Die Legende des Sonnenritters B2K2: „Lächle, winke und sei das menschliche Werbeschild der Kirche“

Die Legende des Sonnenritters Band 2: Die täglichen Pflichten eines Ritters

Chinesisches Original von: 御我 (Yu Wo)

Englische Übersetzung von: Rena und Raylight


Tägliche Pflicht des Sonnenritters Nr. 2: „Lächle, winke und sei das menschliche Werbeschild der Kirche“ – übersetzt von Ariana

Am Ende des Gottesdienstes sollte der zukünftige König wie üblich eine Parade durch die Stadt machen und die Zwölf Heiligen Ritter sollten ihm wie Schafe folgen.

Nachdem mir also Sturm und Flamme auf mein Pferd geholfen hatte, stiegen sie beide auf ihre Pferde und ritten hinter mir. Natürlich folgten mir auch Blatt und die anderen aus der „guten, warmherzigen Fraktion“.

Der einzige, der neben mir ritt, war Urteilsritter und hinter ihm befanden sich die Ritter der „grausamen, kaltherzigen“ Fraktion.

Vor uns befand sich der Kronprinz, unser zukünftiger König. An seiner rechten und linken Seite waren die königlichen Ritter, denen er am meisten vertraute, und hinter ihnen waren Urteil und ich.

Der Effekt der Hymne des Gottes des Lichtes, die ich gesungen hatte, war ziemlich auffällig. All die Leute, die am Straßenrand standen, waren so leidenschaftlich, dass es so wirkte, als wäre der Gott des Lichtes tatsächlich herabgestiegen. Die Straße war auf beiden Seiten mit Leuten vollgestopft, deren lauter Jubel beinahe meine Ohren zum Explodieren brachte.

Haha! Soweit ich mich erinnere, war das einzige andere Mal, als sich die Leute auf derart wilde Art und Weise benommen haben, als diese weltberühmte Theatergruppe her kam um hier aufzutreten. Aber wenn Seine Majestät der König für deine Kontrollrunde unterwegs war… Nun, sagen wir mal, das meiste, was man sich erhoffen kann, ist dass sich die Situation nicht zu der wie auf einem Bauernmarkt entwickelt.

Ich erinnere mich an das letzte Mal, als dieses fette Schwein eine Kontrollrunde machte. Es war zufälligerweise gerade während der Tomatensaison, daher gab es Tomaten im Überfluss… Das Ergebnis war, dass die königlichen Ritter, die ihn begleiteten, von diesem Tag an komplett aufhörten, Tomaten zu essen. Das ist auch einer der Gründe, warum der König nie die Gunst der königlichen Ritter erlangen konnte. Wenn sie den König auf ein paar weitere Kontrollrunden begleiten mussten, würden sie wahrscheinlich nie wieder irgendwelche Früchte oder Gemüse essen.

Kurze Zeit nachdem wir unsere Parade begonnen hatten, sah Urteil mich einige Male aus den Augenwinkeln an. Für Zuschauer würde es so aussehen, als ob er mich anfunkelte, aber ich verstand, dass es sich um einen besorgten Gesichtsausdruck handelte. Mein Gesicht war so blass, dass man es mit der Farbe von Mehl vergleichen konnte, vor allem da ich so hungrig war.

Urteils Sitz war so gerade wie ein Pfeil und seine Augen waren gerade nach vorne gerichtet. Er strahlte eine unheilvolle Aura aus und sein Gesichtsausdruck schien zu sagen, dass sich ihm weder die Lebenden noch die Toten nähern sollten. Er fragte mich jedoch mit leiser und besorgter Stimme: „Fühlst du dich in Ordnung?“

„Nein, tue ich nicht! Ich bin so hungrig, dass ich verhungern werde. Ich will Heidelbeer-Sandwiches essen, ich will Honigkekse essen und ich will Milch trinken.“

Ich murmelte meine Antwort, während ich zugleich lächelte und den umgebenden Menschen zuwinkte. Nachdem es hier so laut war, würden sie ohnehin nicht verstehen können, was ich sagte und höchstwahrscheinlich einfach annehmen, dass ich wieder einmal über die Güte des Gottes des Lichtes sprach.

