Die Legende des Sonnenritters B2K1: „Iss Frühstück!“

Die Legende des Sonnenritters Band 2: Die täglichen Pflichten eines Ritters

Chinesisches Original von: 御我 (Yu Wo)

Englische Übersetzung von: Evangeline


Tägliche Pflicht des Sonnenritters Nr. 1: „Iss Frühstück!“ – deutsche Übersetzung von Ariana

„Hauptmann Sonne, Hauptmann Sonne…“

„Hmm…“ Ich ließ mich auf die andere Seite meines Bettes plumpsen und vergrub meinen Kopf dabei unter dem Polster. Jetzt muss ich mir diese ‚Hauptmann‘ Geschichte nicht mehr anhören…

„Hauptmann Sonne!“

Warte, ich kann es immer noch hören. Ich zog meinen Kopf langsam unter dem Polster hervor und setzte mich auf. Obwohl meine Augen offen waren, konnte ich nur verschwommene Bilder sehen und konnte auf nichts fokussieren. Daran konnte ich sofort erkennen, dass dies nicht meine normale Aufstehzeit war!

Wer ist der Bastard, der es wagt, meinen Schlaf zu stören?!

Ich rief in einer Stimme, die eine Oktave tiefer war als meine übliche: „Darf ich fragen, ob der Kollege Ritter draußen von dem Gott des Lichtes inspiriert wurde, herauszukommen und an Sonnes Türe zu klopfen, um einen Diskurs über die Güte des Gottes des Lichtes zu teilen?“

Draußen stieß jemand einen Seufzer der Erleichterung aus, aber dann verwandelte sich der Seufzer in einen hastigen und drängenden Ruf: „Hauptmann Sonne! Ich bin Adair! Haben Sie vergessen? Heute ist Sonntag.“

„Sonntag…ist ein Feiertag!“ Ich ließ mich zurück ins Bett plumpsen, zog die Bettdecke hoch und rollte mich in einen Ball.

„Nein! Hauptmann Sonne, heute sind Sie an der Reihe, den Gottesdienst der Kirche zu leiten. Haben Sie vergessen? Hauptmann, Hauptmann…“

Die Lautstärke der Rufe wurde allmählich leiser. Das war sehr befriedigend für mich. Obwohl ich selbst bei einem heftigen Aufruhr schlafen kann, schlafe ich ohne Lärm sogar noch besser. Wenn es Sonntag ist, werde ich einfach bis Mittag schlafen und dann aufstehen um Mittag zu…essen…

BAMM!

Ich schoss aus dem Bett in die Höhe. Was, was? Was ist genau passiert?

„Hauptmann Urteil, bitte seien Sie nicht so unhöflich…“

Ich drehte mich gerade rechtzeitig um, um zu sehen wie Urteil meine Tür zuknallte und sie dieses Mal beinahe Adair auf die Nase knallte. Wenn ich es beurteilen müsste, würde ich sagen, dass Adair derjenige war, der unhöflich war. Ich konnte nicht glauben, dass er es wagen würde, auf diese Art mit Urteil zu sprechen. Selbst ich würde es nicht wagen!

„Dein Vize-Hauptmann ist so eigensinnig wie immer. Er konnte dich nicht von draußen aufwecken, hat sich aber geweigert, hereinzukommen um es zu versuchen.“

Nachdem er die Tür geschlossen hatte, schaffte Urteil es, sein reserviertes Gesicht etwas weicher werden zu lassen.. Er schüttelte den Kopf und sagte: „Mit einen Vize-Hauptmann mit dieser Art Persönlichkeit ist es kein Wunder, dass dein Sonnenritterzug ununterbrochen Probleme verursacht. Vor drei Tagen haben sie sich in einem Kampf gegen den dritten Sohn von Baron Gerland zusammengetan, was den Baron so wütend machte, dass er sich sogar bei dem Kronprinzen beschwerte.“

„Uff…Dieser Zwischenfall hat mir auch Kopfschmerzen verursacht.“, seufzte ich. „Aber was kann man machen? Wie du weißt, hat Adair einfach eine derart sture Persönlichkeit!“

Urteils tiefschwarze Augen starrten mich skeptisch an und er sagte: „Diese Geschichte verwirrt mich allerdings ein bisschen. Baron Gerlands dritter Sohn ist ein sehr orthodoxer Ritter und scheint nicht der Typ zu sein, den Sonnenritterzug bewusst zu provozieren. Obwohl er dafür verantwortlich war, die Leiche in dem vorigen Todesritter-Zwischenfall entsorgen, hat er einfach nur die Befehle des Königs befolgt.“

„Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht hat er Adair missachtet, oder so? Wie du weißt, beteilige ich mich selten an den Angelegenheiten des Sonnenritterzuges, ich überlasse alles Adair!“ Ich zuckte die Achseln und machte ein ahnungsloses Gesicht.

Als er das hörte, runzelte Urteil ein wenig die Stirn, aber er sagte nichts. „Was getan ist, ist getan”, fügte er milde hinzu. „Sag ihnen nur, dass sie aufhören sollen, den dritten Sohn von Baron Gerland zu belästigen, sonst wird Seine Hoheit der Prinz ebenfalls sehr beunruhigt sein.”

Ich antwortete harmlos: „Gut, ich werde deine Warnung weitergeben.”

Urteil sah mich erneut an und erinnerte mich: „Du solltest dich fertig machen. Der Gottesdienst fängt bald an und du hast nur dreißig Minuten um dich vorzubereiten.”

Ich erstarrte. Den Gottesdienst abhalten… ah! Sag nicht, dass ich diesen Sonntag an der Reihe bin, den Gottesdienst abzuhalten?!

Die Kirche des Gottes des Lichtes hält wöchentliche „Gottesdienste” für den Gott des Lichtes ab. Das Programm sieht folgendermaßen aus: Der Priester rezitiert eine lange Folge von Kundgebungen, preist dabei die Liebe des Gottes des Lichtes und spricht über die Taten der vorhergehenden Generationen der Zwölf Heiligen Ritter. Dann singen alle ein paar Hymnen und zuletzt – und am wichtigsten – wird um Spenden gebeten… Ähem!

Folglich wechseln sich die Zwölf Heiligen Ritter dabei ab, den Gottesdienst abzuhalten und vermutlich bin ich dieses Mal an der Reihe.

Urteil sah meinen alarmierten Gesichtsausdruck und wusste, dass ich endlich wach war. Er fuhr fort: „Nun, da du dich daran erinnerst, mach dich schnell fertig. Du hast noch dreißig Minuten Zeit, das sollte mehr als genug sein…”

„Was?! Nur dreißig Minuten?” kreischte ich. „Wie könnten dreißig Minuten genug Zeit sein um mir die Haare zu bürsten, meine Gesichtsmaske aufzutragen, Wasser zu kochen, mein Hemd zu bügeln, meine Schuhe zu polieren – “

Urteil zuckte zusammen und sagte: „Wenn das der Fall ist, verabschiede ich mich.” Und ging dann unverzüglich. Ich nehme an, der Grund, warum er so schnell wegrannte, war vermutlich, dass, als er mich das letzte Mal sah, während ich meine grüne Gesichtsmaske auftrug, ich gerade zufälligerweise im dunklen stand. Er war so erschrocken, dass er sein Schwert zog und mich beinahe entzwei spaltete.

Himmel, was ist daran zum Fürchten?

Mittlerweile verwende ich nur noch rosa Gesichtsmasken.

