Die Legende des Sonnenritters B2K3: „Kümmere dich um die Untoten der Stadt“

Die Legende des Sonnenritters Band 2: Die täglichen Pflichten eines Ritters

Chinesisches Original von: 御我 (Yu Wo)

Englische Übersetzung von: amgine


Tägliche Pflicht des Sonnenritters Nr. 3: „Kümmere dich um die Untoten der Stadt“ – deutsche Übersetzung von Ariana

Mit einem Fuß trat ich die Holztür von Rosas Haus auf, aber anstatt sie zu finden, sah ich eine andere Person… nein, eine andere Leiche im Inneren.

Roland hatte die charakteristischen, lodernden Augen eines Todesritters, aber er war kein gewöhnlicher Todesritter. Ein schwarzes Feuertattoo brannte auf seiner blässlichen Leiche. Ein paar Drachenflügel mit rasiermesserscharfen Klauen spross aus seinem Rücken und eine dicke Aura der Dunkelheit durchdrang die Luft um ihn herum.

Er ist eine Kreatur, von der im Handbuch der Untoten Kreaturen ausdrücklich gesagt wird, dass sie unter keinen Umständen erschaffen werden darf. Er kann eine ganze Legion Untoter heraufbeschwören und wird als stärkste unter den untoten Kreaturen betrachtet – ein Todesherr. Er… Er trug im Moment eine rosa Schürze, kniete am Boden und schrubbte ihn mit einem Putzfetzen.

„Roland, was machst du da?“ fragte ich ausdruckslos.

Roland hob seelenruhig den Kopf und antwortete mir mit vollem Ernst: „Ich säubere den Boden.“

Nach einem Moment der Stille knurrte mein Magen plötzlich. Ich explodierte abrupt in einem Wutanfall, stieß einen Tisch mit einer schnellen Bewegung um und brüllte: „Warum zur Hölle säuberst du den Boden?! Du bist der verdammte Todesherr, der Legionen an Untoten kommandiert! Du solltest draußen sein und alle von der Oststraße zur Weststraße massakrieren und dann zurück von Westen nach Osten. Du solltest herumrennen und pausenlos töten, bis das Blut einen Fluss bildet und Leichen überall auf den Feldern verteilt sind. Vergiss nicht, du bist ein Todesherr!“

Roland blickte den umgeworfenen Tisch an als ob ihn mein Geschwafel erschreckt hätte und sah dann mich an. Schließlich runzelte er die Stirn und sagte: „Grisia, du bist der Sonnenritter.“

Rosa seufzte und schüttelte den Kopf, als sie mit einem Lolli in der Hand herauskam. „In was für seltsamen Zeiten wir leben! Der Todesherr säubert brav den Boden, während der Sonnenritter töten will, bis das Blut einen Fluss bildet.“

Roland sagte mit unbewegter Miene: „Sag sowas nicht, Rosa. Grisia ist eigentlich ein sehr guter Sonnenritter…“

Sobald ich Rosa sah, stürmte ich in ihre Richtung. Ich schnappte mir ihren Lolli in einer fließenden Bewegung und schleckte an der Erdbeer-Süßigkeit als ob mein Leben davon abhinge. Ich sagte eindringlich: „So süß, so süß. Er ist köstlich!“

„Wääh!“ Rosa starrte eine Sekunde ausdruckslos, bevor sie in Tränen ausbrach und mit ihren Fäusten auf mich einschlug, während sie in dem Versuch den Lolli zu erwischen auf und ab hüpfte. Natürlich war für jemanden mit ihrer Statur auch hüpfen nutzlos, da sie trotzdem nicht in der Lage wäre, den Lolli in meiner Hand zu erreichen. Am Ende schluchzte sie: „Sonne, du großer Fiesling, gibt ihn mir zurück! Ich will meinen Lolli wiederhaben, wää!“

Roland machte eine kurze Pause, bevor er mich ernst zurechtwies: „Grisia, als ein Sonnenritter solltest du kleinen Mädchen nicht ihren Lolli wegnehmen. Das ist kein angemessenes Verhalten.“

Ich konterte, während ich am Lolli schleckte: „Ich sehe hier keine kleinen Mädchen, nur die Leiche von einem. Was für eine Leiche isst noch Lollis? Als Sonnenritter werde ich diesen Hohn, diese Verschwendung von Essen, definitiv nicht erlauben!“

Als er das hörte, runzelte Roland die Stirn, da er nicht in der Lage war, mir zu widersprechen.

Da sie begriff, dass Weinen nichts brachte, hörte Rosa sofort auf zu heulen. Sie bließ die Wangen auf und beschuldigte mich: „Du erlaubst es einer Totenbeschwörerin und einem Todesherrn vor deinen Augen unbeschadet zu bleiben, aber du erlaubst nicht die Verschwendung eines einzigen Lollis? Roland, sagtest du gerade, dass dieser Kerl, der sogar kleinen Mädchen Lollis stielt, eigentlich ein guter Sonnenritter ist?“

Roland schien Rosas Stimme nicht zu hören. Es sah so aus, als würde er immer noch überlegen, ob es richtig oder falsch war, einer Leiche einen Lolli wegzunehmen.

„Hmph!“ Rosa schwebte langsam in die Luft, während ihr Körper eine Aura der Dunkelheit freisetzte. Selbst ihr Haar flatterte chaotisch durch die Gegend. Mit kalter und unheilvoller Stimme sagte sie: „Sonne, ich warne dich, wenn du meinen Lolli immer noch nicht zurückgibst, werde ich dich in einen Zustand versetzen, in dem du nicht nur nicht in der Lage sein wirst, um dein Leben zu flehen, sondern auch unfähig, um den Tod zu betteln!“

Obwohl ich dabei zusah, wie die stärkste (und einzige) Totenbeschwörerin der Stadt die Fassung verlor, blieb ich so ruhig wie immer. Ich schleckte nochmal den Lolli ab, bevor ich träge antwortete: „Eis sagte, dass er nächstes Mal Shaved Ice mit Erdbeergeschmack machen wird. Soll ich dir welches mitbringen?“

„Jaaa!“ Rosa kehrte sofort auf den Boden zurück und umschlang meine Hüfte, während ihre großen, glänzenden Augen sogar einen bettelnden Ausdruck zeigten. Das einzige, was in dem Bild fehlte, war ein wedelnder Schwanz.