„…“

Urteils Mundwinkel zuckten und es wirkte fast so, als würde er gleich lächeln. Glücklicherweise war seine Fähigkeit sich mehr als zehn Jahre lang kühl zu geben gleichauf mit meiner Fähigkeit, mehr als zehn Jahre Lächeln vorzutäuschen und er zwang seine Mundwinkel hinunter, was ihn stattdessen so aussehen ließ, als wäre er extrem schlecht gelaunt. In Wahrheit tröstete er mich jedoch und sagte: „Halt einfach eine Weile durch, wir werden bald essen können.“

Eine Weile durchhalten? Ich denke, dass in Anbetracht unseres momentanen Tempos, welches nur etwas schneller als gehen ist, wir für die Tour durch die gesamte Stadt ungefähr…einen ganzen Tag brauchen werden!

Wen versuchst du zu täuschen? Ich werde definitiv so hungrig sein, dass ich auf halben Weg kopfüber vom Pferd falle!

Könnte ein Sonnenritter, der beim Reiten vom Pferd fällt, noch als Ritter bezeichnet werden? Obwohl meine Fähigkeiten als Reiter ziemlich schlecht… Ich meine „nicht so gut“ sind.

Aber ich kann zumindest nicht vom Pferd fallen. Wenn ich zurückdenke, hat mich mein Lehrer bereits davor gewarnt.

„Kind, selbst wenn deine Schwertkunst als heiliger Ritter dürftig ist…das macht nichts! Zumindest ist deine Regenerationsfähigkeit hervorragend, daher wirst du nicht sterben, selbst wenn du ein paar Mal von Feinden zerlegt wirst.“

In jenem Jahr war ich dreizehn Jahre alt und hatte bereits drei Jahre lang von meinem Lehrer Schwertkunst gelernt. Die anderen Nachfolger der Zwölf Heiligen Ritter hatten alle bereits die Prüfungen für den mittleren Level bestanden. Urteil hatte sogar bereits ein Jahr zuvor die Prüfungen für den fortgeschrittenen Level bestanden und nur ich war selbst nach drei Versuchen immer noch nicht in der Lage, den Anfängerlevel zu bestehen.

„Kind, wenn du als heiliger Ritter die Kampfaura nicht meistern kannst…das macht nichts! Immerhin hast du die Spezialität der Geistlichen, das Lichtschild, gemeistert und wenn wir uns die Effekte der beiden ansehen, sind ein Lichtschild und eine Kampfaura nicht so unterschiedlich.“

Ich war zu diesem Zeitpunkt sechzehn und hatte bereits sechs Jahre von meinem Lehrer gelernt. Alle anderen Nachfolger der Zwölf Heiligen Ritter hatten die Kampfaura gemeistert und nur ich noch nicht. Urteil hatte seine Kampfaura gemeistert als er dreizehn war.

„Jedoch, Kind, als heiliger Ritter musst du wissen, wie man ein Pferd reitet! Wie könnte man dich noch als Ritter bezeichnen, wenn du nicht Reiten kannst? Du könntest stattdessen genauso gut die Zwölf Heiligen Fußsoldaten gründen!“

Zu diesem Zeitpunkt sprang Erde zufälligerweise gerade von hinter mir mit seinem Pferd über das höchste Hindernis. Sein Sitz war so elegant, dass sogar ich ihm Beifall spenden wollte.

Wenn ich so zurückblicke, könnte es sein, dass mein Band mit Erde im Alter von sechzehn Jahren durchtrennt wurde.

Schließlich wurde mein Lehrer so wütend, dass er auf ein Pferd stieg, neben mich ritt, während er das Göttliche Sonnenschwert trug und sagte: „Steig sofort auf das Pferd. Wenn du es wagst, erneut von deinem Pferd zu fallen, werde ich dich zum Gott des Lichtes schicken. Du kannst Ihm die Gründung der Zwölf Heiligen Fußsoldaten vorschlagen!“

Glücklicherweise war ich so verängstigt, dass mein Körper wie versteinert war und ich mich nicht bewegen konnte. Das Pferd war auch von der Wut meines Lehrers verängstigt und wagte es auch nicht, sich zu bewegen. In dieser Situation, in der es weder Pferd noch Reiter wagten sich zu rühren, wurde ich dankenswerter Weise nicht von meinem Lehrer zum Gott des Lichtes geschickt.