Wo wir gerade von Masken sprechen, es ist ein Glück, dass ich letzte Nacht einen frischen Bottich davon vorbereitet hatte, sonst hätte ich keine Chance, mich innerhalb von dreißig Minuten komplett fertig zu machen. Zuerst musste ich Wasser kochen und dann mein Gesicht waschen. Als nächstes trug ich die Gesichtsmaske auf und danach verwendete ich meine linke Hand um mein Haar zu bürsten und meine rechte um meine Schuhe zu polieren. Wenn das Wasser kochte, wäre es an der Zeit, das Hemd zu bügeln…

Als nur noch fünf Minuten übrig waren, war ich endlich fertig und öffnete die Türe langsam und elegant. Sobald die Tür offen war, sah ich Adair draußen stehen und auf mich warten.

„Adair”, begrüßte ich ihn mit einem Lächeln.

„Jawohl, Hauptmann Sonne.” Adair salutierte mir sofort respektvoll.

Ich deutete ihm, dass wir gehen konnten.

„Sonne hat gehört, dass ihr physische Gewalt gegen den dritten Sohn von Baron Gerland angewandt habt…” Während wir gingen zeigte ich ein trauerndes Gesicht und seufzte. „Gewalt zu zeigen ist kein Benehmen, dass der gütige Gott des Lichtes gutheißen würde.”

„Aber, er hat Sie auf dem Hinrichtungsgelände niedergestochen und schwer verletzt. Das ist ein unverzeihliches Verbrechen…”, sagte Adair aufgewühlt.

„Adair!” unterbrach ich ihn in verurteilendem Ton. „Der Gott des Lichtes hat uns gelehrt, dass, wie schwerwiegend die Sünden auch sein mögen, solange der Sündiger bereut, müssen wir ihm vergeben und ihn mit gnädigem Herzen akzeptieren. Dies ist der Weg des gütigen Gottes des Lichtes. Verstehst du, Adair?”

„Verstanden.” Adair nickte und murmelte mit leiser Stimme: „Ich werde ihn verprügeln, bis er bereut.”

Ich seufzte elegant und sagte: „Adair, du verstehst immer noch nicht. Der Sonnenritterzug muss in Übereinstimmung mit der Güte des Gottes des Lichtes handeln. Du kannst anderen nicht beliebig Gewalt antun.”

„Verstanden.” Adair nickte und murmelte erneut: „Wir werden ihm zuerst einen Sack über den Kopf stülpen, damit er nicht weiß, dass es der Sonnenritterzug ist.”

Oh Adair, Adair, warum bist du so klug? Kein Wunder, dass ich dich als meinen Vize-Hauptmann ausgewählt habe. Ich nickte und fühlte mich äußerst zufrieden.

Als wir beinahe an der riesigen Halle des Lobes angekommen waren, stoppte ich, drehte mich um und sagte lächelnd zu Adair: „Unter dem wachsamen Auge des Gottes des Lichtes und seiner Güte, die das Land erleuchtet, glaube ich, dass Heidelbeeren sicherlich reichlicher wachsen werden und dass der Weizen ebenfalls gedeien wird. Selbst die Milch wird süß wie Honig schmecken! Ich danke dem Gott des Lichtes, dass er den Seinigen zu essen und warme Kleidung gibt.”

Adair antwortete höflich: „Jawohl, ich werde gehen und Frühstück vorbereiten: ein Heidelbeermarmelade-Sandwich und Milch, vielleicht hätten Sie auch gerne ein paar Honigkekse?”

Ich nickte höchst zufrieden und sah zu, wie Adair mein Frühstück holen ging. Auf dem Weg traf er einen anderen Ritter des Sonnenritterzuges und hielt an um einen Befehl zu erteilen: „Geht und stülpt einen Sack über den Kopf dieses verfluchten Ritters vom letzten Mal und schlagt ihn zusammen bis er, selbst wenn er wollte, kein Wort der Reue mehr herausbringt!”

Ah! Selbst ich kann meine Absichten nicht komplett in derart einfachen Worten ausdrücken. Mit einem Vize-Hauptmann wie dir, was könnte sich ein Hauptmann wie ich noch wünschen? …Außer vielleicht einem Heidelbeer-Sandwich und Milch. Nachdem ich mich die letzte halbe Stunde beschäftigt habe, bin ich hungrig geworden!

Hmm… Sollte ich zuerst frühstücken und dann die Versammlung abhalten gehen? Immerhin bin ich nur dem Namen nach der Leiter, eigentlich bin ich nur Beiwerk. Die richtigen Leiter sind die Priester.

„Hey! Ist das nicht unser höchst geschätzter und strahlendster Sonnenritter? Warum ist er nicht bereits hineingegangen, sondern steht hier draußen wie eine Säule, die den Weg versperrt? Tss, tss! Und es ist noch dazu eine glänzende Säule, so funkelnd und hübsch!”

Diese Art Sprache… Ich zögerte und drehte mich dann um um zu sehen, wer es war. Natürlich war es Hauptmann Metall aus der “grausamen, kaltherzigen” Fraktion.

Alle auf dem Kontinent wissen, dass Hauptmann Metall eine berüchtigte, giftige, spitze Zunge hat. Er könnte vermutlich jemanden mit seinen Worten umbringen. Ich habe gehört, dass sich deine Lebenserwartung durch eine zehnminütige Unterhaltung mit ihm um ein Jahr verkürzen würde.

Aber trotz dem was sie sagen, weiß ich wirklich nicht, wie man seine Worte als giftig bezeichnen kann. Manchmal denke ich sogar, dass er mich lobt. Nehmen wir zum Beispiel, was er gerade gesagt hat: „So funkelnd und hübsch!” Zählt das wirklich als giftig?

Er hätte sagen sollen: „Dein Haar ist so gelb wie Froschkot. Bist du sicher, dass du keinen Froschkot mit Haargel verwechselt hast? Kein Wunder, dass ich immer schon dachte, dass du seltsam riechst – wenn man darauf achtet, kommt es aus deinem Haar!”

Das ist, was ich als spitze Zunge bezeichnen würde!

Daher hege ich den Verdacht, dass Metalls wahre Persönlichkeit gar nicht giftig ist. Die Wahrheit ist, dass ich mir nicht sicher bin, wie er wirklich ist, da ich ihn nicht sehr gut kenne. Jedes Mal, wenn ich das Thema mit Urteil anschneide, wirkt er unwillig mehr zu sagen und wenn Urteil nicht willig ist, etwas zu sagen, dann ist der Gott des Lichtes vermutlich der einzige, der ihn dazu bringen könnte, den Mund aufzumachen.

Hinter Metall war ein anderer Ritter der „grausamen, kaltherzigen” Fraktion, mit welchem ich besser bekannt war. Hauptmann Mond ist im gesamten Kontinent bekannt als der berühmte Einzelgänger… Ähem! Ich wollte sagen, dass er der berühmte Narzisst ist. Mit seiner hochmütigen Persönlichkeit ist er nicht mit einfach irgendwem auf vertrautem Fuß und er liebt es, seine Nase hoch in die Luft zu strecken, als wäre niemand gut genug um auch nur eines Blickes gewürdigt zu werden.

Das führte dazu, dass ich ihn auf den ersten Blick nicht ausstehen konnte. Schließlich mag es niemand, wenn man auf einen herabsieht.

Das ging bis zu dem Tag, an dem ich ihn entdeckte, wie er auf dem Boden hockte und diesen mit den Händen absuchte, aber seinen Kopf immer noch hoch erhoben hatte.

