1/2 Prinz B2K4: Schicksal

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½ Prinz Band 2: Fantasie und Realität

Chinesisches Original von: 御我 (Yu Wo)

Englische Übersetzung von: Spence


Kapitel 4: Schicksal

„Hört zu, Leute!” Wolf-dàgē’s Tonfall war ernst, als er vor Beginn unserer ersten Finalrunde eine Rede an uns hielt. „Wir werden härter als jemals zuvor arbeiten müssen, nun da wir es in die Finalrunden geschafft haben. Die Gegner, denen wir gegenüberstehen werden, werden zweifellos würdige Gegenspieler sein. Wir dürfen sie nicht auf die leichte Schulter nehmen.” Wir alle nickten ernsthaft.

„Lolidragon, weißt du, gegen wen wir als nächstes kämpfen werden?” fragte ich. Lolidragon nickte und ich nahm einen weiteren Bissen Brot, bevor ich sie über Details zu unseren Gegnern auspresste.

Lolidragon runzelte die Stirn und sagte: „Sie werden ‘Ascendant Dragons’ genannt. Ich habe keine besonderen Gerüchte über sie gehört, aber ihre Kampfkraft scheint ziemlich durchschnittlich zu sein. Sie haben es nur geschafft, in die Finalrunden zu kommen, weil sie bisher auf keine starken Gegner getroffen sind, also sollten sie ziemlich einfach zu handhaben sein.”

Ich stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. „Das ist großartig. Sieht so aus, als wäre unser erster Kampf ein Kinderspiel.”

Wie üblich sah ich aus wie der Inbegriff der Coolness, als ich die Arena betrat, aber… Obwohl es normal war, während des ersten Kampfes der Finalrunden nervös zu sein, fühlten sich meine Beine wie Wackelpudding an. Meine Augen waren teilnahmslos, mein Kopf war vollkommen leer, und meine Lippen formten eine dünne Linie, als ich das gegnerische Team blöde anstarrte.

In der Mitte dieses Teams war ein sehr auffälliges Pärchen mit einer extrem anwidernden und ekelerregenden öffentlichen Zurschaustellung von Zuneigung beschäftigt… aber das war nicht der Grund für meinen plötzlichen Fassungsverlust. Der Grund für meinen Schock war, dass …

Das meine Eltern waren – dieselben Eltern, die meinen Bruder und mich mehrere Monate am Stück auf uns alleine gestellt zurückgelassen hatten, während sie zu ihren x-ten Flitterwochen aufbrachen!

Mein Gott, Papa und Mama! Ihr seid in die Flitterwochen gefahren – wie seid ihr in Second Life gelandet?! Wie soll ich denn kämpfen? Wenn ich meine Eltern verprügele, werde ich dann als respektlose Tochter angesehen werden? Und noch schlimmer, falls ich auffliege, WIRD MEIN TASCHENGELD GESCHICHTE SEIN.

„Prince, was ist los? Stimmt etwas nicht?” fragte Lolidragon mich, wobei sie etwas besorgt wirkte.

„Äh… es ist alles in Ordnung!” antwortete ich und zwang mich, mich zu beruhigen. Das wird nicht passieren! Selbst mein eigener Zwillingsbruder – der von morgens bis abends an mir klebt – erkennt nicht, dass ich seine Schwester, die liebliche Feng Lan, bin. Wenn das der Fall ist, ist es ausgeschlossen, dass meine Eltern – die zweihundert Tage im Jahr in die Flitterwochen fahren – mich erkennen würden! Mein Taschengeld wird nicht gekürzt werden, weil ich meine Eltern verprügelt habe…

„Schatz, kommt dir dieser heiße Typ da drüben nicht auch ein bisschen bekannt vor?” merkte die Magierin der Ascendant Dragons, die hoffnungslos verliebte Ehefrau, an. Je mehr sie ihn ansah, desto mehr hatte sie das Gefühl, Prince schon einmal gesehen zu haben…

Der hoffnungslos verliebte Ehemann sah seine Frau zärtlich an und hob, als er ihre Worte hörte, widerstrebend den Kopf, um nachzusehen. Er erwiderte: „Hm! Er kommt mir ein bisschen bekannt vor. Könnte er einer unserer Nachbarn sein?”

„Keine Ahnung!”

