aus seinem Rücken. Sie formte…Drachenflügel, genau die Art die man auf einem Wandgemälde sehen würde! Der einzige Unterschied war, dass sich auf der Spitze von Rolands Flügeln scharfe Krallen befanden.

Ein grau-weißer Körper, schwarze Flammenmarkierungen, Drachenflügel mit scharfen Krallen…Sieht so ein Todesherr aus? dachte ich.

Ich muss zugeben, es sieht wirklich mächtig und beeindruckend aus. Nun kann ich nur noch hoffen, dass mein Plan Roland stoppt, denn sonst … haha, ich schätze, sonst habe ich keine andere Wahl mehr, als gemeinsam mit Roland zu sterben.

In diesem Moment öffnete Roland die Augen. Er untersuchte die Markierungen auf seinen Armen mit einiger Neugier und berührte die Flügel auf seinem Rücken.

Es ist Zeit! Ich stürmte an Rolands Seite und konfrontierte ihn direkt, mit weniger als einem Fuß[1] Abstand zwischen uns. Als er mich sah, verzerrte sich sein Gesicht vor Wut. Er schleuderte mich erneut mit einem Schlag mit der Handfläche davon, aber dieses Mal konnte ich seinen Angriff nicht einmal deutlich sehen.

Ich landete erneut auf dem Boden. Autsch! Also, das tut jetzt wirklich weh! Ich hegte den Verdacht, dass er ein Loch in, oder, schlimmer noch, durch meine Brust geschlagen hat!

„Sonnenritter!“

Der Urteilsritterzug waren die ersten, die meinen tragischen Zustand mitbekamen. Alle keuchten vor Schreck auf und versuchten dann, mir zu Hilfe zu eilen. Bevor sie das schafften, streckte Roland allerdings eine Hand aus und skandierte einen Spruch. Er beschwor eine ganze Horde dunkle Kreaturen herauf: Zombies, Skelette, Geister, eine vampirische Spinne mit Menschengesicht… und sogar noch mehr die ich nicht einmal benennen konnte.

Oh mein Gott! Also das ist EINIGE Nummern zu groß für mich! dachte ich und wurde blass. Sag nicht, dass mein Plan nach hinten losgehen wird und ich hier und jetzt von Roland umgebracht werde?

Der Urteilsritterzug hatte nun keine Zeit mehr mir zu helfen. Der Angriff hatte alle überrumpelt und sie hatten Schwierigkeiten sich zu wehren, aber ich schaffte es endlich, die Aufmerksamkeit der Ritter, die in der Mitte des Raumes in ein hitziges Gefecht verwickelt waren, zu erregen.

Die königlichen Ritter riefen alle: „Beschützt den Kronprinzen!“ Als sie allerdings hörten, dass alle das gleiche riefen, fügten sie schnell als Hintergedanken hinzu: „Beschützt Seine Majestät den König!“ Dieser alte Knacker ist bei seinen Leuten definitiv nicht sehr beliebt…

Was meinen Sonnenritter Zug angeht, als sie bemerkten, dass ich am Boden Blut spuckte, waren ihre überraschten Gesichter so unterschiedlich, dass man daraus eine „Enzyklopädie Geschockter und Verängstigter Gesichter“ machen könnte.

Ich unterdrückte meine Schmerzen und befahl meinem Zug: „Haltet die dunklen Kreaturen auf. Lasst nicht einmal eine von ihnen aus diesem Raum.“

„Jawohl!“, antwortete mein Sonnenritterzug gleichzeitig. Sie waren so diszipliniert, dass es schwer zu glauben war, dass sie nur wenige Momente zuvor in einen hitzigen Kampf verwickelt gewesen waren.

Obwohl sie üblicherweise alles vermasseln, sind sie folgsam wie kleine Hündchen, sobald ich ihnen befehle etwas zu tun. Das liegt daran, dass ich ihnen zuvor einmal erklärt hatte: „Wenn ich euch auffordere von dieser Klippe zu springen müsst ihr springen. Andernfalls schmeiße ich euch von der Klippe und schiebe euch einen Felsbrocken als Gefährten hinterher.“

Zuerst hatten sie keine Angst, denn immerhin war ich der lächelnde Sonnenritter. Wie könnte ich angsteinflößend sein? Als ich aber mit einem Lächeln im Gesicht zwei Mitglieder des Zuges hinuntergeschmissen und zwei Felsbrocken hinterhergeschoben hatte, entschied sich der Rest selbst hinunterzuspringen.

Mein Sonnenritterzug machte schnellere Fortschritte dabei, die dunklen Kreaturen zu beseitigen, als der Urteilsritterzug. Das war zu erwarten, da dunkle Kreaturen vor Sprüchen wie heiliges Licht, heilige Segnung und anderer heiliger Magie entsetzliche Angst haben und dies Sprüche sind, die jedes Mitglied des Sonnenritterzuges lernen muss.