Ich schnaubte zweimal und fragte sehr überheblich: „Und was ist mit dem Lolli?“

Rosa antwortete unvergleichlich ernsthaft: „Er ist natürlich ein Geschenk für dich! Wir kennen einander nun schon so lange, dass das Ausmaß unserer Freundschaft größer ist, als das Ausmaß in dem ein Haufen hastig vergrabener Leichen verwest ist. Was ist der Wert eines Lollis im Vergleich dazu? Selbst, wenn du mich um eine frisch verstorbene Leiche bitten würdest, würde ich sie dir geben!“

Wer würde eine Leiche von dir haben wollen…? Ich esse den Lolli noch! Sprich nicht über derart Übelkeit erregende Sachen, okay? Die Diskussion rief meine Erinnerungen daran, „meine Schulden zurückzuzahlen“ hervor, als ich dutzende Gräber auf dem Friedhof ausheben musste und dabei Leichen in variablem Zustand der Verwesung begegnete… Ugh!

„Ihr zwei…“ meldete sich Roland plötzlich.

Ich erklärte ihm gutmütig: „Keine Sorge, Roland. Selbst während des schlimmsten Streits, den ich mit Rosa hatte, hat sie nicht mehr getan, als mich mit ihrer Magie aus dem Raum zu schleudern, mehrere dutzend Meter weit, und dabei eine ganze Häuserzeile zu zerlegen. Das ist nicht mal in der Nähe davon, mich in eine Lage zu versetzen, in der ich weder um mein Leben flehen, noch um den Tod betteln kann!“

Rosa murrte sofort zurück: „Wie kannst du es wagen, diesen Zwischenfall zu erwähnen – bist du nicht, sofort nachdem ich dich weggeschleudert habe, zurückgerannt und hast meine Hütte mithilfe von Heiligem Licht in Stücke gesprengt und die Putzleiche gleich mit zerstört? Es hat mich einige Mühe gekostet meine Hütte einfach nur in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen.“

Roland runzelte die Stirn und fragte: „Also werdet ihr beide euch jetzt nicht duellieren?“

„Warum sollten wir uns duellieren?“ Rosa und ich bekamen große Augen, als wir uns umdrehten um Roland anzusehen.

Roland antwortete tatsächlich mit einem unvergleichlich ernsthaften Gesicht: „Ihr zwei streitet euch um einen Lolli. Nachdem es nicht möglich ist, den rechtmäßigen Besitzer festzustellen, solltet ihr euch um den Besitz des Lollis duellieren.“

Das ist wohl ein Scherz! Der Sonnenritter und die Totenbeschwörerin duellieren sich um einen Erdbeer-Lolli? Was würde passieren, wenn sich Nachrichten darüber verbreiten würden?

Rosa und ich schüttelten sofort den Kopf und riefen: „Wir haben nur herumgeblödelt!“

Als er das hörte, schüttelte Roland den Kopf und sein Gesichtsausdruck sagte, dass er uns für nichts weiter als zwei unheilstiftende Kinder hielt. Er hörte auf, auf uns zwei zu achten und streckte stattdessen die Hand aus, um den Tisch, den ich umgeworfen hatte, wieder aufzurichten. Dann hob er den Putzfetzen auf und fuhr damit fort, den Boden zu schrubben.

Ich hatte wirklich keine Ahnung, was er sich dachte. Dass ein echter Todesherr tatsächlich den Boden säubert! Und noch dazu mit einem derart ernsten Gesichtsausdruck, als wäre den Boden zu säubern eine Aufgabe, die mit dem Töten eines Drachens verglichen werden könnte. Des Weiteren erwartete er, dass Rosa und ich uns um einen Lolli duellieren würden… Wie konnte Roland noch ernster werden, als er als Kind gewesen war?

Nachdem ich über dies nachgedacht hatte, dachte ich, dass ich das nächste Mal, wenn ich diese Hütte betrat, erwarten sollte zu sehen, wie der große Todesherr ein ernstes Gesicht macht, während er den Boden schrubbt, den Tisch säubert, Wäsche wäscht, und vielleicht sogar Kleidung mit einer Nähnadel flickt!

Gütiger Gott des Lichtes! Bevor ich eine derart unpassende Szene sehe, würde ich ihn lieber dabei sehen, wie er jemandem mit der Nähnadel die Lippen zusammennäht, oder etwas ähnlich grausliches.

Als ich darüber nachdachte, beschwerte ich mich sofort bei Rosa: „Was hast du dir dabei gedacht, Roland zu befehlen den Boden zu putzen? Er ist der Todesherr nicht irgendeine Putzleiche, die du heraufbeschworen hast.“

„Ich habe nichts derartiges getan! Ich habe nur nebenbei angemerkt, wie dreckig der Boden sei, und er hat sich selbst entschieden, ihn zu putzen!“ anwortete Rosa selbstgerecht.

Unter meinem misstrauischen Blick fügte sie dann etwas schuldbewusst hinzu: „Okay, vielleicht habe ich mich mehrmals wiederholt.“

Ich fuhr fort, sie mit wachsendem Misstrauen anzustarren.

„Okay, es waren vielleicht ein oder zweihundert Mal… Fein! Ich muss es mindestens fünfhundert Mal gesagt haben, okay? Jetzt hör schon auf mich anzustarren!“

Ich wusste es! Obwohl Roland definitiv nicht faul war, ist er die Art Person, die nichts tut, außer Schwertkunst zu trainieren. Ihn also dazu zu bringen, sein Schwert beiseite zu legen und etwas anderes zu tun, wäre vermutlich nur ein bisschen weniger schwierig, als mich dazu zu bringen, den Lolli, den ich gerade in der Hand habe, herzugeben.