Ich rollte mit den Augen. Papa, Mama, könnt ihr nicht leiser sprechen? Sogar meine Teamkameraden können euch hören! Hilflos erwiderte ich die forschenden Blicke meiner Teamkameraden und zuckte unschuldig die Achseln.

„Möge der Kampf beginnen!” rief der Kampfrichter gnadenlos.

Ah, es hat angefangen, es hat angefangen! Was soll ich tun? Meine Gedanken waren in Aufruhr, als ich meine Teamkameraden und dann meine Eltern anschaute, mein Kopf ein Schlachtfeld widersprüchlicher Gefühle.

„Liebling, der Kampf hat angefangen. Lass uns das schnell zu Ende bringen, damit wir ins Flugzeug steigen und nach Hause zurückkehren können.”

„Oh… aber wenn wir nach Hause gehen, werden wir nicht mehr nur zu zweit sein! Außerdem wirst du kochen und dich um den Haushalt kümmern müssen, und du wirst keine Zeit mit mir verbringen können. Das wird so lästig sein!” sagte die hoffnungslos verliebte Ehefrau. Ihr Gesicht enthüllte eindeutig ihren Wunsch, nicht nach Hause zurückzukehren.

„Haha, mach dir keine Sorgen! Ich habe Feng Lan gut trainiert! Wir werden ihr sagen, dass sie sich um den Haushalt kümmern und kochen soll. Auf diese Weise werde ich all meine Zeit mit dir verbringen können, okay?” antwortete der hoffnungslos verliebte Ehemann. Hahaha, dachte er. Wie das Sprichwort sagt, ‘Kümmere dich tausend Tage lang um eine Tochter und sie wird sich den Rest deines Lebens um dich kümmern’![1]

Mama! Papa! Ich habe meine Meinung geändert! Eine Ader pochte auf meiner Stirn, als ich meine Fäuste ballte, bis meine Knöchel krachten. Selbst wenn es bedeutet, dass ich jeden Cent meines Taschengeldes für den Rest meines Lebens verlieren werde, werde ich euch beide zu Brei schlagen! „Prince…?” Die Mitglieder von Odd Squad schauten mich erstaunt an, als mein gesamter Körper in einem unsichtbaren Zorn aufzulodern schien.

„Ich. Werde. Sie. Auslöschen!” Die Worte wurden zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorgestoßen.

In der echten Welt…

Riiiiing! Riiiiing!

Ich streckte meine Hand aus, um den laut klingelnden Wecker abzustellen, und setzte meinen Spielehelm ab.

Von Schuldgefühlen gequält fragte ich mich, War ich zu brutal zu meinen Eltern? Hmph! Vergiss es, sie waren diejenigen, die mich zuerst betrogen haben, also können sie mir nicht vorwerfen, dass ich es ihnen heimgezahlt habe. Außerdem war alles, was ich getan habe, meinen Papa ein paar hundert Mal zu schlagen. Und ich war sehr gnädig zu meiner Mutter, ich habe sie mit einem Streich getötet!

Ich streckte mich, krabbelte aus dem Bett und ging das Frühstück vorbereiten. Heute ist der erste Vorlesungstag, es ist schlecht, wenn ich spät dran bin. Ich beschloss schnell abzuwaschen und mich dann mit dem Durcheinander an Eiern, Toast und Kaffee herumzuschlagen.

Mit dem wohlriechenden Frühstücksteller aus der Küche schreitend, sah ich, wie sich mein Bruder quer über den Esstisch ausgestreckt hatte.

„Was gibt’s zum Frühstück, Schwesterherz?”

„Ein speziell herangezogenes, energiesteigerndes Ei, hochwertigen French Toast und eine Tasse starken und cremigen türkischen Kaffee.”

„Oh… Also gibt es Eiersandwich mit einer Tasse Kaffee!” sagte mein blöder Bruder, bevor er sich rüpelhaft den Teller schnappte und alles darauf herunter zu schlingen begann. Waaah! Das ist das Frühstück, das ich mit Leib und Seele zubereitet habe! Kannst du es nicht auf eine vornehmere Art und Weise essen?

Plötzlich erinnerte ich mich an etwas. „Übrigens werden wir nach dem Frühstück Lebensmittel einkaufen gehen müssen. Mama und Papa kommen zurück.”

„Hä? Woher weißt du das?” fragte mein Bruder und warf mir einen argwöhnischen Blick zu.