Ich sah, dass es meinem Sonnenritterzug nicht schwerfiel, die dunklen Kreaturen zu besiegen und es nur eine Frage der Zeit war, bis sie alle dunklen Kreaturen beseitigt hatten, was dazu führte, dass ich mich entspannter fühlte.

Zu diesem Zeitpunkt kamen sowohl Flammen- als auch Erdritter zu mir und halfen mir auf. Nachdem ich stand, begann ich den beiden Befehle zu erteilen. „Flamme, kümmere dich um alle Geister. Erde, beobachte die Situation und leiste Hilfe, wann immer sie benötigt wird. Ich will niemanden ernsthaft verletzt sehen.“

Beide nickten. Flamme begann an dem Kampf teilzunehmen, sobald sein zweihändiges Breitschwert mit reinigenden Flammen entflammt war und ging als erstes speziell auf die Geister los.

Der Erdritter stand neben mir, behielt den Kampf genau im Auge und beschwor von Zeit zu Zeit seinen Schutzschild herauf.

Roland war von dunklen Kreaturen umgeben. Er beobachtete den Kampf, der um ihn herum tobte, mit einem leicht bösartigen Grinsen.

Das ist kein normaler Gesichtsausdruck für ihn. Ich wurde misstrauisch. Roland…Er wurde nicht von seiner Wut um den Verstand gebracht, oder?

Während ich spekulierte, tat Roland etwas, das meinen Verdacht, dass er den Verstand verloren hatte, bestätigte. Er verwendete seine dunkle Aura als Netz, hüllte den Raum ein und sperrte alle in seinem Inneren ein. Danach beschwor er mehr dunkle Kreaturen herauf, sodass die Anzahl der dunklen Kreaturen und die Anzahl der Ritter im Inneren des Zimmers gleich waren.

Kein Wunder, dass das Grundlegendes Wissen über Untote Kreaturen Handbuch sagte: „Lassen Sie niemals zu, dass ein Todesherr geboren wird, andernfalls wäre es eine Katastrophe“…Ein Todesherr ist also wirklich unvorstellbar stark!

Sieht so aus, als wäre mein Plan diesmal viel zu waghalsig.

Ich sah, dass der Urteilsritter abseits am Rand den Prinz fragte: „Es tut mir leid, Eure Hoheit. Die Situation ist außer Kontrolle geraten. Dürfte ich fragen, wie lange es dauern wird, bis die anderen königlichen Ritter oder Wachen bemerken werden, dass etwas schiefgegangen ist?“

Der Prinz war sehr blass. Er musste sich auch noch um das Gebrüll seines eigenen Vaters, des Königs, kümmern. Er lächelte bitter und antwortete: „In Anbetracht der Tatsache, dass wir uns um private Angelegenheiten kümmern würden, die … nicht wirklich dafür geeignet sind öffentlich bekannt zu werden, habe ich alle Wachen weit entfernt postiert und auch allen befohlen, dass sie selbst im Falle eines Aufruhres nicht in die Nähe kommen sollen.“

Als er dies hört runzelte Urteil die Stirn und sah in meine Richtung. Ich konnte vermutlich erraten, was sein Plan war. Er wollte, dass ich zuerst floh und die anderen im Palast und in der Kirche alarmierte.

Das war tatsächlich die beste Möglichkeit. Die Gründe hierfür? Erstens war ich ernsthaft verletzt. Zweitens, selbst wenn ich nicht ernsthaft verletzt wäre, wären meine Kampffähigkeiten trotzdem immer noch auf dem Level einer ernsthaft verletzten Person. Drittens war mein gesamter Körper von einer heiligen Aura umgeben, daher wäre es ein Leichtes für mich, aus dem Netz dunkler Aura auszubrechen.

Allerdings hatte ich meinen eigenen Plan, und es war nun nur noch ein einziger letzter Schritt übrig.

„Wofür bezahle ich euch Ritter eigentlich? Ihr sollt diesen Bastard für mich umbringen!“ Der König war so wütend, dass sein gesamter schwabbeliger Körper nicht aufhören konnte zu zittern. Er ohrfeigte sogar einen der königlichen Ritter.

Meine liebe Majestät der König! Ich wollte eure fette, ölige Hand noch nie in meinem Leben lieber küssen!

Diese Art Verhalten und Sprache würden Roland definitiv zur Weißglut bringen, was genau das war, worauf ich gewartet hatte!

Wie erwartet, explodierte Rolands Wut. Die Flammen in seinen Augen brannten noch höher und er stieß ein furchterregendes, unmenschliches Brüllen aus. Seine dunkle Aura loderte auf wie ein Sturm und ließ den gesamten Raum erzittern.