Mit einem unzufriedenen Gesichtsausdruck hüpfte Rosa auf ihren Sessel mit Erdbeer-Muster, holte dann einen weiteren Lolli darunter hervor und schleckte ihn zweimal ab. Nun, da sie gesättigt war, kehrten ihre Gedanken zum Geschäftlichen zurück. Sie fragte selbstgefällig: „Sonne, als ich dir geholfen habe, letztes Mal die Illusion zu erschaffen, wie Roland zum Himmel aufstieg, habe ich fantastische Arbeit geleistet, nicht wahr?! Niemand sollte herausgefunden haben, dass Roland nicht wirklich in den Himmel geschickt wurde, oder?“

„Nein… Obwohl es Urteil bewusst sein könnte.“ Ich zögerte ein bisschen, bevor ich den letzten Teil hinzufügte.

Rosa schob sofort jegliche Verantwortung von sich: „Das ist nicht meine Schuld. Es liegt nur daran, dass er dich viel zu gut versteht.“

„Urteilsritter?“ Roland hörte auf, den Boden aufzuwischen und sagte mit ernsthaftem Gesicht: „Seine Schwertkunst ist wirklich atemberaubend. Wenn ich die Chance habe, würde ich wirklich gerne noch einmal gegen ihn antreten.“

„Provozier bloß nicht Urteil!“ sagten Rosa und ich sofort im Einklang.

Rosa warnte Roland düster: „Urteil ist ganz anders als Sonne. Er ist ein wahrer Hauptmann Urteil. Wenn er dich sähe, wie du nach Lust und Laune in der Stadt herumrennst, würde er dich definitiv nicht davonkommen lassen.“

Hey! Willst du damit sagen, dass ich ein Betrüger bin? Ich rollte die Augen.

Roland blickte hinunter und starrte eine Weile seine blässliche Hand an. Mit einem leichten Seufzer sagte er: „Verstanden. Ich werde nicht hinausgehen.“

Roland… Ich seufzte. Unter meinem Schutz wurde Roland zwar nicht von der Kirche ergriffen um gegrillt zu werden, aber dafür war er die ganze Zeit in dieser kleinen Hütte eingepfercht. Schlimmer noch, er musste mit einer Totenbeschwörerin zusammenleben, die sogar so weit gehen würde, fünfhundert Mal zu nörgeln, um ihn zu zwingen, den Boden zu säubern. Vielleicht wäre für Roland sogar zu Asche verbrannt zu werden ein besseres Schicksal als diese Situation.

„Rosa, lass Roland den Ring des Lebens vom letzten Mal tragen. Dann werde ich heiliges Licht verwenden, um seine Aura der Dunkelheit zu überdecken. Auf diese Art sollten wir nicht entdeckt werden, wenn ich ihn auf einen Spaziergang mitnehme.“

Als er das hörte, konnte selbst Roland nicht anders, als ein hoffnungsvolles Gesicht zu machen. Scheint so, als wäre er wirklich viel zu lange hier drinnen eingepfercht gewesen.

Rosas Augen leuchteten noch mehr. Sie rief lautstark aus: „Toll! Aber ich komme auch mitspielen!“

Was denkst du dir dabei, dich hierbei einzumischen? Ich rollte mit den Augen, aber Rosa schmollte mit einem Gesichtsausdruck, der sagte: „Wenn ihr mich nicht mitkommen lasst, dann denkt gar nicht daran, zu gehen.“

Ach! Warum fühle ich mich, als hätte ich gerade meine eigene Reisegruppe gegründet? Obendrein ist es auch noch eine „Reisegruppe für untote Kreaturen“… Möge der Gott des Lichtes mich segnen. Bitte lass mich nicht Urteilsritter über den Weg laufen, ansonsten könnte ich der erste Sonnenritter überhaupt werden, der Urteils diversen Verhörmethoden ausgesetzt wird.

„Sonne, du bist wirklich ziemlich dumm, oder?!“ Rosa sah vermutlich, dass ich ziemlich widerwillig war, daher erinnerte sie mich grob: „Kannst du dich nicht einfach als ‚Souveräner Drache‘ verkleiden? Solange du uns in der Verkleidung als Souveräner Drache herumführst, hätte es nichts mit dem ‚Sonnenritter‘ zu tun, selbst wenn wir entdeckt werden sollten!“

Oh, stimmt ja! Die Idee dämmerte mir plötzlich und ich rief alarmiert: „Also kann die Heilige Brigantine des Drachen auch für so etwas verwendet werden!“

„Was du nicht sagst! Wofür sonst hätte ich dir denn die Heilige Brigantine des Drachen gegeben?!“

„Hast du sie mir nicht ursprünglich gegeben, damit ich Baron Gerlands dritten Sohn fangen kann?“ Plötzlich hatte ich das Gefühl, dass sich die Sache zum schlechten wenden würde.

„Natürlich nicht! Eine einzelne Person zu fangen verlangt nicht nach so etwas ausgefallenem, wie einem Schatz, der seinen Meister erkennt.“

„Dann ist der wahre Grund, warum du sie mir damals gegeben hast…“

„Natürlich habe ich sie dir gegeben, damit wir zusammen fiese Sachen machen können!“ sagte Rosa nüchtern.

„…“

Um sich als gewöhnliche Person zu verkleiden, zog Roland Kampfkleidung und eine leichte Rüstung, die Rosa ihm gab, zusätzlich zum Ring des Lebens an. Die Kampfkleidung hatte ein einfaches Design, welches große Bewegungsfreiheit erlaubte, und sie hatte sogar ein Paar Flügel auf den Brustbereich aufgenäht. Ein magischer Kreis war auf den unteren Saum der Kleidung gezeichnet und ich konnte dumpf spüren, wie er Windelement sammelte, vermutlich mit dem Ziel, den Träger beweglicher zu machen. Die leichte Rüstung war sogar noch außergewöhnlicher. Das Design war einfach und effektiv und die reinweiße Panzerung war glatter als ein Spiegel und heller als Silber. Sie hatte sogar einen komplexen magischen Kreis auf der Oberfläche eingraviert.