 

 

Wie konnte er hoffen, etwas zu finden, ohne auch nur auf den Boden zu sehen? Obwohl er einwandfrei sehen konnte, schien es, als wäre er blind. Der Gegenstand, den er suchte, befand sich direkt neben seinem Fuß, aber er konnte ihn nicht im geringsten finden. Die Szene war einfach irrsinnig witzig.

Nachdem ich ihm eine halbe Stunde lang zugesehen hatte, hatte ich mich im geheimen köstlich über ihn amüsiert und war es langsam leid. Ich unterdrückte ein riesiges Gähnen, ging hinüber, hob das wunderschön gefertigte, silberne Lesezeichen auf und gab es ihm zurück.

„Danke.” Er nahm das Lesezeichen, stieß einen Seufzer der Erleichterung aus und lächelte freundlich, was im Gegensatz zu seinem üblichen arroganten Aussehen stand.

Ich biss in den Heidelbeerkuchen, den Eis gerade für mich gemacht hatte und fragte: „Ein Liebesbeweis deiner Liebsten?”

„Woher wusstest du das?” Erschrocken drehte sich Mond um um mich anzusehen und erstarrte dann als er mich sah. Ich konnte garantieren, dass er geschockt war herauszufinden, dass es ich, der Sonnenritter, war, der es gerade für ihn aufgehoben hatte.

Mit seinem wahren Selbst aufgedeckt, war er in extremer Verlegenheit und stotterte unsicher: 2Hauptmann Sonne…”

Ich nahm ein weiteres Stück Kuchen heraus und fragte ihn: „Möchtest du welchen? Es ist Heidelbeerkuchen von Eis. Du musst nicht zögern, ich habe Urteil auch welchen gegeben.”

„… Danke.”

Während er den Kuchen aß, beschwerte er sich bei mir, dass dadurch, dass da er sein Kinn immer erhoben halten musste, seine Nackenmuskeln so steif geworden waren, dass er jetzt gar nicht mehr hinunterblicken konnte…

Wie elend muss es sein, den Kopf nicht senken zu können! Mond blickte zur Decke und seufzte. Er begann die Tragödie, den Kopf nicht senken zu können, zu beschreiben: „Wenn etwas auf den Boden fiele, würde ich es wahrscheinlich nicht einmal nach einer halben Stunde finden.”

Ich nickte, nachdem ich das gerade selbst beobachtet hatte.

Du wärst auch nicht in der Lage, deinen Größenvorteil zu verwenden, um einer Priesterin ins Dekolleté zu spähen… Ähem!

Und schlussendlich, und wahrscheinlich am allertragischsten, er konnte den Kopf nicht senken, um seine Freundin zu küssen. Wie konnte er eine Freundin, die kleiner ist als er, mit erhobenem Kinn küssen?

„Was hast du also gemacht? Deine Geliebte auf Stiegen stehen lassen?” fragte ich ihn voll Mitgefühl, nachdem ich seine Schilderung gehört hatte.

„Ich kann nicht jedes Mal Stiegen finden und außerdem sind Treppen üblicherweise an Orten zu finden, wo Leute vorbeikommen und daher nicht vertraulich genug”, gab Mond ehrlich zu, „daher muss ich eine Geliebte finden, die größer ist als ich.”

„Hey! Du bist mindestens einen Meter achtzig groß, nicht wahr?”

„Meine Geliebte ist einen Meter zweiundachtzig groß und trägt jedes Mal, wenn sie mit mir ausgeht, zehn Zentimeter hohe Plateauschuhe, wodurch sie gerade groß genug ist, um mich zu küssen.”

Was… Was für eine Tragödie!

Ich seufzte in Bezug auf Mond’s Unglück, nicht in der Lage zu sein, seinen Kopf zu senken, und begann meine eigene tragische Geschichte darüber, der Sonnenritter zu sein, zu erzählen: „Der Sonnenritter kann nur den Gott des Lichtes lieben, keine Frauen…”

Ich hatte nur diesen einen Satz gesagt, als Mond entsetzt aufkeuchte: „Tragisch! Zu tragisch! Was für eine Tragödie!”

Verdammt!

 

 

Von diesem Tag an, hatte ich einen weiteren Freund, der kein Freund ist, in der „grausamen, kaltherzigen” Fraktion.

Zurück in der Gegenwart lächelte ich Metall an und sagte: „Dies muss der der Segen des Gottes des Lichtes sein, es Sonne zu erlauben seine zwei Brüder an einem derart wundervollen Morgen zu begegnen. Dies ist ein perfekter Anfang, allerdings muss Sonne gehen um den Gottesdienst zu leiten, daher kann Sonne nicht verbleiben um den Umgang mit seinen Brüdern zu pflegen. Es ist eine Schande. Nachdem Sonne die Wunder des Gottes des Lichtes gepriesen hat, wird Sonne definitiv seine Brüder finden, um mit ihnen Worte über die Güte des Gottes des Lichtes zu wechseln.”

Natürlich ist es nicht mein Problem, wenn ich euch nicht finden kann.

Als sie das hörten, erstarrten sowohl Metallritter als auch Mondritter und Metall war so überrascht, dass er sogar seine normalen spitzen Worte vergaß. Er platzte heraus: „Sonnenritter, weißt du nicht, dass heute der Tag des Gottesdienstes vor der Krönung des neuen Königs ist?”

Mondritter sah mich auf diese arrogante Art mit hoch erhobenem Kinn an, allerdings konnte man ihm keinen Vorwurf machen. Eine Person, die ihren Kopf nicht senken kann, kann Leute nur auf diese Art ansehen!

Er fügte hinzu: „Alle Zwölf Heiligen Ritter müssen anwesend sein, daher muss sogar ich kommen.”

Der Gottesdienst vor der Krönung des neuen Königs? Wie kommt es, dass ich nicht davon weiß?

„Guten Morgen, Hauptmann Sonne.”

Während ich perplex da stand, schlenderte Sturmritter gemächlich herüber und klopfte mir auf die Schulter: „Nun, der heutige Solo-Auftritt liegt an dir! Viel Glück!”

Ich drehte mich langsam um ihn anzusehen und wiederholte jede Silbe einzeln: „Solo-Auftritt?”

„…”

Sturm entfernte sehr langsam seine Hand von meiner Schulter, trat sehr langsam einen Schritt zurück und fragte schließlich, sehr verwirrt: „Genau! Üblicherweise müssen die Zwölf Heiligen Ritter zur Krönung des neuen Königs gemeinsam eine Hymne singen und dann müssen du und Urteil jeder ein Solo vorführen. Hast du nicht die schwierigste ‘Hymne des Gottes des Lichtes’ zum Singen ausgewählt? Alle freuen sich schon darauf, da dieses Lied seit zwanzig Jahren nicht mehr gesungen wurde.”

Hymne des Gottes des Lichtes? Ist das nicht das Lied mit einer Tonlage, die hoch genug ist um den Wohnsitz des Gottes des Lichtes zu erreichen, das ganze dreißig Minuten lang dauert, mit einem Text so lang wie ein komplettes Buch und das ansonsten als die Hymne der Kirche des Gottes des Lichtes mit den bombastischsten Worten angesehen wird?

Jemand muss mir eine Falle gestellt haben!