Ich begann sofort zum König zu laufen. Obwohl ich nicht wusste, wie Roland durch die königlichen Ritter brechen und den König erreichen würde, würde dieser Kerl definitiv einen Weg finden. Alles, was ich tun musste, war mich vor den König zu verfrachten bevor er angriff.

Während ich rannte, drehte ich mich um Roland anzusehen. Ich sah dumpf, dass sich die Luft um Roland herum leicht verzerrte. Sag nicht…?

Ich lief schneller, da ich Angst hatte, nicht rechtzeitig anzukommen um Roland zu stoppen.

Rolands Gestalt verschwand.

Bevor irgendjemand reagieren konnte, tauchte der Todesherr plötzlich vor dem König auf und zeigte ein zufriedenes, bösartiges Grinsen. „Eure Majestät, es ist Zeit, dass Ihr für Eure Verbrechen bezahlt.“

Der König war so verängstig, dass seine Beine nachgaben und er auf die Knie sank.

Das ist die räumliche elementare Magie: Teleportation. Sie erlaubt einer Person, den Abstand zwischen sich selbst und dem Zielort in einem Augenblick zu verkürzen. Ich hätte nie gedacht, dass ein Todesherr diese Art von Spruch verwenden kann!

„Hör auf, Roland!“

Als ich sah, dass Roland sein Schwert erhoben hatte und es ohne zu zögern auf den Kopf des Königs zustieß, sprang ich gerade noch rechtzeitig vor den König. Mit einer Kombination heiliger Magie und dem Schutz von Lichtschild stoppte ich Rolands Angriff.

Dennoch erschien ein tiefer Schnitt auf meiner Brust und Blut aus meiner Wunde spritzte auf Roland. Jeder Tropfen meines Blutes voller heiliges Element war extrem schädlich für ihn. Er knurrte leise vor Schmerz.

Obwohl mein Blut einen Teil seines Körpers zerfressen hatte und ihn grauenvoll aussehen ließ, schien als wäre er bereits wieder bei Sinnen. Die Flammen in seinen Augen waren nicht so schwarz wie zuvor. Als ich das sah, konnte ich ein erleichtertes Seufzen nicht zurückhalten. Der Kerl hat sich endlich beruhigt. Ich war zuerst besorgt, dass er weiter Amok laufen würde!

„Grisia…“ Roland hob den Kopf und fragte ziemlich verwirrt: „Gerade eben, warum hast du nicht verhindert – “

„Roland!“, unterbrach ich ihn. Machst du Witze? Wenn die Leute hier wüssten, dass ich nicht verhindert habe, dass Roland sich in einen Todesherrn verwandelt, dann wäre der Tag an dem ich auf dem Scheiterhaufen verbrannt werde nicht mehr fern.

„Ich weiß, dass du davon besessen bist, denjenigen zu töten, der dich gefoltert und getötet hat. Aber ich weiß auch, dass du das nicht aus Rache tust, sondern um dieses wunderschöne Land vor der Herrschaft eines grausamen Mörders zu retten und selbigen Mörder davon abzuhalten, die Menschen in Gefahr zu bringen und weitere unglückliche Todesritter zu erschaffen, nicht wahr?“

Als er meine Frage hörte, hörte er viele seiner eigenen Absichten in ihr. Er nickte reflexartig.

Ich blickte ihn ruhig an und sagte: „Wenn der König also freiwillig, als Zeichen der Reue für seine Verbrechen, abdankt, solltest du in der Lage sein, in Frieden zu ruhen[2]. Stimmt das, Roland?“

„Sonnenritter, wa…was für einen Blödsinn redest du da eigentlich?!“ Der König war so wütend, dass sein Gesicht so rot wie eine Tomate war.

Roland runzelte die Stirn, als wäre er unsicher, was meine wahren Absichten waren.

„Roland? Sie können nicht… Hauptmann Roland?!“, rief ein königlicher Ritter aus. Als sie diesen Ruf hörten, schienen alle königlichen Ritter den Namen Roland zu erkennen und begannen das Aussehen des Todesherrn zu untersuchen. Bald begannen die Ritter, einer nach dem anderen, Roland zu erkennen.

Die königlichen Ritter begannen sich untereinander zu unterhalten: „Er ist es wirklich! Er war der Jüngste unter den königlichen Hauptmännern…“

„Es ist Roland! Ich war einmal mit ihm auf Patrouille.“

„Er war so ein talentierter Ritter! Wie konnte es hierzu kommen…?“

„Hauptmann Roland! Wurden S-Sie nicht von Feinden g-getötet, während Sie auf einer Mission waren?“, rief der königliche Ritter, der Roland als Erstes erkannt hatte, erregt aus.