Ich runzelte die Stirn und fragte misstrauisch: „Ich habe das Gefühl, dass ich dieses Flügelsymbol auf der Kampfkleidung schon irgendwo gesehen habe.“

Rosa nickte herzhaft: „Wow, wow! Sonne, deine Augen sind wirklich scharf! Im Zweiten Krieg der Dämonenvernichtung haben die Mitglieder der Tornadoritterschwadron auf der Seite der Menschen genau diese Kampfkleidung getragen.“

Ich schlug die Hände zusammen und rief aus: „Kein Wunder! Ich habe diese Kleidung schon mal auf einem Wandgemälde der Kirche gesehen und… und diese Rüstung schaut auch ziemlich vertraut aus!“

„Natürlich. Das ist tatsächlich die Rüstung, die vom Hauptmann genau jener Tornadoritterschwadron getragen wurde.“

„Es muss eine sehr anständige Rüstung gewesen sein!“

Rosa gab stolz an: „Als ob du mir das sagen müsstest! Wie könnte ich, Rosa, irgendeinen gewöhnlichen Gegenstand besitzen… Ahhhh!“

In einer flüssigen Bewegung zwickte ich Rosa in die Wangen und zog kräftig an, während ich mit zusammengebissenen Zähnen sagte: „Wie lange bist du schon tot, Leiche? Ist nicht nur dein Körper verwest, sondern ist sogar dein Gehirn komplett verfault? Was denkst du dir dabei, Roland diese erstklassigen Klamotten zum tragen zu geben? Wir gehen bloß auf einen Spaziergang, nicht Dämonen vernichten, ist dir das klar?!“

„Buuhuuhuu! Aber das ist die einzige Art Ausrüstung, die ich habe!“ heulte Rosa, während sie ihre Wangen in den Händen hielt.

„Dann trage ich einfach meine eigene Kleidung.“ Roland begann die Rüstung ohne zu zögern auszuziehen.

Ich seufzte: „Das wird nicht gehen. Deine eigenen Kleider sind alle zerfleddert und schäbig. Wenn du sie draußen tragen würdest, würdest du auf jeden Fall eine Menge Aufmerksamkeit auf dich ziehen.“

Roland erklärte ernsthaft: „Das wird nicht passieren. Ich habe sie bereits mit einer Nähnadel geflickt.“

„…“

Ich drehte mich zu Rosa und sagte: „Rosa, das nächste Mal, wenn ich dein Haus besuche, werde ich sicherlich anklopfen. Falls Roland gerade seine Kleidung flicken, oder etwas noch ungeheuerlicheres tun sollte, dann öffne auf keinen Fall die Tür.“

Nachdem er seine eigene Kleidung angezogen hatte, sah Roland viel normaler aus. Obwohl die Kleider ein klein wenig schäbig waren, gab es viele heruntergekommene und schmuddelige Soldaten auf den Straßen, daher war das nicht wirklich ungewöhnlich. Im Vergleich dazu war meine Heilige Brigantine des Drachen viel auffälliger.

Rosa wandte irgendeine unbekannte Methode an, um ihre knallrosa Hautfarbe wieder zu der einer normalen Person zu verwandeln und zog dann ein pechschwarzes Magierinnen Kleid an. In dieser Aufmachung sah sie tatsächlich wie ein normales kleines Mädchen aus.

Verdammt! Ich bin eindeutig der normalste von uns dreien, aber meine momentane Erscheinung ist die abnormalste.

„Wie kann ein Sonnenritter wie du noch als normal bezeichnet werden?“ murmelte Rosa.

Ich schenkte Rosa einen unglaublich herablassenden Blick und kehrte dann dazu zurück, das aktuelle Thema zu besprechen. „Obwohl wir nur spazieren gehen, können wir nicht vorausagen, was passieren wird, also lasst uns zuerst ein Alibi ausmachen. Wir werden so tun, als wären wir drei Geschwister, die ihre Familie verlassen haben, um Abenteuer zu bestreiten.“

Roland würde der älteste Bruder, welcher ein Krieger ist, sein. Obwohl wir sagen könnten, dass er ein Ritter ist, besteht die Chance, dass jemand fragt, wo denn sein Pferd ist, wenn er ein Ritter sei. Und er kann eindeutig nicht einfach sein untotes Pferd heraufbeschwören, um es anderen zu zeigen, nicht war? Also wäre es erheblich leichter, einfach so zu tun, als wäre er ein Krieger.

Ich würde der jüngere Bruder sein. Schon beim Anblick meines hautengen Trikots und meiner Gesichtsmaske, ist es klar, dass die Leute mich als Assassinen erkennen würden.

Rosa ist natürlich die jüngste Schwester, deren Beruf Magierin in Ausbildung ist.

Natürlich könnte nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein als das. Alleine beim Anblick der Klamotten aus dem Zweiten Krieg der Dämonenvernichtung, kann man erkennen, dass Rosa so antik ist, dass niemand weiß, aus welcher Ära sie stammt. Und obwohl Roland und ich gleich alt sind, bin ich mehr als ein Monat älter als er. Außerdem ist er kein bisschen gealtert, seit er gestorben ist.

Aus genau diesem Grund hatte ich bereits protestiert: „Ich bin älter als Roland, warum muss ich also der jüngere Bruder sein?“

„Weil du kleiner bist als er.“

„Nur um ein paar Zentimeter. Außerdem sind ältere Brüder nicht zwingend größer als ihre jüngeren Geschwister. Dass ist pure Diskriminierung!“

„Weil du nicht so stark bist wie er.“

„Sagt wer? Ich habe die Heilige Brigantine des Drachen, super starke Regenerationsfähigkeiten und die Fähigkeit, Magie und Totenbeschwörung zu verwenden. Wenn man alles zusammen nimmt, sollte ich mindestens so stark sein wie er! Äh… Sollte ich, oder?“

„Weil du nicht so verlässlich aussiehst wie er.“

„Welcher Teil von mir sieht unverlässlich aus? Mein Lächeln hat mal den jährlichen Preis für den Beruhigendsten Gesichtsausdruck gewonnen… Was? Wie eine Person mit schwarzem Haar mit silbernen Strähnen, die eine Maske und ein hautenges, schwarzes Trikot trägt, aussieht? Warum fragst du überhaupt, das ist offensichtlich! Natürlich würde eine derartige Person zwielichtig wirken!“

Am Ende schlug mein Protest fehl und ich konnte nur brav meine Rolle als jüngerer Bruder akzeptieren.