Nachdem er mein steifes Lächeln und meine zuckenden Mundwinkel sah, verstand Sturm endlich, dass die Auswahl der Hymne des Gottes des Lichtes nicht meine Entscheidung gewesen war. Er trat langsam zu mir und flüsterte mir ins Ohr: „Ich habe von den Dienstmädchen im Palast Gerüchte gehört, dass Baron Gerland heimlich nach einer Möglichkeit gesucht hat es dir heimzuzahlen, seit dein Sonnenritterzug über seinen Sohn hergefallen ist. Der Kronprinz scheint es ihm auch nicht verboten zu haben, nachdem er vermutlich möchte, dass du dich zum Narren machst, damit deine allgemeine Popularität nicht zu hoch wird.”

So ist das also! Ich wusste, dass etwas im Busch ist!

Baron Gerland würde auf keinen Fall seine Geschichte dem Kronprinzen vorjammern und es dann einfach dabei belassen. Natürlich sollte der Kronprinz auch mehr oder weniger über den Todesritter-Zwischenfall und die Rolle, die ich darin gespielt habe, Bescheid wissen. Mein Plan hat ihn auf den Thron gebracht, daher würde er wohl nicht für das alleine Rache nehmen. Die Tatsache, dass ich es gewagt habe, den König als Teil meines Planes einzuspannen, hat ihn allerdings vermutlich etwas alarmiert, da er immerhin der zukünftige König ist.

Sturm schlug vor: „Du solltest vielleicht einfach nur das Lied ändern. Sie wollen dich wahrscheinlich nur ein bisschen blöd dastehen lassen, indem sie dich zwingen, das Lied in letzter Minute zu ändern, anstatt es dich tatsächlich singen zu lassen. Wenn das Lied schlecht gesungen würde und den gesamten Gottesdienst vermasselte, wäre der Kronprinz nicht erfreut.”

Obwohl ich äußerlich immer noch warm lächelte, höhnte ich innerlich. Mich blöd dastehen lassen?

Du machst wohl Witze. Ich bin der Sonnenritter. Der Sonnenritter muss sogar elegant stürzen, wie könnte er blöd dastehen? Wenn mein Lehrer wüsste, dass man mich vor dem gesamten Land blöd dastehen ließ… Nun, die Konsequenzen sind ernsthaft genug, um mich vor Angst zittern zu lassen!

Außerdem weiß niemand, wo zur Hölle sich dieser Lehrer von mir (welcher herumläuft und anderen die Jobs stiehlt) sich gerade aufhält. Er könnte sogar hier im Publikum sitzen und mir dabei zusehen, wie ich die Hymne singe!

„Bruder Sturm, mit dem Segen des Gottes des Lichtes, glaubt Sonne, dass er erfolgreich die Hymne des Gottes des Lichtes vorführen kann, um die Güte und bedingungslose Liebe des Gottes des Lichtes zu verbreiten.”

„Sonne! Mach keinen Blödsinn!”

Sturms Gesichtsausdruck veränderte sich und er fügte hastig hinzu: „Die Hymne des Gottes des Lichtes ist nichts, was du ohne Übung durchführen kannst und Hymnen müssen mit der Kraft des Heiligen Lichtes gesungen werden. Selbst der Großteil der Priester schafft es nicht, dreißig Minuten lang kontinuierlich Heiliges Licht freizusetzen… Nein! Du musst auch noch eine Chor-Hymne mit den Zwölf Heiligen Rittern singen, was ungefähr zehn Minuten dauern wird.”

Ich wusste das natürlich. Eine sogenannte Hymne bedeutet einfach nur, dass man die Kraft des Heiligen Lichtes in das Lied einbringt um unterschiedliche Ziele zu erreichen. Inspirierende Lieder können die Menge aufrütteln, Kampfhymnen können die Kraft von Soldaten vervielfachen, Schlaflieder können Leute entspannen und lebhafte Lieder können die Menschen glücklich machen. Gerüchten zufolge kann ein wahrer Meister der Hymnen sogar Verbrecher nur durch seinen Gesang so weit bringen, dass sie zurückblicken und ihre Sünden bereuen.

Natürlich sind wahre Meister der Hymnen längst zu Legenden geworden. Es gibt keine Möglichkeit festzustellen, ob es wirklich möglich ist, Verbrecher dazu zu bringen Reue für ihre Sünden zu verspüren. Daher ist die beste Möglichkeit einen Verbrecher dazu zu bringen, seine Taten zu bereuen, ihn zu Urteil zu schleppen. Ich garantiere, dass derjenige innerhalb von drei Stunden sogar reuevoll darauf zurückblicken wird, als Kind von seinem Nachbarn Guaven[1] gestohlen zu haben.

Was? Du sagst, es würde auch funktionieren, den Verbrecher zu meinem Sonnenritterzug zu schicken?

Du liegst sowas von falsch, Freundchen. Wenn du den Verbrecher zu meinem Sonnenritterzug schickst, ist es nicht um ihn bereuen zu lassen, sondern um ihn unfähig zu machen, zu bereuen!

Nach meiner Erklärung, wie Hymnen funktionieren, sollten jetzt alle wissen, dass eine Hymne nicht einfach ein Lied ist, sondern ein Wettbewerb der Fähigkeit Heiliges Licht zu verwenden.

Ein zehnminütiger Chor und danach ein dreißigminütiges Solo macht insgesamt vierzig Minuten Verbrauch Heiligen Lichtes. Ich überdachte es. Obwohl das wahrhaftig eine erhebliche Menge ist, welche ein normaler heiliger Ritter niemals hervorbringen könnte, stellt das für einen heiligen Ritter, welcher der mächtigste Papst der Geschichte hätte werden können, nicht das geringste Problem dar!

Sturm versuchte immer noch, mich zu überzeugen, das Lied zu ändern, als der Blattritter nach einer Reihe eiliger Schritte aus der Halle des Lobes platzte. Als er sah, dass wir direkt vor der Tür standen, pausierte er kurz, warnte uns dann aber schnell: „Sonne, warum seid ihr noch draußen? Kommt rein, alle warten schon.”

„Bruder Blatt, ich danke dir für die Erinnerung. Sonne glaubt, dass es der Gott des Lichtes sein muss, der sich deine Lippen ausgeborgt hat, um Sonne mitzuteilen, dass zu spät zu kommen das falsche Vorgehen wäre.”

Nachdem ich das gesagt hatte, ging ich voraus in die Halle.

Die Halle des Lobes ist das größte Gebäude der Kirche des Gottes des Lichtes. Sie ist in Form eines Fächers gebaut, wobei die spitzeste Stelle des Fächers die Bühne ist. Die Wand hinter der Bühne besteht aus Buntglas und ist als riesiges Symbol des Gottes des Lichtes arrangiert. Sonnenlicht scheint von außen durch das Glas und macht die Bühne zum hellsten Bereich der Halle.

Darüber hinaus gibt es selbstverständlich duzende von Sitzreihen. Üblicherweise reichen diese Sitze für die Menge, die den Gottesdienst besucht, aus. Bei einem derart großen Ereignis wie heute waren die Sitze jedoch größtenteils mit Mitgliedern des Königshauses gefüllt. Reiche Leute haben zweithöchste Priorität und als Letztes kommt die Menge der normalen Bürger. Die Bürger standen praktisch alle hinten im offenen Bereich.

Ich überflog das Publikum mit den Augen und entdeckte leicht den Prinzen, der bald zum König gekrönt werden würde. Er saß im Zentrum der ersten Sitzreihe und neben ihm saßen sein Kanzler und wichtige Adelige. Baron Gerland saß ebenfalls in der ersten Reihe und zwei königliche Ritter standen an beiden Enden der ersten Reihe.

Der alte Papst saß an seinem üblichen Platz am Rand der Bühne und trug sogar einen mysteriösen Schleier.