Roland drehte sich zu dem jungen königlichen Ritter. Sein Gesicht wurde sichtlich weicher. Er antwortete: „Oh, du bist das, Hele.“

„Es ist wirklich Hauptmann Roland!“ Als er hörte, wie sein eigener Name genannt wurde war Hele so erregt, dass er sein Schwert fallen ließ. Er rief ungläubig: „Wie sind S-Sie ein Todesritter geworden?!“

Roland drehte langsam den Kopf um den König anzusehen. Sein hasserfüllter Gesichtsausdruck zeigte allen Anwesenden, dass dieser Mann derjenige war, der ihn ermordet hatte. Die Blicke der königlichen Ritter fielen alle auf den König. Vielen zeigten einen Ausdruck plötzlichen Verstehens, ohne eine Spur von Zweifel an Rolands Worten. Abgesehen davon, zeigte die Art wie der König sich üblicherweise verhielt ohnehin allen, dass er tatsächlich fähig war, so etwas zu tun.

Der König schien so beschämt zu sein, dass er wütend wurde. Er brüllte laut: „Selbst wenn ich ihn getötet hätte, ist er mein königlicher Ritter. Wenn er etwas Falsches getan hat und ich ihn hingerichtet habe, was wäre falsch daran?“

Der Kronprinz, der am Rand stand, vergrub resigniert das Gesicht in den Händen, als ob er des Schlamassels das sein Vater angerichtet hatte müde wäre.

„Blödsinn! Hauptmann Roland war der gesetzestreuste Ritter, er würde nichts Falsches tun! Wenn Ihr sagt, er hätte etwas Falsches getan, dann sagt uns welches Verbrechen er begangen hat!“

Der Ritter namens Hele war offensichtlich ein Mitglied der „Unterstützer Rolands“. Er war sogar mutig genug, dem König zu widersprechen, obwohl er nachdem er fertig war extrem panisch aussah. Dennoch schienen die anderen königlichen Ritter seiner Aussage zuzustimmen. Niemand sonst widersprach dem König, aber wenn man sich ihre kalten Blicke auf den König ansah, war es offensichtlich, dass Roland ein gutes Image unter den königlichen Rittern gehabt hatte.

„Er, er hat sich unerwünschte Freiheiten mit der Prinzessin erlaubt!“ Der König wählte schlauerweise ein Verbrechen, das sehr schwer zu untersuchen war, ohne auch nur einen Gedanken an den guten Ruf seiner Tochter zu verschwenden.

Was als nächstes passierte war ein ziemlich beeindruckender Anblick. Ungefähr zwanzig königliche Ritter zeigten alle zugleich einen seltsamen Gesichtsausdruck. Hele erklärte, während er so aussah als wüsste er nicht ob er lachen oder weinen sollte: „Jeder weiß, dass Hauptmann Roland keine Dates hat, sich nicht für Geld interessiert, nicht spielt, nicht trinkt und nicht rauft. Alles was er macht, ist Schwertkampf zu üben und dann noch mehr Schwertkampf zu üben…“

Diese Art Person ist verdammt schwer anzuklagen. Ich wette, das ist was der König vermutlich gerade in Gedanken jammerte…

„Ich…Als König eines Landes würde ich nicht einfach so einen meiner eigenen Ritter ohne Grund töten. Wenn ich sage, er hat sich Freiheiten mit der Prinzessin erlaubt, dann hat er das auch getan!“, insistierte der König hartnäckig.

Die königlichen Ritter wurden alle leise. Wenn der König sich stur weigerte, seine Verbrechen zuzugeben, dann konnten sie nichts tun. Und selbst wenn er es zugab, was konnten die Ritter tun, außer insgeheim enttäuscht zu sein? Außer sie hatten vor zu rebellieren…

„Seine Majestät der König wollte ihn umbringen weil…“, erklang eine Stimme die so entspannt war, dass sie in dieser angespannten Situation fehl am Platz wirkte. Als allen vor Schreck fast die Augen aus dem Kopf sprangen, kam der Sturmritter hinter einem mannshohen Spiegel hervor. Er wirkte entspannt und er trug ein Lächeln, das niemand haben sollte, nachdem er einen Todesherrn gesehen hat.

Sturm ist sauer!

Ich kann es erkennen, wenn Sturm wütend ist. Jedes Mal, wenn dieser Kerl wütend wird, würde er einen entspannten Schein aufsetzen und mit diesem entspannen Schein würde er dich plötzlich, während du nicht achtsam bist, angreifen und ernsthaften Schaden anrichten.