Nachdem wir uns ein Alibi ausgemacht hatten, wanderten wir drei lässig hinaus auf die Straßen. Sobald wir die Hütte verlassen hatten, wurde Rolands Gesichtsausdruck sofort angespannt. Als wir uns anschickten, eine etwas belebtere Straße zu betreten, zögerte er einen Moment, bevor er sich ein Herz zu fassen schien und einen Fuß in die Menge setzte. Er blickte auf jedem Schritt des Weges nervös nach links und rechts, wobei er sehr besorgt wirkte.

„Jemand hat mich bemerkt. Ich kann fühlen, wie ihre Augen mich anstarren.“ Roland zunzelte die Stirn und sagte ängstlich: „Vielleicht wurden wir bereits entdeckt. Lasst uns einfach schnell zur Hütte zurückkehren.“

Hat wirklich jemand Roland bemerkt? Ich runzelte die Stirn, suchte auf allen vier Seiten und spürte sofort die Präsenz von Beobachtern. Sie inkludierten eine junge Hausfrau, die hinter einem Fenster hervorspähte, eine Gruppe junger Damen, die in einer Straßenecke plauderten und eine Tänzerin, die offen an uns vorbei ging und uns sogar mehrmals kokett anzwinkerte.

„Keine Sorge. Es handelt sich bloß um ein paar Frauen, die einen heißen Typen begaffen.“ Nachdem ich es Roland erklärt hatte, fügte ich säuerlich hinzu: „Obwohl ich noch mehr davon anziehen könnte, wenn ich keine Maske tragen würde!“

„Sei nicht traurig Son – …Souveräner Drache! Es gibt auch durchaus einige Leute, die dich bemerkt haben.“ Rosa klopfte mir auf die Schulter. „Siehst du? Links gibt es durchaus einige heilige Ritter, die auf dich zeigen und rechts sind ein paar Ritter, deren Augen auf dich fixiert sind und um die Ecke steht eine Handvoll Priester, die immer wieder zu dir herüberschauen.“

Ich hatte ursprünglich hoffnungsvoll von Rosa aus gesehen nach Norden geblickt, aber nicht nur, dass ich keine jungen Damen beim plaudern sah, da war stattdessen eine Gruppe Männer, die mich mit argwöhnischen Blicken taxierten… Ich brüllte Rosa aufgebracht mit leiser Stimme an: „Das liegt daran, dass mein Aufzug zu verdächtig aussieht!“

Rosa sagt mit plötzlicher Erkenntnis: „Ach, so ist das. Und da habe ich mich schon gefragt, warum du nur von Männern bemerkt wurdest. Und ich habe schon gedacht, dass Roland für Frauen verführerisch ist, während du ausschließlich Männer anziehst.“

Wie abstoßend! Wer zieht ausschließlich Männer an!

Ich antwortete in drohendem Tonfall: „Würdest du mir glauben, wenn ich dir sagte, dass ich weiß, wo du all deine Erdbeer-Lollis versteckst?“

Rosa versuchte nicht verletzlich zu klingen und antwortete: „Würdest du mir glauben, wenn ich dir sagte, dass ich dein Haar permanent schwarz mit silbernen Strähnen färben kann?“

Ich bedeckte sofort mein Haar mit meinen Händen, während ich zurückgab: „Los, versuch es. Aber Vorsicht, sonst wirst du vielleicht nie das Erdbeer-Dessert, das Eis herstellt kosten.“

„Wie schamlos! Du hinterhältiger kleiner Mann!“ Rosa stampfte mit den Füßen und zog wütend einen kleinen Zauberstab hervor, den sie auf mich richtete.

Wie abscheulich! Man kann einen Kampf verlieren, aber nicht seine Würde! Wenn man wie ein Feigling zurückweichte, wird man nie wieder in der Lage sein, jemand anderem in die Augen zu sehen! Ich gab sofort 200 cc Blut im Austausch für einen Dolch, welchen ich ebenfalls auf Rosa richtete… Nicht, dass ich das zugeben möchte, aber diese Situation mit Rosas winzigem Zauberstab und meinem winzigen Dolch war nicht im geringsten imponierend. Ich hörte sogar etwas unterdrücktes Gelächter im Hintergrund.

Darüber hinaus ist die öffentliche Ordnung in Blattknospenstadt sehr streng. Ganz zu schweigen davon, auf den Straßen zu kämpfen, die Ritter würden jeden aufhalten, sobald er eine Waffe zieht. Aber jetzt gerade wirkten die heiligen Ritter und Ritter um uns herum so, als hätten sie nicht die leiseste Absicht, uns zurückzuhalten…  Sie unterschätzen uns viel zu sehr! Nur weil es ein bisschen kurz ist, zählt es nicht mehr als Waffe?

In diesem Moment begann Roland, der auf der Seite stand, plötzlich ein paar Schritte zurückzuweichen. Rosa und ich drehten uns gleichzeitig um, um ihn anzusehen und fragten im Einklang: „Roland, warum weichst du zurück?“

Roland antwortete sachlich: „Auf diese Art werde ich euer Duell nicht stören.“

„Was? Wer fängt ein Duell an?“ fragte ich, verwirrt.

„Du und Rosa“, erklärte Roland ernsthaft. „Ihr zwei habt euch bereits in eure Duell-Haltung begeben. Das ist großartig, lasst einfach die Schwerter in euren Händen entscheiden, wer Recht hat und wer falsch liegt und nicht Streit und Diskussion. Das ist der wahre Weg des Ritters.“

Ich starrte auf den Dolch in meinen Händen und dann auf den Zauberstab, den Rosa hielt. Wie ist er zwischen uns beiden auf die Worte „Schwerter in euren Händen“ gekommen?

Rosa starrte ihr eigenes Magierinnenkleid und dann mein Assassinengewand an und sagte peinlich berührt: „Sind Souveräner Drache und ich nicht weit davon entfernt, den Weg des Ritters zu gehen?“

Zu diesem Zeitpunkt verwandelte sich das leise Gekicher der Passanten in lautes Gelächter. Die heiligen Ritter, die ursprünglich mit dem Finger auf mich gezeigt hatten, hielten sich nun die Bäuche vor Lachen.