Urteilsritter stand bereits auf der linken Seite der Bühne und die Ritter der „grausamen, kaltherzigen” Fraktion standen Seite an Seite neben ihm.

Mein Platz war natürlich auf der rechten Seite der Bühne. Urteil und ich mussten so stehen, dass wir nicht das Symbol des Gottes des Lichtes hinter uns verdeckten. Ich ging an meinen Platz, Sturm nahm seinen Platz rechts von mir ein und Blatt seinen rechts von Sturm.

Endlich standen wir Zwölf Heiligen Ritter alle an unseren Positionen, genauso wie die Priester hinter uns, die dafür verantwortlich waren, die Begleitung zu singen. Vorne stand der Kardinal des Lichtes, welcher die Leitung übernahm. Allerdings ist der Kardinal des Lichtes nicht eine Person, sondern zwei. Eine ist der Priester des Leuchtens, die andere der Priester des Glanzes[2]. Sie sind die rechte und die linke Hand des Papstes. Innerhalb des Heiligtums des Lichtes sind sie nur dem Papst untergeordnet.

Der Tradition folgend ist der Priester des Leuchtens weiblich und auf Heilung und Unterstützung spezialisiert. Der Priester des Glanzes hingegen ist männlich und auf Dinge wie Dämonen exorzieren und Seelen zum Gott des Lichtes geleiten spezialisiert.

Es wirkte so, als wären wir wirklich ganz schön spät dran, da der Kardinal des Lichtes nichts sagte, sondern einfach den Beginn des Chores ankündigte. Ein heiliger Ritter kam daraufhin zu uns um uns unsere Liedbücher zu überreichen. Als er von der Bühne trat, begann einer der Priester hinter uns mit einem langen Ton und dann begannen alle Priester zu singen. Sie würden ungefähr drei Minuten lang „la la la” singen, bevor wir anfangen mussten.

Diese Hymne fällt mir nicht schwer, da es jedes Jahr einen großen Gottesdienst gibt um das Kommen des Gottes des Lichtes zu feiern und die Zwölf Heiligen Ritter dabei zusammen genau dieses Lied singen. Ich habe es, seit ich meinen Platz als Sonnenritter eingenommen habe, drei Mal gesungen, daher ist es mir ungefähr so vertraut wie meine Westentasche.

Es ist sogar noch einfacher, da es ein Chor für zwölf Personen ist. Daher können, selbst wenn jemandes Heiliges Licht schwach ist, die anderen einfach dafür einspringen.

Nachdem alle von uns Zwölf Heiligen Rittern diese Hymne in und auswendig kannten, beendeten wir sie nicht lange danach ohne einen einzigen Fehler. Als nächstes war es an der Zeit für Urteils Solo. Er trat vor und begann in seiner super-tiefen Bass-Stimme zu singen. Die Tonlage dieses Liedes ist so tief, dass sogar die Herzen aller mit ihr hinuntersanken.

Glücklicherweise hatte Urteil sich eine kurze und einfache Hymne ausgesucht. Das Lied erzählte im Grunde davon, wie Verbrecher vom strengen Gott des Lichtes gerichtet werden werden. Selbst mit dem Refrain der Priester in der Mitte dauerte das gesamte Lied höchstens fünf Minuten. Urteils Solo war vielleicht zwei Minuten lang.

Allerdings liegt das nicht daran, dass er faul ist. Wie bereits erwähnt sind die Mitglieder der „grausamen, kaltherzigen” Fraktion nicht berühmt für ihre Fähigkeiten mit Heiligem Licht. Da ihr Heiliges Licht so schwach ist, ist es ihnen erlaubt, sich die einfachsten Hymnen auszusuchen.

Im Gegensatz dazu ist es mir, da ich der Anführer der „guten, warmherzigen” Fraktion bin, nicht erlaubt mir eine einfache Hymne auszusuchen. Das trifft besonders heute zu, da dies der Gottesdienst vor der Krönung des Königs ist. Wenn ich eine einfache Hymne auswählte, könnte es sogar als respektlos dem König gegenüber angesehen werden.

Das ist auch einer der Gründe, warum ich mich entschied, das Lied nicht zu ändern. Wenn ich wirklich die Hymne des Gottes des Lichtes singe, wird der Kronprinz sehr zufrieden sein und mir für das, was ich getan habe, keine Schwierigkeiten mehr machen. Schließlich sang ich diese Hymne definitiv nicht nur, da ich Angst hatte, dass, wenn man mich blöd dastehen lies, mich mein Lehrer zum Gott des Lichtes schicken würde. Nicht im Geringsten… Nun, zumindest nicht nur.

Urteil beendete seine Hymne und kehrte auf seine ursprüngliche Position zurück. Dann war ich an der Reihe. Ich war gerade mal ein paar Schritte vorgetreten, als die Menge begann zu jubeln und der Jubel war sogar lauter als bei den jährlichen großen Gottesdiensten. Es schien so, als würden sie bereits wissen, dass ich dieses Mal die Hymne des Gottes des Lichtes singen würde. Also hatte sich die Neuigkeit verbreitet, dass der Sonnenritter die Hymne des Gottes des Lichtes, welche seit zwanzig Jahren nicht mehr gesungen worden war, singen würde, und nur der Sonnenritter selbst wusste nichts davon.

Es gab keine Begleitung am Anfang der Hymne des Gottes des Lichtes, daher musste ich ganz alleine anfangen.

Ich atmete tief ein und bestätigte, dass ich genug Heiliges Licht hatte, um die Hymne des Gottes des Lichtes zweimal zu singen. Nachdem das der Fall war, entschied ich, dass ich genauso gut etwas mehr Heiliges Licht verwenden konnte, damit es, selbst wenn ich einen Ton verfehlte, niemand bemerken würde.

Ich setzte eine große Menge Heiligen Lichtes frei, so viel, dass sogar mein Körper sanft leuchtete. Ich schloss die Augen und konnte immer noch das ehrfurchtsvolle Aufkeuchen der Menge hören. Ich öffnete die Augen und sang die eröffnenden Verse:

Licht wurde geboren, durchbrach die Dunkelheit, einen Strahl des Glanzes aussendend, unendliche Hoffnung hervorbringend…

Meine Stimme durchbrach die Himmel und die Halle des Lobes hallte wieder mit dem Klang ihrer Echos und mit Heiligem Licht. Es war, als wäre der Gott des Lichtes wirklich anwesend. Innerhalb eines Augenblickes waren alle still und starrten mich einfach nur an.

Ich bin erledigt…

Sobald ich den ersten Vers sang, wusste ich, dass ich erledigt war. Es geht einfach nicht ohne Übung. Ich hatte zu hoch angefangen und diese Hymne hat eine sehr hohe Tonlage, mit einer Menge hoher Töne, von denen man zu noch höheren Tönen hinaufgleiten muss, mittendrin. Nun da ich derart hoch angefangen habe, wie soll ich es dort hinauf schaffen?

Zu diesem Zeitpunkt hörte ich ein ehrfürchtiges Aufkeuchen von den Zwölf Heiligen Rittern hinter mir. Sie alle hatten die Hymne des Gottes des Lichtes bereits geübt und natürlich wussten sie, wie hoch dieses Lied hinaufgeht. Ich weiß nicht wer, aber jemand sagte leise: „Der erste Vers war absolut wundervoll. Du bist bewundernswert, dass du mit einem so hohen Ton beginnst.”

Bewundernswert? Ich habe nicht absichtlich so hoch angefangen. Ich bin bereits den Tränen nahe!