Im Moment bin ich der Rekordhalter für die höchste Anzahl an Malen Sturm wütend zu machen. Im Laufe von dreizehn Jahren habe ich ihn zehn Mal wütend gemacht und habe neun Mal seine plötzliche Rache erlitten. Es gab eine Rache weniger, da ich einmal, direkt nachdem ich Sturm zur Weißglut gebracht hatte, auch meinen Lehrer zur Weißglut brachte.

Als er diesen entspannten Schein aufgesetzt hatte und zu mir kam um Rache zu nehmen, lag ich bereits hilflos im Bett, am ganzen Körper einbandagiert wie eine Mumie. Er stand volle zehn Minuten still neben meinem Bett. Dann besiegte sein Mitgefühl seinen Wunsch nach Rache (oder lag es daran, dass er einfach keine Stelle finden konnte, die nicht bereits verletzt war?). Jedenfalls ging er, ohne etwas zu tun.

Dieses Mal schien es so, als hätte die geheime Folterkammer Sturm wirklich wütend gemacht.

Sturm schob den mannshohen Spiegel energisch weg. Der Spiegel krachte mit einem Knall gegen die Wand und wenn mich meine Augen nicht täuschten, war die Wand gesprungen…

„Er entdeckte Euer abscheuliches Verbrechen, Dienstmädchen zu foltern und zu töten, also versuchte es zu enthüllen. Aber Ihr habt ihn gefangen und drei Monate lang gefoltert, bis er starb.“

Wie zur Hölle hat er eine derart genaue Zeit wie drei Monate herausgefunden? Ich war sehr verwirrt. Sogar ich weiß nicht, wie lange Roland gefoltert wurde.

Das Gesicht des Königs verzog sich und er fauchte: „Meineid! Das ist eine falsche Anschuldigung! Wie könntest du wissen, wie lange ich Roland eingesperrt hatte?“

Sturm sagte teilnahmslos: „Es gibt keine Mauer auf dieser Welt, die nichts durchlässt und es gibt kein Geheimnis, dass nicht aufgedeckt werden kann. Wenn ich sogar weiß, dass Ihr jetzt gerade rote Leopardenprint-Unterwäsche tragt, was gibt es, dass ich nicht herausfinden kann? Wollt Ihr, dass ich wiederhole, wie Ihr ihn gefoltert habt? Auspeitschen, Brandmarken, Fingernägel ausreißen, Häuten, Zunge abschneiden, in Salzwasser einweichen, mit Zuckerwasser übergießen und dann Ameisen auf ihn ansetzen…Muss ich fortfahren?“

Das Gesicht des Königs wurde merklich blasser.

Als Roland die Foltermethoden hörte, vergrub er das Gesicht in den Händen und stieß ein Heulen aus. Offensichtlich konnte er sich an den unmenschlichen Foltervorgang erinnern.

Bravo! Ich gab Sturm beinahe eine Standing Ovation. Ursprünglich hatte ich Sturm nur befohlen, in der Mitte des Planes hervorzukommen, um mir zu helfen die Existenz der geheimen Folterkammer aufzudecken. Ich hatte nicht gedacht, dass er ein derart verantwortungsvoller Typ ist. Er fand sogar heraus, wie lange Roland gefangen gehalten wurde, wie er gefoltert wurde und die Farbe der Unterwäsche des Königs. Ich betete aufrichtig zum Gott des Lichtes: Bitte beschütze Sturm, auf dass er nicht an Überarbeitung stirbt!

Sturm trat weg von dem Spiegel. Erst dann bemerkte ich, dass Sturm den Vorhang in der Folterkammer beiseite gezogen hatte. Ohne diesen Vorhang wehte der Geruch von verrottendem Fleisch und Blut sofort heraus und betonte noch einmal das abscheuliche Verbrechen, dass Sturm aufgedeckt hatte.

Zu diesem Zeitpunkt hatte mein Sonnenritterzug bereits den Großteil der dunklen Kreaturen beseitigt. Roland bemerkte nicht, dass hinter ihm keine dunklen Kreaturen, die ihn beschützten, waren, aber es griff ihn ohnehin niemand an.

Eigentlich schien, ausgehend von ihren Gesichtsausdrücken, ihr Wunsch den König anzugreifen größer zu sein als ihr Wunsch den Todesherrn anzugreifen.

„Flamme, geh und reinige die verbleibenden Ressentiments in der geheimen Folterkammer“, befahl ich.

Flamme nickte, aber als er die Folterkammer betrat, wandte er die reinigende Flamme nicht sofort an. Stattdessen stand er einfach nur fassungslos da. In dieser Sekunde war es totenstill im Raum. Dann, nach einem langen Moment, hörten wir wie Flamme einen langen Atemzug ausstieß.

Die Flammen der Reinigung hatten gerade erst begonnen zu brennen, als die Schreie der verbitterten Geister durch die Folterkammer hallten, so wie der schmerzerfüllteste Schrei eines Mannes im gequältesten Augenblick seines Lebens.