Als ich die aktuelle Situation sah, fühlte ich mich plötzlich so, als hätte ich unglaubliches Glück gehabt. Es ist gut, dass sie nicht realisieren, dass ich der Sonnenritter bin.

Mehrere Ritter kamen lachend herüber. „Es tut uns leid, euer Duell auf dem Weg des Ritters zu unterbrechen“, sagten sie immer noch lachend, „aber einen Aufruhr zu veranstalten und auf der Straße zu kämpfen ist nicht gestattet.“

„Das ist kein Kampf, sondern ein Duell.“ Sagte Roland ernst. Die Ritter begannen erneut zu kichern, was sich in ausgewachsenes Gelächter verwandelte, was die Umstehenden dazu veranlasste, noch lauter zu lachen.

„In den dreiundzwanzig Jahren meines Lebens habe ich mich niemals mehr gedemütigt gefühlt“, sagte ich leise, während ich beinahe die Tränen zurückhielt.

Rosa hatte ebenfalls den Kopf gesenkt und sagte: „Ja, ich habe mich niemals mehr gedemütigt gefühlt in den zweitausenddrei – Ähem! In den ‚vielen‘ Jahren meines Lebens.“

Zu diesem Zeitpunkt unterbrach ein leises Knurren das allgemeine Gelächter. „Was ist das für ein Tumult hier?“

Ich drehte den Kopf und sah eine ganze Schwadron heiliger Ritter. Außerdem war der Brustbereich ihrer Kleidung als heilige Ritter mit dem Emblem des Sonnenritters geschmückt… Das ist mein eigener Sonnenritterzug! Darüber hinaus waren alle fünfundzwanzig Mitglieder anwesend, inklusive meines Vize-Hauptmannes Adair.

In Anbetracht der Tatsache, dass ich sie alle in voller Ausrüstung und derart ordentlich aufgereiht sah, wirkte es nicht so, als ob sie hier wären um durch die Straßen zu streifen oder um jemanden zusammenzuschlagen… Könnte es sein, dass diesen Monat der Sonnenritterzug an der Reihe ist, die Straßen zu patrouillieren?

Das ist sehr schlecht! Mein Sonnenritterzug ist darauf spezialisiert, Untote zu eliminieren. Sie sind bereits Experten darin, Auren der Dunkelheit wahrzunehmen. Darüber hinaus waren sie Roland bereits im königlichen Palast begegnet. Obwohl Roland im Moment wie ein lebender Mensch aussieht, was sich komplett von seiner Erscheinung als der Todesritter unterscheidet, gibt es keine Garantie, dass sie ihn nicht erkennen würden.

Ich konnte nicht anders, als das Heilige Licht, das Roland umgab, zu überprüfen um sicherzustellen, dass es ihn immer noch eng umhüllte und dass kein Schimmer der Aura der Dunkelheit durchgesickert war.

Zu diesem Zeitpunkt eilte der heilige Ritter, welcher zuvor in einer Ecke gestanden war und sich den Bauch vor Lachen gehalten hatte, herüber und berichtete die Situation respektvoll und höflich dem Sonnenritterzug. Als sie den Bericht hörten, entspannten die Mitglieder des Sonnenritterzuges ihre Gesichtsausdrücke. Ich ließ auch einen Seufzer der Erleichterung aus, da es so schien, als hätten wir es geschafft, sie erfolgreich hinters Licht zu führen. Doch dann schritt mein Vize-Hauptmann Adair aus dem Zentrum der Schwadron bis zu Roland.

Er taxierte Roland, bevor er auf scheinbar zwanglose Art fragte: „Sind Sie ein heiliger Ritter?“

„Nein, ich bin ein Ritter“, antwortete Roland unverblümt.

Hey, hey! Roland, haben wir uns nicht gerade unsere Alibis ausgemacht? Du solltest ein Krieger sein!

„Ist das so?“ Adair kicherte kalt und sagte dann scharf: „Warum ist Ihr Körper dann von heiligem Licht umgeben?“ Sobald Adairs Worte seinen Mund verlassen hatten, formten die verbleibenden vierundzwanzig Mitglieder des Sonnenritterzuges sofort einen Kreis, wobei sie uns drei komplett umzingelten.

Wie lästig! Hätte ich gewusst, dass das passieren würde, hätte ich Adair niemals gebeten, die Schwadron herumzuführen um Leute zusammenzuschlagen. Wenn man sich ihre erstaunliche Effizienz dabei, uns zu umzingeln, ansah, konnte selbst ich überhaupt nicht reagieren, bevor wir komplett von der Schwadron eingekesselt waren.

Ist heute der Tag, an dem ich das Unheil ernte, das ich gesät habe, und von meinem eigenen Sonnenritterzug zusammengeschlagen werde?

Adair zog langsam seine Waffe, während er den anderen erklärte: „Wenn Sie das Heilige Licht nicht selbst ausstrahlen, dann kann das nur eine Sache bedeuten. Das Heilige Licht, dass Ihren Körper umgibt, hat einen anderen Zweck, wie zum Beispiel eine Aura der Dunkelheit zu überdecken.“

Mir fällt erst jetzt auf, dass einen zu cleveren Vize-Hauptmann zu haben, nicht unbedingt gut ist. Es ist unwahrscheinlich, dass das gut ausgeht.

„Und wenn es ist, um eine Aura der Dunkelheit zu überdecken?“ platzte Rosa plötzlich heraus. „Ist das Überdecken einer Aura der Dunkelheit gegen das Gesetz?“

Adair, als der nette Kerl, der er nun mal war, antwortete ihr tatsächlich: „Eine Aura der Dunkelheit zu überdecken ist nicht illegal“, sagte er, „aber jene, die eine Aura der Dunkelheit besitzen, sind, in den meisten Fällen, bösartige Individuen, wie untote Kreaturen.“

„Was ist dann mit jenen, die an den Schattengott glauben?“ Rosa hob das Kinn und gab provokativ zurück: „Wollen Sie sagen, dass die Dunklen Ritter des Schattengottes ebenfalls bösartige Individuen sind?“

Dunkle Ritter?