Die Töne in der Hymne des Gottes des Lichtes mussten derart lange mit einem Atemzug ausgehalten werden, dass mich manche Sätze fast erstickten, bevor ich einen Abschnitt erreichte, wo ich Luftholen konnte.

Für die anderen heiligen Ritter ist der schwierigste Teil dieses Liedes das Freisetzen dieser enormen Mengen Heiligen Lichtes, was die Fähigkeiten eines normalen heiligen Ritters übersteigt. Aber für mich ist das Freisetzen Heiligen Lichtes kein Problem, das Problem ist, dass dieses Lied extrem schwer zu singen ist!

Shit, der nächste Vers hat ein unglaublich langgezogenes Ende!

Ich platzierte meine Hände elegant auf meinem Zwerchfell und drückte fest hinunter, um die Luft mit meiner ganzen Kraft hinaus zu pressen. Pressen, pressen, pressen …

Hunger, Krankheit, Naturkatastrophen, Böses verschwinden ohne eine Spur unter dem gnädigen Li — (ich presse) — (ich presse immer noch) — (ich presse sehr fest) — icht!

In diesem Augenblick schloss ich den Mund mit Tränen in den Augen. Ich danke dem Gott des Lichtes, dass ich es geschafft habe, sicher fertig zu werden… mit dem ersten Abschnitt. Obwohl am Ende, als ich keine Luft mehr hinauspressen konnte, meine Stimme ziemlich zitterte, allerdings ist das gerade meine geringste Sorge. Als nächstes gab es eine Minute Begleitung, also sollte ich besser locker werden und mich so weit als möglich entspannen.

Als ich mich entspannte, ließen meine Hände auch mein Zwerchfell los, nur um herauszufinden dass… ich extrem hungrig war!

Ich war schon vorher ziemlich hungrig gewesen, aber gerade eben hatte ich so heftig gesungen und mit so viel Kraft auf mein Zwerchfell gedrückt, dass ich hungriger als jemals zuvor war! Mein leerer Magen fühlte sich so an, als hätte ich seit Tagen nichts gegessen.

Die erstaunte Menge hatte es endlich geschafft, zur Gegenwart aufzuschließen und die Halle war erfüllt von Applaus. Er übertönte sogar den Refrain der Priester und alle jubelten.

„Es ist ein Wunder! Was für eine wundervolle Stimme, es war mir nie bewusst, dass der Sonnenritter ein derart wundervoller männlicher Sopran ist.”

„Schaut! Es sind sogar Tränen in den Augen des Sonnenritters. Er muss während dem Lied die Präsenz des Gottes des Lichtes gefühlt haben!”

„Das Vibrato beim letzten Ton war herrlich. Er hat die Leidenschaft im Text so perfekt ausgedrückt!”

Zu diesem Zeitpunkt flüsterte Blatt, der sich hinter mir befand: „Sonne, das gerade war großartig, aber kannst du fortfahren? Willst du, dass ich übernehme?”

Als ich das hörte, dachte ich selig: Blatt, du bist so ein großartiger Kerl, ich liebe dich über alles!

Ich wollte gerade ja zu Blatt sagen, als Sturm einfiel: „Das wird nicht funktionieren.”

Er erklärte leise: “Der mittlere Teil der Hymne des Gottes des Lichtes ist der längste, er dauert beinahe zwanzig Minuten. Du bist der einzige von uns zwölf, der es schafft, zwanzig Minuten lang durchgehend Heiliges Licht freizusetzen, Sonne. Schließ einfach den Mittelteil ab, dann helfen Blatt und ich dir, den letzten Abschnitt zu singen.”

Als er Sturms Erklärung hörte, wich sogar der gutherzige Blatt zurück.

In diesem Moment schwenken meine Augen zum Erdritter. Abgesehen von mir, hat Erde die besten Fähigkeiten mit Heiligem Licht. Nun, seine Spezialität ist ein Schild, das aus Kampfaura und etwas hinzugefügtem Heiligen Licht besteht, was der Grund dafür ist, dass es einen derart starken Schutz bietet. Für ihn wären zwanzig Minuten nicht das geringste Problem.

„Hehehe, es t-tut mir so leid Sonne, meine Stimme ist zu tief, ich kann unmöglich die Hymne des Gottes des Lichtes singen.” Erdes Gesicht war voll Mitgefühl als er sich entschuldigte, aber seine Augen glänzten vor Häme ob meines Unglücks, ohne eine Spur von Mitgefühl.

Obwohl Erde in Bezug auf seine Stimme, welche nur ein bisschen höher als Urteils ist, die Wahrheit sagte, und er daher wirklich keine Chance hatte, die Hymne des Gottes des Lichtes zu singen, und es wirklich meine Schuld war, dass ich mit einem derart hohen Ton angefangen hatte… Aber als ich diesen süffisanten Ausdruck in seinem Gesicht sah, erfüllte mich Bitterkeit.

Darüber hinaus erspähte ich den Kronprinzen und Baron Gerland in der ersten Reihe. Ersterer trug sein übliches sanftes Lächeln, während letzterer einen äußerst beschissenen Gesichtsausdruck machte. Er funkelte mich an, als könnte er nicht glauben, dass ich in der Lage war, diese Hymne zu singen.

Es sind diese zwei Halunken!

Mich zu zwingen, ein Lied, das so unglaublich schwierig wie die Hymne des Gottes des Lichtes ist, zu singen, ohne im Voraus Bescheid zu wissen, ist schlimm genug, aber es mich auf leeren Magen singen lassen ist einfach unglaublich!

Wissen sie nicht, dass mein Zuckerspiegel abnorm niedrig wird, wenn ich Hunger habe? Wenn eine Naschkatze wie ich einen niedrigen Blutzuckerspiegel hat, komme ich in eine äußerst griesgrämige Stimmung. Selbst ich könnte euch nicht sagen, wessen ich fähig bin, wenn ich in schlechte Stimmung gerate!

„Ich singe das Lied selbst zu Ende.”

„Was?”

Als sie meine Worte hörten, waren Sturm und Blatt beide für eine Sekunde sprachlos und all die anderen heiligen Ritter konnten nicht anders als mich kurz anzublicken, jeder mit einem anderen Ausdruck in den Augen. Manche glänzten voll Bewunderung, manche zeigten missbilligende Blicke, aber die meisten waren einfach besorgt.

In diesem Augenblick war die Minute der Begleitung vorüber. Ich ignorierte die gedämpften aber dringenden Rufe von Sturm und Blatt, atmete tief ein und begann den nächsten Abschnitt zu singen.

Ihr Sündiger, senkt eure Häupter und bereut. Selbst unter dem dunklen Mantel der Schatten, werden eure Verfehlungen ihrem Urteil nicht entkommen. Gerechte, erhebt eure Häupter und sehet. Solange die Sonne über dem Land scheint, soll das Licht niemals bezwungen werden.

Obwohl der erste Abschnitt mich fast erstickt hatte, war der zweite viel einfacher, obwohl er der „Heilige Ritter Killer” genannt wurde. Da er ein zwanzig-minütiges, durchgängiges Freisetzen Heiligen Lichtes benötigt, kann fast kein heiliger Ritter ihn vollenden. Das Lied selbst war jedoch ziemlich einfach zu singen, weshalb dieser Abschnitt ein Kinderspiel für mich, der ich praktisch überströmte mit Heiligem Licht, war. Ich hatte allerdings ein anderes Problem… Er war zu öde!