Viele Personen wurden blass, als sie die Schreie hörten und senkten dann sofort den Kopf und begannen ein Gebet zu murmeln.

Als die Schreie endeten, erklang ein noch schockierenderer Satz.

„Vater, bitte dank ab und genieß den Rest deines Lebens in Frieden.“

Als der Kronprinz endlich sprach, war tiefe Müdigkeit in seinem Gesicht. Er war des falschen Spiels heute Nacht offensichtlich zutiefst überdrüssig.

„Wovon redest du…?“ Der König starrte seinen Sohn ungläubig an.

Mit einem ernsten Gesichtsausdruck sagte der Prinz zu seinem Vater: „Bitte dank ab, um Verantwortung für deine Verbrechen zu zeigen. Als dein Sohn werde ich mich den Rest deines Lebens um dich kümmern.“

Als er das hörte, schossen die Augen des Königs hin und her. Er sah sich um. Die königlichen Ritter blickten ihn kalt an, während die Gesichter der heiligen Ritter voll Abscheu waren und in seiner Nähe befand sich auch noch ein mächtiger Todesherr, der ihn bis aufs Blut hasste.

Als letztes sah er zu mir, aber ich drehte mich leicht weg und, während ich mein Haar und den Winkels meines Gesichts nutzte um meinen Gesichtsausdruck zu verdecken, zeigte ihm nur das böse Grinsen in meinem Gesicht.

Sein Gesicht verlor alle Farbe. Er hatte eindeutig begriffen, wer für den Plan ihn vom Thron zu stürzen, der heute Nacht durchgeführt wurde, verantwortlich war. Zufällig war diese Person auch der Anführer der Zwölf Heiligen Ritter, welcher in der Lage ist, den gesamten Heiligen Tempel zu mobilisieren. Ich nehme an, dass dieser Kerl vielleicht auch denken wird, dass diese ganze Geschichte der dunkle Plan der Kirche des Lichtes, oder so ähnlich, war.

„I – Ich danke ab“, verkündete der König schließlich mit grauem Gesicht.

Als er diesen Satz sagte, griff ich sanft in meine Tasche und zerbrach ein rosa Glasherz.

In diesem Augenblick begann eine ungewöhnliche Situation um Roland herum stattzufinden. Er schwebte sehr langsam in die Höhe und zuerst dachten alle, dass er angreifen würde. Allerdings betrachtete er nur verwirrt seine Füße, als ob er nicht begreifen würde, warum er begonnen hatte zu schweben.

Seine dunkle Aura ebbte ab und wurde von einem sanften rosa Leuchten ersetzt.

Warum ist das Leuchten rosa? Ich habe deutlich um ein weißes gebeten… murmelte ich still in Gedanken.

„Liegt es daran, dass er seine Obsession beigelegt hat und jetzt in Frieden ruhen kann[3]?“, rief einer der heiligen Ritter, der eindeutig das Handbuch der untoten Kreaturen gelesen hatte, überrascht aus.

„Hauptmann Roland!“, rief Hele aus, währen er den in der Luft befindlichen Roland ansah. In seiner Stimme war Schluchzen hörbar.

Roland sah sehr verwirrt drein, als ob er den Grund warum er in der Lage war in Frieden zu ruhen ernsthaft bezweifelte. Er begann sich zu wehren und die dunkle Aura verdrängte einen Teil des rosa Leuchtens…

„Todesherr, lass mich dir helfen!“

Rief ich und bedeckte Roland mit einem Käfig heiligen Lichtes. Die dunkle Aura verschwand sofort und hinterließ nur das rosa Leuchten, welches stärker und stärker wurde. Schließlich erschien eine Wolke rosa Leuchten in der Luft und begann sich auf Roland herabzusenken und ihn zu bedecken.

Schließlich schien Roland zu begreifen. Er sah mich mit einem bedeutungsvollen Blick an und sagte: „Grisia, leb…wohl.“[4]

Ich nickte ihm zu.

Ein kurzer Lichtblitz und der Todesherr verschwand. Weiche, zarte rosa Blütenblätter schwebten herab und ihr Duft sagte allen deutlich, dass keine dunklen Kreaturen mehr da waren.

Ich sah zu, wie die Blütenblätter im Raum zu Boden fielen und frohlockte innerlich. Glücklicherweise ist diese gesamte Geschichte so gelaufen, wie ich sie geplant hatte.