Hah! Was für ein cleverer Schachzug! Ich hatte tatsächlich vergessen, dass die einzige Art Ritter, die eine Aura der Dunkelheit am Körper tragen, Dunkle Ritter, die dem Schattengott dienen, sind.

Als er das hörte, erstarrte sogar Adair. Man kann ihm dafür auch nicht die Schuld geben, da sich die Kathedrale des Schattengottes ziemlich weit weg von hier befand. Obwohl ich von der Existenz der Dunklen Ritter wusste, hatte ich noch nie zuvor einen gesehen.

Adair runzelte die Stirn, bevor er zweifelnd fragte: „Sie sind ein Dunkler Ritter? Warum überdecken Sie dann die Aura der Dunkelheit auf Ihrem Körper?“

Roland runzelte die Stirn, unfähig zu antworten. Ich vermute, dass er, der nur weiß, wie man die Schwertkunst übt, nicht einmal eine Ahnung hat, was ein Dunkler Ritter ist.

Zu diesem Zeitpunkt antwortete Rosa höhnisch: „Weil es eine Menge Idioten gibt, die dem Eindruck unterliegen, dass eine Aura der Dunkelheit nur zu untoten Kreaturen gehören könne.“

Sobald die Worte ihren Mund verlassen hatten, bekamen alle heiligen Ritter um uns herum wütende Gesichtsausdrücke. Nur Adair machte es nichts aus, obwohl er derjenige war, an den die Beleidigung gerichtet war. Er runzelte die Stirn, tief in Gedanken versunken und forderte Roland dann auf: „Bitte entfernen Sie das Heilige Licht um Ihren Körper.“

Als ich das hörte, dachte ich eine Sekunde nach. Nachdem wir uns nicht weigern können, es zu entfernen, können wir nur ein Risiko eingehen und hoffen, dass Rosas Ring des Lebens ausreichen wird um es zu vertuschen und uns damit davonkommen lässt.

Nachdem ich das Heilige Licht, ohne noch einmal darüber nachzudenken, entfernt hatte, wirkte es für die Zuseher, als hätte sich Roland überhaupt nicht verändert. Aber in den Augen des Sonnenritterzuges, strahlte er eine sanfte Aura der Dunkelheit aus und ihre Gesichter wurden grimmig.

Adair runzelte die Stirn und wirkte einige Zeit so, als wäre er tief in Gedanken versunken, bevor er uns plötzlich sehr durchdringend anstarrte. Ich wurde in Gedanken panisch, als ich seiner Sichtlinie folgte um zu sehen dass… An Rolands Hüfte genau jenes Schwert hing, mit dem er mich geschnitten hatte!

Adair hob dann langsam den Kopf und starrte Roland direkt ins Gesicht. Wenn er danach immer noch nicht erkennen könnte, dass vor ihm der Todesherr von zuvor stand, dann sollte ich vielleicht an meiner Fähigkeit, meinen Vize-Hauptmann auszuwählen, zweifeln.

Da ich aber überzeugt bin, dass ich einen sehr guten Geschmack bei Menschen habe, dachte ich bereits darüber nach, wie wir entkommen könnten. Vielleicht wäre es eine gute Möglichkeit, meinen Vize-Hauptmann als Geisel zu nehmen? Allerdings ist Adairs Schwertkunst nicht einfach zu besiegen. Wenn der Entführungsversuch fehlschlüge und wir stattdessen von ihm besiegt werden, hätte ich dann tatsächlich noch das Rückgrat um Hauptmann zu bleiben?

„Ihr könnt gehen.“

Okay! Ich lasse Roland einfach Adair ergreifen…hä? Ich war verdutzt. Was hatte Adair gerade gesagt?

In diesem Moment fragten die anderen Mitglieder des Sonnenritterzuges besorgt: „Adair, ist das in Ordnung? Sollten wir den Hauptmann holen gehen, um es zu bestätigen?“

Adair schüttelte den Kopf und sagte: „Das ist nicht nötig. Lasst uns gehen. Je schneller wir unsere Patrouille beenden, desto schneller können wir die Aufgabe erfüllen, die unser Hauptmann uns aufgetragen hat.“ Was für eine Aufgabe? Ich blinzelte. Habe ich wirklich einen derartigen Auftrag gegeben?

Adair zeigte zweifellos sein Einfluss als der Vize-Hauptmann, der sich immer um meinen Sonnenritterzug kümmerte. Nachdem er gesagt hatte, dass es nicht nötig war, kam kein einziger Widerspruch von den Mitgliedern des Sonnenritterzuges. Sie wechselten unverzüglich von ihrer Umzingelungsformation zu ihrer Partouillenformation und gingen dann geordnet weg, Adair folgend.

Wenn ich es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, hätte ich nicht geglaubt, dass mein Sonnenritterzug in der Lage war, eine derart saubere und ordentliche Formation zu bilden. Adair muss wirklich ziemlich unglaublich sein. Scheint so, als hätte ich wirklich einen guten Geschmack, was Menschen angeht! Aber um was genau sind sie sich kümmern gegangen? Ich kann mich nicht daran erinnern, Adair einen Auftrag gegeben zu haben. Außerdem muss er Roland definitiv erkannt haben. Wie kann er als der Vize-Hauptmann des Sonnenritterzuges, welcher darauf spezialisiert ist, sich um untote Kreaturen zu kümmern, einfach so einen Todesherrn nach Lust und Laune in der Stadt herumrennen lassen? Könnte es sein, dass ich meinen Vize-Hauptmann in Wahrheit überhaupt nicht verstehe?

„Sonne, sollen wir ihnen folgen?“ fragte Rosa mit leiser Stimme und einem äußerst interessierten Gesichtsausdruck. Ich dachte einen Moment nach. Roland mitzunehmen, während wir heimlich dem Sonnenritterzug folgten, schien ein unmögliches Unterfangen zu sein. Es spielt keine Rolle, ob es sich um eine sanfte Aura der Dunkelheit handelt, oder ob sie von Heiligem Licht überdeckt ist, wir können in keinem Fall unsere Anwesenheit vor ihnen verbergen.