Jedoch habe ich es seit damals nie wieder gewagt, von meinem Pferd zu fallen… Zumindest nicht, solange ich nicht zu 100% sicher war, dass mein Lehrer mich nicht sehen konnte. Und nun, bei einem derart großen Ereignis, war es absolut im Bereich des Möglichen, dass mein Lehrer sich die Festlichkeiten in irgendeinem Eck ansah. Wenn ich es also wagen würde, von meinem Pferd zu fallen, könnte nächstes Jahr an diesem Datum gut mein erster Todestag sein.

Aber wenn ich einen ganzen Tag lang hungern muss, würde ich vielleicht wirklich vor Hunger ohnmächtig und von meinem Pferd fallen. Ich bettelte Urteil besorgt an: „Urteil, hast du Heidelbeerkekse bei dir?“

„Nein.“

Urteil warf einen Blick auf mich. Vermutlich da ich so grauenvoll aussah, fügte er hinzu: „Keine Sorge, der Kronprinz ist sehr beschäftigt und hat daher nur eine Parade durch die wichtigsten Straßen vorbereitet. Wir sollten nur ungefähr einen halben Tag brauchen, um die Parade zu beenden.“

Als ich hörte, dass ich immer noch einen halben Tag warten musste, sank mir das Herz… Oh nein! Ich muss immer ein strahlendes Lächeln im Gesicht tragen.

Ich hatte die Menge gegrüßt, indem ich mit der linken Hand langsam und elegant winkte, aber als ich hörte, dass wir noch einen halben Tag unterwegs wären, passte ich sofort die Geschwindigkeit meines Armes an und wurde mit jedem Mal winken langsamer…

„Kind, ich werde dir nun beibringen, wie man einer Menge zuwinkt.“

„Lehrer, muss ich so etwas wie winken wirklich lernen?“

„Kind, wenn du in deinem normalen Tempo eine Minute lang ununterbrochen winkst, wie oft winkst du insgesamt?“

Eine Minute später…

„Lehrer, ich habe achtundachtzig Mal gewinkt.“

„Nun, wie lange war ich das letzte Mal, als ich den König auf einer Parade begleitete, unterwegs?“

„Ungefähr drei Stunden.“

„Nun Kind, ist es Zeit für ein wenig Mathematik! Wenn du in einer Minute achtundachtzig Mal winkst, wie oft wirst du dann insgesamt nach drei Stunden gewunken haben?“

„Fünfzehntausendachthundertvierzig Mal.“

„Kind, lass mich dir nun eine Frage aus dem Bereich der Gesundheit stellen: Wenn du fünfzehntausendachthundertvierzig Mal ohne Unterbrechung winkst, wie wird deine Hand aussehen?“

„… Ich weiß es nicht.“

„Das ist der Grund, Kind, warum du nun lernst, wie man eine ganze Parade mit 1000 Mal winken schafft. Oder willst du in Zukunft während all deiner Paraden fünfzehntausendachthundertvierzig Mal winken?“

„Lehrer! Bitte, du musst mir beibringen, wie man winkt!“

Je länger die Parade dauert, desto langsamer sollte man winken. Die Handbewegungen sollten ausladender werden und zugleich sollte man den Oberarm entspannen und locker hinunterhängen lassen, da man nur das Ellbogengelenk verwenden würde um den Unterarm zu bewegen und auf diese Art die verwendete Energie und die Anzahl des Winkens minimieren würde. Bisher war es garantiert, dass ich selbst nach einem kompletten Umzug immer noch achtzehn Runden Mahjong spielen und heiße Bräute umarmen konnte wie üblich… Nein, nein! Ich meinte, ich könnte immer noch meine Schwertkunst üben und Dokumente korrigieren wie üblich!

Das ist die Wink-Technik, die mir mein Lehrer beigebracht hat!

Obwohl mein Lehrer bereits seine gesamte Wink-Technik an mich weitergegeben hatte, standen mir diesmal trotzdem schwierige Zeiten bevor. Urteil hatte gerade gesagt, dass wir einen halben Tag lang marschieren würden und sein halber Tag dauert ungefähr fünf Stunden. Wenn ich meine Wink-Anzahl auf eintausend beschränke, dann kann ich nur zweihundert Mal pro Stunde und 3.33 Mal pro Minute winken, was bedeutet, dass ich zwanzig Sekunden für jedes Mal winken brauchen müsste!