Nur wenn Roland ein Todesherr würde, könnte er eine wirkliche Bedrohung für das Leben des Königs darstellen. Und nachdem ich mein eigenes Leben riskiert hatte, um den König zu retten, indem ich mich vor Rolands Angriff warf, würde niemand denken, dass ich versuchte Roland zu helfen. Als nächstes kam Sturm hervor und deckte das wahre Gesicht des Königs auf, was dazu führte, dass sich die heiligen Ritter und, noch wichtiger, die königlichen Ritter gegen den König wandten…Obwohl ich das Gefühl habe, dass sie ohnehin schon nicht gut mit ihm ausgekommen waren, selbst ohne dass ich Zwiespalt säte.

Bedroht von dem Todesherren und isoliert von den königlichen Rittern würde der Kronprinz sich als erstes Sorgen machen, dass der Todesherr versuchen würde den König durch gemeinsames in den Tode gehen zu töten, zweitens würde er die königlichen Ritter konfrontieren wollen und drittens…Vielleicht gab es da ein kleines, selbstsüchtiges Motiv des Kronprinzen, der sich seinen Vierzigern näherte. An Ende sprach er, um seinen Vater zu drängen abzudanken.

Der Kronprinz war bereits seit einer Weile der Hauptverantwortliche für die Politik des Königreiches. Selbst der König würde es nicht wagen, die Konsequenzen des kompletten Zerwürfnisses mit seinem Sohn zu riskieren, das passiert wäre, wenn er sich geweigert hätte, abzudanken.

Schließlich habe ich den Mörder gezwungen abzudanken. Ich denke dass, nachdem ich gesagt habe: „Er könnte weitere Todesritter erschaffen“, der Kronprinz jetzt gut auf seinen Vater aufpassen wird und ihn davon abhalten wird, weitere Tragödien zu verursachen.

Roland, dieses Ende wird dich vielleicht nicht befriedigen, aber, alles in allem, bin ich kein Todesritter und ich kann nicht töten um ein Problem zu lösen.

Die Toten können Menschen töten, Rache nehmen und dann aus dieser Welt verschwinden[5], aber die Lebenden müssen hierbleiben und sich um den Schlamassel kümmern. Daher müssen die Lebenden immer nach einem Kompromiss suchen. Roland, ich hoffe, dass du das als Gerechtigkeit akzeptieren kannst.

 

 

Der König dankte ab und der Todesritter konnte in Frieden ruhen.

Die Sache wurde auf unterwartete Art beigelegt, aber es wurde trotzdem als gutes Ende betrachtet!

Wir ungefähr fünfzig heiligen Ritter kehrten natürlich in den heiligen Tempel zurück. Wir konnten nicht vermeiden, dass unsere heiligen Ritter leichte bis schwere Verletzungen davongetragen hatten, aber dank der harten Arbeit der Geistlichen des Heiligtumes hatte nach einer halben Stunde niemand mehr irgendwelche Verletzungen.

Da ich der Sonnenritter war und schwere Verletzungen davongetragen hatte, war ich selbstverständlich die erste Person, die circa zehn Fortgeschrittene Heilung von circa zehn Bischöfen verpasst bekam. Ich schätze, dass sie sogar den Spiss in meinen Haaren geheilt haben! Ich drehte mich sofort um, um in mein Zimmer zurückzukehren und etwas zu schlafen, aber Urteil folgte mir.

„Sonne, kann ich dir ein paar Fragen stellen?“, fragte Urteil.

„Ja?“ Ich sah ihn an und lächelte.

Urteil zögerte, fragte aber trotzdem mit gerunzelter Stirn: „Als du Flamme und Erde mitgebracht hast, sollte es wirklich gewesen sein, um den Todesritter zu stoppen und nicht aufgrund ihres feurigen Temperamentes, welches leicht Konflikte verursachen kann, um so etwas Zeit herauszuschinden, damit Roland sich in einen Todesherren verwandeln kann, nicht wahr?“

„Der Erdritter ist sehr nett und ehrlich, wie könnte er jemand sein, der leicht Konflikte verursacht?“ Ich wählte den richtigen Augenblick um verwirrt auszusehen.

Als er meine Antwort hörte, runzelte Urteil nur die Stirn. Ich weiß, dass er dem nicht widersprechen kann, schließlich weiß der gesamte Kontinent, dass der Erdritter nett und ehrlich ist!

Er konnte nur damit fortfahren zu fragen: „Als die königlichen Ritter und die heiligen Ritter anfingen zu kämpfen, hast du dich nur ein paar Minuten mit Roland unterhalten und dann begann er, sich in einen Todesherrn zu verwandeln. Du hast nicht deine Freundschaft zu Roland verwendet, um ihn so wütend zu machen, dass er sich verwandelt, nicht wahr?“

Ich hatte gerade erst den Mund geöffnet, um in dem „Blödsinn-Stil“ zu antworten, als Urteil weiter fragte und mir keine Chance ließ, zu sprechen.