„Nein. Wir sind heute hier um Roland auf einem Spaziergang zu begleiten, also lass uns stattdessen sehen, wo er gerne hingehen würde.“

Als sie das hörte, stöhnte Rosa enttäuscht auf, aber nicht viel später hielt sie Rolands Hand und sah sich überall um. Es wirkte so, als würde er von Rosa durch die Gegend gezerrt werden und er bat fast nie aktiv darum, zu einem bestimmten Ort zu gehen. Daher fragte ich: „Roland, gibt es einen Ort, wo du gerne hingehen würdest?“

„Süßigkeitengeschäft! Stofftiergeschäft! Hinrichtungsgelände!“

Ich ignorierte das laute kleine Mädchen komplett und sagte sehr ernst zu Roland: „Wo du auch hinwillst, ich werde dich hinbringen… Außer zur Kirche des Gottes des Lichtes.“

Selbst wenn es sich um den königlichen Palast handelt, habe ich meine Möglichkeiten, Roland eine ganztägige Tour zu verschaffen. Der einzige Ort, zu dem ich ihn nicht bringen kann, ist die Kirche des Gottes des Lichtes. Immerhin ist diese das Hauptquartier der Streitkräfte, die gnadenlos gegen untote Kreaturen vorgehen. Selbst wenn ein Todesherr hineinstürmen würde, würde ihn drinnen nur ein Tod durch Ertrinken in Heiligem Licht erwarten.

Als er das hörte, zeigte Roland tatsächlich einen leicht enttäuschten Gesichtsausdruck. Ist es möglich, dass er wirklich hoffte in der Kirche des Gottes des Lichtes herumzustreifen? Oh mein Gott des Lichtes! Abgesehen von der Tatsache, dass Blattknospenstadt über eine Totenbeschwörerin verfügt, der es nicht bewusst ist, dass sie eine Totenbeschwörerin ist, gibt es jetzt auch noch einen Todesherrn, der nicht zu realisieren scheint, dass er ein Todesherr ist! Sag nicht, dass all die untoten Kreaturen heutzutage vergessen haben, dass sie diese Welt bereits verlassen haben und sich daher von allem, das die Worte „Heilig“ und „Licht“ enthält, weit fernhalten sollten?

Roland überlegte ein bisschen und schüttelte dann den Kopf. Ich seufzte und sagte: „Dann nehme ich dich mit, um dir ein paar Kleider machen zu lassen. Wir sollten dir auch ein anderes Schwert kaufen, da du dein Aktuelles nicht einmal ziehen kannst.“ Sobald es gezogen wäre, würde die Aura der Dunkelheit sicherlich zum Himmel schießen und dann könnten wir mit einem Haufen heiliger Ritter Katz und Maus spielen.

Roland nickte, aber Rosa begann zwischen uns auf und ab zu hüpfen und lautstark zu protestieren: „Süßigkeitengeschäft!“

„Du willst immer noch zum Süßigkeitengeschäft gehen?“ verspottete ich sie. „In deinem Haus befinden sich mehr Lollis als Leichen auf dem Hinrichtungsgelände. Bist du dir überhaupt sicher, dass du eine Totenbeschwörerin bist?“

Rosa rollte mit den Augen und sagte missmutig: „Es ist lachhaft, dass deine magischen Fähigkeiten mindestens zehnmal so groß sind wie jene mit dem Schwert, dein Heiliges Licht mehrere hundert Mal stärker ist als deine Kampfaura und deine Fähigkeiten als Totenbeschwörer um mindestens zehntausendmal stärker sind als deine Fähigkeiten als Reiter. Im Endeffekt bist du derjenige, der nicht realisiert, dass er ein heiliger Ritter ist!“

Mir fehlten die Worte. In meinen dreizehn Jahren als heiliger Ritter hatte ich mindestens dreizehnmal bezweifelt, ob ich wirklich zum heiligen Ritter geeignet war. (Jedes Jahr nachdem ich meine Schwertkunst getestet und meine Ergebnisse gesehen hatte, konnte ich nicht anders, als einen Moment zu zweifeln.)

Am Anfang tröstete mich mein Lehrer, indem er sagte: „Die schlimmsten Jobaussichten hättest du als Ritter. Die zweitschlimmsten als heiliger Ritter. Also hör auf, dich zu bemitleiden. Immerhin hast du nicht die erste Option gewählt.“

Nachdem er damit fertig war, mich zu trösten, würde mein Lehrer dann fortfahren, sich mit seltener Zufriedenheit selbst zu trösten, indem er sagte: „Es ist gut, dass ich dein Lehrer als heiliger Ritter und nicht als Ritter bin. Wenn ich dich zu einem Ritter ausbilden müsste, wäre es praktischer, dich einfach mit einem Schlag zu töten um dir zu erlauben, wiedergeboren zu werden und einen anderen Berufsweg auszuwählen.“

„Und noch etwas: als der Sonnenritter, der höchstrangige heilige Ritter, wurdest du tatsächlich von einer untoten Kreatur ausgeschimpft, bis du sprachlos warst. Hmph! Ich frage mich, ob dir überhaupt klar ist, dass du der Sonnenritter bist!“ schalt mich Rosa mit äußerst sarkastischem Tonfall.

„Wenn du nicht sofort den Mund hältst, werde ich dich nicht zum Süßigkeitengeschäft bringen“, drohte ich mit unheilverkündenden Tonfall. Rosa versiegelte ihre Lippen und strahlte vor Freude.

„Es ist Zeit zu gehen, Zeit zu gehen. Mit so vielen Plätzen zu besuchen, sollten wir uns besser beeilen.“ Nachdem ich sie zur Eile getrieben hatte, ging ich nach vorne um den zweien den Weg zu weisen. Aber in diesem Moment schoss mir ein Gedanke durch den Kopf.

Vielleicht ist mit einer Totenbeschwörerin und einem Todesherrn im Schlepptau durch die Straßen zu streifen die unpassendste Aktion, die ich als Sonnenritter jemals durchgeführt habe?

[Legende des Sonnenritters Band 2 Kapitel 3 Ende]

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