Diese…diese Wink-Geschwindigkeit ist einfach zu langsam – werden die Leute bei einer derart langsamen Geschwindigkeit denken, dass ich einen Krampf im Arm habe?

Während ich überlegte, was ich tun könnte, kam Sturms Stimme von hinter mir. „Sonne könntest du kommen und dich eine Weile mit mir unterhalten?“

„Bruder Sturm, möchtest du dich über die Güte des Gottes des Lichtes oder über die Hingabe des Gottes des Lichtes unterhalten?“

Natürlich würde ich kommen! Ich hatte eigentlich nach jemandem, irgendjemandem, gesucht, mit dem ich mich unterhalten konnte, damit ich einige Zeit nicht winken müsste und somit später meine Wink-Geschwindigkeit leicht erhöhen könnte. Ich hätte jedoch niemals gedacht, dass Sturm tatsächlich ein Gespräch mit mir anfangen würde.

Aber es ist seltsam, dass Sturm ein Gespräch mit mir anfängt. Er sagt immer, dass eine Minute mit mir zu sprechen ungefähr so anstrengend ist, wie einhundert Mal zu zwinkern. Wir müssen uns nur zehn Minuten lang unterhalten, damit er in der darauffolgenden Nacht besonders gut schläft, weil er viel zu müde wäre.

„Wir müssen nicht nach einem Thema suchen, es ist in Ordnung über irgendetwas zu sprechen, ich will nur so tun als würde ich mit dir sprechen.“ Nach Sturms eiliger Erklärung sah er meinen zweifelnden Gesichtsausdruck und fügte hinzu: „Weißt du, im Moment sind hunderte Frauen auf dieser Straße und dieser Umzug wird durch mehr als zehn Straßen führen. Wenn ich jeder einzelnen Frau zuzwinkern muss, dann wird mich am Ende dieses Umzugs, selbst wenn ich nicht erblinde, immer noch ein schreckliches Schicksal ereilen. Daher hat mir meiner Lehrer die Technik, wie man diese Umzüge mit nur eintausend Mal zwinkern schafft, beigebracht.“

„…“ Warum klingt dieser Satz so bekannt?

In diesem Moment drehte sich Sturm zu den Frauen auf beiden Seiten und schenkte ihnen ein elegantes Lächeln, das sie alle zum Kreischen brachte. Dann ritt er sofort neben mich und begann sich mit mir zu „unterhalten“.

„Mein Lehrer sagte, dass es Frauen aus irgendeinem Grund immer gerne sehen, wenn zwei schöne Männer sehr nahe bei einander stehen. Selbst wenn der berufene Sonnenritter kein außergewöhnlich schöner Mann wäre, wäre er immer noch ein normal schöner Mann, daher kann man nicht falsch liegen, wenn man den Sonnenritter findet und mit ihm spricht. Ich muss nicht einmal eintausend Mal zwinkern, selbst wenn ich während dem gesamten Umzug gar nicht zwinkere, muss ich dir nur von Zeit zu Zeit auf die Schulter klopfen oder dein unordentliches Haar ordnen, damit alle Frauen kreischen, bis sie ohnmächtig werden.“

Nachdem ich dies gehört hatte, wurde mein ganzer Körper steif und ich trat dem Pferd unbewusst in den Bauch, was dazu führte, dass es elegant zu Seite sprang. In diesem Moment fühlte ich, wie das Pferd und ich in einen Zustand der spirituellen Einigkeit eintraten. Ich hatte meinem Pferd meine Abscheu davor, von einem Mann berührt zu werden, ausreichend deutlich gemacht, was es ihm ermöglichte, eine derart passende Aktion auszuführen!

Mein Pferd! Du musst ein Hengst sein, mein guter Bruder! Wenn wir zurückkommen, werde ich dich definitiv das beste Gras fressen lassen!

„… Keine Sorge, ich habe keinerlei Interesse daran, Männer zu berühren. Ich werde mich einfach benehmen und eintausend Mal zwinkern, du musst nur ein paar Sätze mit mir sprechen um die verbleibende Zeit zu vertreiben.“

Ich stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Gott sei Dank muss ich nicht von Sturm berührt werden. Wenn ich berührt werden müsste, würde ich lieber fünfundzwanzigtausendachthundertvierzig Mal winken. Immerhin habe ich heute Abend keine achtzehn Runden Mahjong zu spielen oder heiße Bräute zum Umarmen, daher spielt es keine Rolle, selbst wenn meine Hand gelähmt würde.