Da der erste Abschnitt so schwierig war, hatte ich mich nur aufs Singen konzentriert und hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, wie hungrig ich war. Jetzt hingegen, wo der öde zweite Abschnitt mich nicht unter Druck setzte, fühlte ich ununterbrochen die Leere meines Magens. Ich war so hungrig, dass ich denke, dass meine Stimme so laut und klar war, da ein leerer Magen einen hallenden Effekt hat.

Ich schleppte mich langsam und gemächlich durch den zweiten Abschnitt und es gab Applaus am Ende, aber kam nicht einmal annähernd an den Zuspruch nach dem ersten Abschnitt heran. Das ist allerdings nicht ihre Schuld: es keine einfache Leistung, sich in einer derart schläfrigen Situation überhaupt daran zu erinnern, zu klatschen. Als nächstes kam eine weitere Minute Begleitung, was mir ein bisschen Zeit gab, mich auszuruhen.

„Sonne, bist du sicher, dass wir nicht übernehmen sollen?” fragte Blatt erneut, diesmal jedoch mit wesentlich dringlicherer Stimme.

„Zwing dich nicht, weiterzumachen! Du hast bereits eine enorme Menge Heiliges Licht freigesetzt und du müsstest das Heilige Licht der Priester im letzten Abschnitt überstrahlen, also wird es noch schwieriger als bisher”, beschwörte mich Sturm.

Das Freisetzen Heiligen Lichtes ist kein Problem… Das Problem ist, das ich super hungrig bin!

Der dritte Abschnitt hat eine unglaublich hohe Tonlage und einen extrem langen Text und kann als der schwierigste Teil des ganzen Liedes betrachtet werden. Sobald ich anfinge zu singen, würde es mich unter so viel Druck setzen, dass ich für den Moment den Schmerz des Hungers vergessen würde!

„Bruder Sturm, Bruder Blatt, bitte habt Vertrauen, dass Sonne, mit dem Segen des Gottes des Lichtes, definitiv die Hymne des Gottes des Lichtes vollenden kann.”

Nachdem ich das gesagt hatte, kamen keine weiteren Proteste von hinten.

Die ein-minütige Begleitung war fast vorüber und dann begann der letzte Abschnitt der Hymne des Gottes des Lichtes offiziell. Der erste Vers war sehr schallend und klangvoll und symbolisierte Licht, das die Dunkelheit durchbricht… was auch dazu dient, die dösende Menge nach dem zweiten Abschnitt aufzuwecken.

Ich schien gute Arbeit geleistet zu haben, in Anbetracht der Tatsache, dass viele aus der herumlümmelnden Menge sich plötzlich aufsetzten und ihren Gesichtsausdrücken nach zu urteilen, konnte ich sehen, dass sie einen ganz schönen Schreck davongetragen hatten und nun komplett ernüchtert waren.

Während ich so richtig ins Lied hineinkam, wollte ich überheblich auf Baron Gerland hinabblicken. Stattdessen erwischte ich ihn, wie er sich umdrehte und in Richtung einer Ecke zwinkerte. Es stand nur ein etwas gewöhnlich aussehender Ritter dort, daher flirtete Baron Gerland vermutlich nicht mit ihm.

Nachdem der Ritter Baron Gerlands Blick erhalten hatte, nickte er und holte dann eine Schriftrolle hervor. Er funkelte sogar finster die Bühne an, während er selbiges tat.

Wenn der nicht versucht, mir etwas Zwielichtiges anzutun, dann ist mein Name nicht Grisia!

Der Foliant, den der Ritter herausgeholt hatte, sah aus wie eine magische Schriftrolle. Eine magische Schriftrolle entsteht, wenn ein Magier seine Kräfte auf ein spezielles Pergament überträgt, und dadurch eine Schriftrolle herstellt, die an andere verkauft werden kann. Diese Art magischer Schriftrolle kann nur einmal einen Spruch freisetzen und die Art freigesetzter Magie hängt davon ab, was der Magier darauf übertragen hat. Nachdem der Spruch entladen wurde, wird sie zu einem nutzlosen Stück Papier.

Es gibt nur sehr wenige Magier, die in der Lage sind, ihre Sprüche auf Schriftrollen zu übertragen. Außerdem verlangt die Schriftrolle nach einer spezieller Art Pergament und Tinte. Infolgedessen ist ihr exorbitanter Preis nicht nur ein Resultat der Kosten des eigentlichen Produktes, sondern auch von diversen andern Ausgaben, die ihre Herstellung nach sich zieht. Aufgrund dessen werden magische Schriftrollen als einer der teuersten erhältlichen Verbrauchsgegenstände betrachtet.

Etwas derart wertvolles muss definitiv ein Gegenstand sein, den Baron Gerland dem Ritter nur gegeben hat um mich zu demütigen. Das ist so was von verschwenderisch!

Wenn du mir stattdessen das Geld, das du für die Schriftrolle verwendet hast, gegeben hättest, hätte ich mich vielleicht selbst unter dem Risiko von meinem Lehrer gesehen zu werden zum Narren gemacht!

Ich werde dem Kerl diese Schriftrolle einfach praktischerweise als Kompensation für den mentalen Stress abnehmen, während ich ihn davon abhalte, seine zwielichtige Aufgabe auszuführen!

Während ich die Hymne sang, beobachtete ich den Ritter aus den Augenwinkeln. Als ich das Lied beinahe beendet hatte, setzte sich der Kerl endlich in Bewegung. Er hob den Arm, wandte den Spruch aber nicht an. Es schien so, als würde er noch auf etwas warten.

Ich dachte darüber nach… ah, stimmt! Er muss auf das Finale warten, wenn ich nahezu mein gesamtes Heiliges Licht aufgebraucht haben sollte. Auf diese Art hätte ich all diese Energie aufgewandt und würde immer noch fehlschlagen, die Hymne des Lichtes zu vollenden. Wie hinterhältig! Kein Wunder, das Baron Gerland ihn geschickt hat um seine Drecksarbeit zu erledigen.

Aber, so hinterhältig du auch sein magst, könntest du so hinterhältig sein wie ich… Ähem! Ich meinte, so clever wie ich? Als ich an die magische Schriftrolle dachte, die bald mir gehören würde, konnte ich nicht anders, als noch höher und lauter als zuvor zu singen!

Es ist nur noch der letzte Vers übrig, also warte auf mich, meine magische Schriftrolle!

Gelobt sei das Licht. Als ich diesen Vers sang, setzte ich eine große Menge Heiliges Licht frei. Das Licht fegte durch die Halle wie ein Sturm, es quoll sogar aus den Fenstern und Türen und blendete alle. Es ist jedoch nicht möglich für das Licht, meine eigene Sicht zu blockieren und ich sah deutlich, dass Baron Gerlands Ritter ebenfalls von dem plötzlichen Zustrom heiligen Lichtes benommen war.

Jetzt! Solange niemand deutlich sehen konnte, wollte ich einen Spruch der Lähmung verwenden um diesen Ritter zu binden, aber als ich gerade mal die Hälfte des Spruches fertig hatte, fühlte ich eine plötzlichen Anfall von Schwindel. Ich konnte nicht mal meine Knie davon abhalten weich zu werden, vom Rezitieren des Spruches ganz zu schweigen.

Plötzlich hielt und unterstützte mich jemand. Ich schaute hin, aber ich konnte nur einen schwarzen Schatten sehen, der die Bühne hinunterstürmte, genau dorthin, wo der Ritter stand.