„Als Roland dabei war, sich in einen Todesherrn zu verwandeln, hattest du wirklich keine Möglichkeit ihn zu stoppen?“

Urteil machte eine zögerliche Pause, nachdem er mir diese zwei Fragen an den Kopf geworfen hatte, aber schließlich sagte er mit dem Eindruck fast vollständiger Sicherheit: „Heute Nacht, als die Sache bis zum Abdanken des Königs fortgeschritten war…Hast du das alles für Roland getan? Wenn du – “

„Urteilsritter!“ unterbrach ich lächelnd Urteils Flut an Fragen. „Du musst nur eine Sache wissen: es spielt keine Rolle, ob der Todesritter Roland ist oder jemand anders, das Fortschreiten der Ereignisse hätte sich nicht im geringsten geändert. Das Ende wäre nicht anders.“

Urteil runzelte die Stirn, meine Worte offensichtlich bezweifelnd.

Ich platzierte ruhig eine Hand auf dem Sonnenritter Wappen auf meiner Brust und sagte ernst: „Das Erste, was mir mein Lehrer jemals beigebracht hat war: ‚Für Gerechtigkeit zu sorgen ist der Grund für die Existenz des Sonnenritters‘.“

Mein Lehrer sagte davor: „Kind, der Sonnenritter mag keine komplette Gerechtigkeit erreichen und der Sonnenritter mag Kompromisse eingehen. Aber der Sonnenritter darf niemals aufgeben für Gerechtigkeit zu sorgen. Wenn du das aufgibst, dann reiß das Wappen des Sonnenritters von deiner Brust, da du kein Sonnenritter mehr bist!“

„Verstehst du meine Antwort? Urteilsritter?“, fragte ich.

Urteil war einen Moment still und nickte dann: „Ich verstehe, Sonnenritter. Ich habe jedoch eine letzte Frage.“

„Noch mehr Fragen?!“ Ich lächelte hilflos.

„Der Sonnenritter würde keinen Todesherren frei auf den Straßen herumlaufen lassen, nicht wahr?“

„Natürlich nicht!“ Ich zeigte mein unschuldigstes Lächeln und gähnte heftig. „Ich bin müde! Ich gehe jetzt schlafen. Du solltest dasselbe tun.“

Der Urteilsritter war wieder still. Als ich einen Zahn zulegte und dabei war, in einen anderen Korridor einzubiegen und aus seinem Blickfeld zu sein, fragte Urteil: „Dann, wird Grisia Roland gehen lassen?“

Als ich das hörte, stoppte ich und berührte unbewusst meine Tasche. Nachdem ich gerade eben das Glasherz zerbrochen hatte, waren ein Handbuch der fortgeschrittenen Totenbeschwörung, ein Totenbeschwörungsschüler Zertifikat und eine Nachricht, die ich noch nicht gelesen habe in meiner Tasche aufgetaucht.

Ich lachte bitter und öffnete heimlich die Nachricht, während ich versuchte mich vorbei zu mogeln: „Was das angeht, es ist schon zu spät, daher schläft Grisia bereits. Er wird mit dir ein anderes Mal darüber sprechen!“

Die Nachricht sagte: „Mein lieber Schüler, hör auf davon zu träumen, dass dein Roland in Frieden ruhen wird. Er hat mir gesagt, dass seine wirkliche Obsession ist, der Sonnenritter zu werden.“

Gahhhh!

Ich hätte ihn gleich auf dem Scheiterhaufen verbrennen sollen!

[Sonnenritter Band 1 Kapitel 10 Ende]

 

 Fußnoten

[1] Englische Maßeinheit. 1 Fuß entspricht 30,48 Zentimeter (Für den Fall, dass hier chinesische Fuß gemeint sein sollten, diese entsprechen genau 1/3 Meter)

[2] Engl. „To pass on peacefully“. Es gibt leider keine wirkliche deutsche Übersetzung für „to pass on“. Es ist im Grund ein Euphemismus für sterben, allerdings funktioniert es auch um auszudrücken, dass jemand der bereits gestorben ist (Geister, Untote,…) endgültig aus dieser Welt scheidet.

[3] Engl. „To move on“. Erklärung siehe 2

[4] Die chinesische Phrase lautet再见, zài jiàn. Auf Deutsch könnte man sie als „Leb wohl“ übersetzen. Wenn man die beiden Charaktere allerdings separat liest hat man „wieder (再) treffen (见)“, also verabschiedet sich Roland zwar scheinbar mit „Leb wohl“ endgültig von Grisia, tatsächlich sagt er aber eher „Bis bald“.

[5] Wieder „to pass on“. Diesmal aber ohne „peacefully“ und vom Kontext her passt „in Frieden ruhen“ diesmal auch nicht, da die Betonung darauf liegt, diese Welt zu verlassen.

 

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