Ich lächelte sanft und sagte: „Würde sich mein Bruder dann lieber über die Güte des Gottes des Lichtes oder über die Hingabe des Gottes des Lichtes unterhalten?“

„Das…“ Sturm sah so drein, als täte er sich schwer mit der Entscheidung.

Dann begann er enthusiastisch ohne Unterbrechung zu reden, um mich davon abzuhalten, über die Güte oder die Hingabe des Gottes des Lichtes zu sprechen. Es war wirklich toll: Ich musste weder winken noch sprechen und abgesehen davon, dass ich hungrig war, hatte ich keinen Grund zur Beschwerde.

So hungrig, ich will was essen…

Ich besah Sturmritter von oben bis unten. Wenn Menschen gegessen werden könnten, welcher Teil wäre wohl am schmackhaftesten? Die Brust, der Oberschenkel, die Wade…

Sturm hörte langsam auf zu reden und fragte mit seltsamer Stimme: „Habe ich etwas falsches gesagt? Sonne, warum schaust du mich so seltsam an?“

Als ich das hörte, schüttelte ich den Kopf und senkte ihn danach einfach. Ich sah Sturm nicht noch einmal an, um ihn davon abzuhalten zu sagen, dass ich ihn schon wieder seltsam ansah. Indem ich meinen Kopf senkte, sah ich jedoch zwei Pferdeohren in die Luft ragen. Nachdem geschmorte Schweineohren äußerst köstlich sind, sollten Pferdeohren auch nicht schlecht schmecken, oder?

„S-Sonne…“, rief Sturm erneut, ein wenig zögerlich. Ich jedoch war zu beschäftigt damit, mir von den Pferdeohren den Mund wässrig machen zu lassen und hatte nicht einmal Zeit, ihm zu antworten. Er erhob aber die Stimme und rief: „Sonne! Schnell, schau, da ist ein Aufruhr!“

Ich hob den Kopf in die Höhe und sah zufälligerweise gerade, wie eine große, rote Tomate in die Luft geworfen wurde. Mit dem blauen Himmel und den weißen Wolken als Kontrast wirkte sie noch voller und rosiger… Eine äußerst köstliche Tomate!

Die Tomate machte einen perfekten Bogen in der Luft…

Flatsch!

Am Ende landete sie auf Urteilsritters Körper. Die Menge war plötzlich totenstill.

Gut, gut! Mit dem Verhältnis zwischen Urteil und mir, ist es einfach, eine Tomate von ihm zu bekommen! Ich schluckte meinen Speichel und rief: „Urteil…“ Gib mir die Tomate zum Essen!

Bevor ich meinen Satz vollenden konnte, hatte Urteil bereits seelenruhig die Tomate von seiner Kleidung gepflückt. Dann verwendete er seine außergewöhnlich guten Reitkünste um die Tomate zu zertrampeln.

Danach blickte er die Person, die die Tomate geworfen hatte, kalt an und sagte: „Nächstes Mal wird dies dein Schicksal sein!“

Als er die komplett zertrampelte Tomate am Boden sah, verließ denjenigen, der die Tomate auf Urteil geworfen hatte, sein gesamter Mut. Er verschwand entmutigt in der Menge und bald war nicht einmal mehr ein Schatten von ihm zu entdecken.

Tomate… Ich blickte auf Urteils Kleidung, welche mit den Spuren der Tomate beschmutzt war und dann auf die zertrampelte Tomate am Boden. Meine Tomate! Bastard! Warum musstest du sie auf Urteil werfen? Warum nicht auf mich? Ich bin so hungrig, dass ich bereits in die Ohren meines Pferdes beißen will, warum hast du die Tomate also nicht zu mir geworfen, damit ich sie essen kann?