Dass musste Urteil sein, der in diesem hellen Licht unmöglich etwas sehen konnte. Der Einzige, der vielleicht in der Lage war, etwas zu sehen, war der alte Papst, aber Urteil konnte mich trotzdem stützen und dann zu dem genauen Aufenthaltsort dieses Ritters stürmen. Mensch, was für ein irres Leistungsvermögen!

Das Licht dauerte ungefähr zehn Sekunden an, bevor es langsam verblasste und mich alle sprachlos anstarrten. Ich behielt ein feierliches Gesicht und blickte aus den Augwinkeln auf den Ritter, der mich hinterrücks angreifen wollte. Der Ritter lag bereits kläglich am Boden mit der Schriftrolle aus seinem Mund herausstehend und der Verantwortliche, der sie dorthin gesteckt hatte, stand bereits wieder hinter mir, als wäre er niemals weg gewesen.

Urteil, oh Urteil, warum hast du die Schriftrolle nicht mit zurückgenommen? Es ist so eine Verschwendung, sie im Mund dieses Kerls stecken zu lassen!

Nachdem ich der Schriftrolle nachgetrauert hatte, sah ich Baron Gerland an, während ich ob seines Fehlschlages grinste. Als er sah, dass die Hymne perfekt geendet hatte, drehte er sich mit düsterem Blick zu seinem Ritter um, aber als er das unglückliche Schicksal sah, das seinen Ritter ereilt hatte, wurde sein Gesicht blass vor Angst.

Als ich das sah, höhnte ich innerlich. Du bist bloß ein dreckiger kleiner Ritter und du wolltest gegen mich intrigieren? Baron Gerland, du hast schwer unterschätzt, wie hinterhältig… äh, clever der Leiter der Zwölf Heiligen Ritter sein kann!

„Dieses Lied ist seiner Hoheit dem Kronprinzen gewidmet, welcher in Kürze den Thron besteigen wird. Ich bin sicher, dass das Königreich des Vergessenen Klanges unter Eurer Herrschaft den Segen des Gottes des Lichtes erhalten wird und eine goldene Ära eingeläutet wird.” Nachdem ich geendet hatte, salutierte ich elegant dem Kronprinzen und trat dann mit Fassung zurück auf meinen Platz unter den heiligen Rittern.

Als er das hörte, lächelte der Kronprinz glücklich und applaudierte sogar, während er verkündete: „Was für ein Lied! Wie zu erwarten von so einem perfekten Sonnenritter!”

Nun waren alle in der Halle endlich wach. Alle, von den gewöhnlichen Bürgern, bis zu den königlichen Rittern und sogar den anderen Mitgliedern der Kirche des Gottes des Lichtes, begannen ohne Unterbrechung zu jubeln und zu schreien: „Lang lebe der Sonnenritter! Lang lebe der König! Lang lebe der Gott des Lichtes!”

So ist’s gut! Jubelt mehr für den König und macht den Kronprinzen noch glücklicher, drängte ich im Geist. Ich sah heimlich den Prinzen an. Ha! Sein Lächeln ist jetzt fast so strahlend wie das des Sonnenritters.

Gewiss, jeder liebt es, gelobt zu werden. Mit genug Lob würde der Prinz immer noch sagen, dass ich perfekt bin, obwohl ich seinen eigenen Vater blamiert hatte. Aufgrund des ganzen Jubels brauchten die Priester eine Weile um die Menge zu beruhigen. Schließlich verkündeten sie den nächsten Punkt auf der Tagesordnung: „Der Kontrollgang des Neuen Königs”. Um es einfach auszudrücken,  der Zweck dieses Ereignisses war, eine Parade durch die Straßen zu veranstalten und alle zu informieren, dass dies der neue König ist, also prägt ihn euch gut ein und verärgert ihn bloß nicht, wenn er das nächste Mal seinen Kontrollgang macht.

Der Kronprinz stand als erstes auf und die zwei Reihen königlicher Ritter beeilten sich, ihm einen Pfad freizumachen. Dann verließen sie majestätisch die Halle des Lobes.

Der nächste, der ging, war der Papst, aber so wie ich diesen alten Knacker kenne, der es liebt sich mysteriös zu geben, zu dem Punkt, dass er sich mit einem Schleier bedeckt, wer weiß, ob er es wirklich ist. Nach allem, was ich weiß, könnte dieser hier bloß ein Doppelgänger sein und der richtige Papst ist bereits weg um sein Frühstück zu essen!

Als nächstes war es an der Zeit für die Heiligen Ritter, die Halle zu verlassen. Als der Anführer war ich natürlich derjenige, der als erstes ging. Als ich an Urteil vorbei ging, flüsterte ich ihm schnell zu: „Danke für vorhin!”

Als ich von der Bühne trat, und sicher gestellt hatte, dass mein Lehrer mich nicht sehen konnte, stolperte ich sofort und traf beinahe elegant den Boden mit Ganzkörperkontakt. Glücklicherweise merkten Blatt und Sturm, die hinter mir waren, dass etwas nicht stimmte und stützten mich auf beiden Seiten.

„Sonne, Sonne! Bist du in Ordnung?” fragte Blatt besorgt.

Ich sagte trostlos: „Ich… Ich… “

Ich bin am Verhungern!

„Nachdem du eine derart riesige Menge Heiliges Licht freigesetzt hast, kannst du unmöglich noch in Ordnung sein”, sagte Sturm drängend, “Blatt, hör auf Fragen zu stellen und hilf Sonne einfach aufrecht zu bleiben.”

„Ja, ja”, nickte Blatt energisch.

„Adair!”

Ich entdeckte plötzlich meinen Vize-Hauptmann, der bei der Seitentür stand und ein Tablett mit meinem Heidelbeersandwich und Milch hielt. Ihm stand jedoch das Zögern deutlich ins Gesicht geschrieben, als wäre er nicht sicher, ob er kommen sollte. Als ich das sah, begann ich zu kämpfen um mich aus dem Griff von Blatt und Sturm zu befreien, auf dass ich mein geliebtes Frühstück dorthin befördern könnte, wo es hingehört — in meinen armen, knurrenden Magen.

„Nicht nötig nach deinem Vize-Hauptmann zu rufen, wir werden dich unterstützen. Keine Sorge, Sturm und ich werden heute deine Krücken sein.”

Flamme packte mich fest und deutete Adair, dass er gehen sollte und dass es nicht nötig war, dass er näher kam. Adair sah mich mit großen Augen an, hin und her gerissen dazwischen zu kommen und zu gehen.

„Die Parade beginnt, also lasst uns gehen”, sagte Sturm schnell und schleppte mich gemeinsam mit Flamme fort.

Nein Nein Nein! Lasst mich los!

Ich bin so hungrig! Mein Heidelbeersandwich, meine Milch, meine Honigkekse! Flamme, Sturm! Lasst mich los!

Adair! Mein Frühstück!

[Band 2 Kapitel 1 Ende]

 

 Fußnoten

[1] Für alle, die (wie ich) nicht wissen, was Guaven sind: https://de.wikipedia.org/wiki/Guaven

[2] Priester des Leuchtens und Priester des Glanzes: Die ursprünglichen chinesischen Zeichen für Kardinal des Lichtes sind 光明祭师 (guāng míng jì shī), wobei 光(guāng) Leuchten bedeutet und 明(míng)  Glanz bedeutet (ich bin mir leider nicht sicher, ob das tatsächlich auch für Deutsch so stimmt, da die englischen Begriffe mehrere mögliche Übersetzungen haben und ich nicht sicher bin, ob ich die korrekte ausgewählt habe)

 

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