Diese Tomate ist so wohlriechend! Da sie zertrampelt wurde, war ihr Geruch sogar noch stärker. Ah, ah! Ich will wirklich Tomaten essen. Ich habe tatsächlich vergessen, Adair zu sagen, dass er nach der Mahlzeit noch Früchte vorbereiten muss. Zuerst werde ich ein Heidelbeer-Sandwich essen, dabei Milch trinken und mir von Zeit zu Zeit ein paar Honigkekse zum Essen schnappen. Zuletzt werde ich rücksichtlos an einer Tomate knabbern. Einfach nur darüber nachzudenken, lässt mich denken, dass es das Seligste in der Welt sein muss.

„Sonnenritter, könntet Ihr bitte… Sonnenritter? Was denkt Ihr?“

Was ich denke? Ich lächelte ein wenig abwesend, während ich sagte: „So hungrig…“

„Ah?“

„Sonnenritter, wie lange brauchst du, um dir einen Namen zu überlegen? Bitte verschwende nicht meine Zeit, in Ordnung?“

Als ich Urteils tiefe und kühle Stimme hörte, wurde ich abrupt wieder ins hier und jetzt geholt, nur um zu sehen, dass mich ungefähr ein paar tausend Augen von allen Seiten anstarrten.

Das ist schlecht! Ich bin tatsächlich vor lauter Hunger in Trance geraten.

Nachdem mir die Situation nicht ganz klar war, konnte ich nur die mich umgebende Situation beobachten. Vor mir standen ein Mann und eine Frau. Aus ihren Bewegungen schloß ich, dass sie verheiratet waren. Außerdem befand sich ein neugeborenes Kind in den Armen der Mutter. Als ich daran zurückdachte, was Urteil über „einen Namen überlegen“ erwähnte, wusste ich sofort, was zu tun war!

Ich zeigte sofort ein äußerst strahlendes Lächeln und sagte: „Dann soll ihr Name Hungri[1] sein. Ich hoffe, dass dieses Mädchen so schön wie hundert Rosen und so elegant wie Grisia sein wird.“

Ich kann nicht falsch liegen! Sie wollen definitiv, dass ich diesem Kind einen Namen gebe. So etwas ist mir schon ziemlich oft passiert, so oft, dass ich, sobald ich ein Kind sehe, das weniger als eine Woche alt ist, ich das Bedürfnis habe, zu helfen, ihm einen Namen zu geben.

„Oh!“

Die Menge kam zu einer plötzlichen Erkenntnis und begann einer nach dem anderen zu jubeln: „Was für ein guter Name, Hungri, Hungri!“

Puh! Wie erwartet, lag ich nicht falsch. Es ist gut, dass meine Reaktion schnell war und ich zumindest eine demütigende Krise vermieden habe. Ich bewundere mich wirklich, dass ich sogar ein derartiges Comeback hinbekommen habe… Wenn ich jedoch darüber nachdenke, scheint dieses Pärchen nicht sehr zufrieden mit dem Namen zu sein. Der Gesichtsausdruck von beiden wirkt ein wenig seltsam.

Das ist ein wenig ungewöhnlich. Normalerweise ist es nur eine Geste des Glückes, mich zu bitten, einen Namen zu geben. Daher würden die Leute üblicherweise alles außer seltsamen Namen freudig akzeptieren. Und obwohl Hungri nicht sehr üblich ist, ist es nicht so, als würde der Name schlecht klingen, oder?

In diesem Moment lehnte sich Sturm auf dem Pferderücken zu mir. Mit einem unbehaglichen Gesicht flüsterte er mir ins Ohr: „Ihr Kind ist kein Mädchen, sondern ein Junge.“

„…“

 

Fußnoten

[1] Der Originalname ist 珍萼 (zhēn è), welcher aus zwei chinesischen Schriftzeichen besteht, die oft in Mädchennamen verwendet werden. Als Sonne dem Baby den Namen gibt, erwähnt er ausdrücklich 珍宝 (wörtl. Juwel oder wertvolle Gegenstände) 的珍, 花萼 (wörtl. Kelchblätter einer Blume) 的萼, daher drückt der Name den Wunsch aus, dass das Kind so schön wie eine wertvolle Blume sein soll. Jedoch wird „珍萼“ genauso ausgesprochen wie „真饿“, was „So hungrig“ bedeutet. Yu Wo entschied sich für den englischen Namen „Hungri“, daher wurde die Bedeutung des Namens in der Übersetzung zwecks Stimmigkeit ebenfalls angepasst (es wurde die Bedeutung im deutschen ein weiteres Mal angepasst).

 

 

Leave a Reply