Mein Herz hörte fast auf zu schlagen. „Ähhh… sie haben angerufen.”

„Wirklich…? Seit wann haben sie gelernt, ihre Kinder anzurufen um zu sehen, wie es ihnen geht?” Die Zweifel standen meinem Bruder klar ins Gesicht geschrieben.

„Iss einfach deinen Toast, in Ordnung? Wenn du mich weiter so nervst, sorge ich dafür, dass du heute Abend kein Abendessen bekommst”, brüllte ich und schob mein schlechtes Gewissen beiseite.

„Okay, okay! … Immer bedrohst du mich mit Essen“, jammerte Yang Ming.

„Was soll ich dazu sagen? Essen ist das einzige, was bei dir funktioniert”, sagte ich mit einem Achselzucken. In dieser Beziehung sind wir eindeutig Geschwister.

Essen ist nicht das einzige, was wir gemeinsam haben. Lasst mich klarstellen, dass dieses unglückselige Band zwischen meinem blöden Bruder und mir eine LANGE Zeit zurückreicht. Sowohl in der Grund- als auch in der Mittelschule waren wir in derselben Klasse. Wir gingen auf dieselbe Oberschule (obwohl wir in unterschiedlichen Klassen waren, da die Schule Jungen und Mädchen trennte), und jetzt haben wir dieselben Vorlesungen auf der Universität. Es gibt nur eine Möglichkeit, diese Situation zu erklären: Schicksal.

Ich vermute allerdings ernsthaft, dass der WAHRE Grund, warum wir dieselben Vorlesungen auf der Universität haben, ist, dass mein fauler Bruder heimlich mein Formular zur Berufsplanung abgeschrieben hat, weil er sogar zu faul war, sein eigenes auszufüllen! (Nicht, dass er das zugeben würde!) Wie auch immer, wir gehen jetzt auf dieselbe Universität und haben sogar dieselben Vorlesungen. (Nur als Randnotiz: die Universität ist in der Nähe unseres Hauses gelegen, also wohnen wir Zuhause und fahren mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Uni.)

„Beeil dich, Schwesterherz! Der Bus fährt gleich ab!” brüllte Yang Ming wild.

„Okay, okay!” schrie ich, als ich begann wie verrückt zu rennen, während ich im Stillen fluchte: Blöder Yang Ming! Denkst du, dass meine Agilität und die Länge meiner Beine im echten Leben so sind wie in ‘Second Life’?

Außer Atem und nach Luft ringend betraten mein Bruder und ich den Hörsaal eine Minute nachdem die Glocke geläutet hatte, wo ich entdeckte, dass der Lehrer bereits am Podium stand! Ich verbeugte mich hastig und entschuldigte mich bei ihm: „Es tut mir so leid, es tut mir so leid.”

„Keine Sorge, sucht euch nur schnell einen Platz und setzt euch.”

Die tiefe, sanfte Stimme des Lehrers beruhigte mich, aber irgendwie fühlte es sich seltsam an…

Warum klingt diese Stimme so unglaublich vertraut? Ein Alarmsignal ertönte in meinem Gehirn, und mit einigem Widerwillen hob ich langsam den Kopf, um den Lehrer anzuschauen.

Wow… was für ein attraktives Gesicht… GUI! Ich starrte ihn mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund an, und dachte: Spiele ich immer noch?

„Schwesterherz? Wenn du heiße Kerle anstarren willst, tu es wenigstens, nachdem du auf deinem Platz bist.” Die ärgerliche Stimme meines Bruders hallte durch den Hörsaal und meine Kommilitonen brachen in Gelächter aus.

Ich konnte nur benommen zu meinem gewöhnlichen Sitzplatz taumeln. Meine zwei besten Freunde saßen neben mir: Gu Yun Fei (er ist männlich, aber eine richtige Klatschbase, also wird er von Jing und mir so behandelt, als ob er weiblich wäre) links von mir und Lü Jing (sie ist ein süßes Mädchen) rechts von mir.

„Wer ist das?” fragte ich Yun und Jing und zeigte auf das bekannte Gesicht am Podium.

„Sieht so aus, als wäre er ein neuer Professor”, erwiderte Jing, als sie den „neuen Professor” anstarrte, eindeutig fasziniert.

„Er ist zu jung, um einer zu sein!” Ich sah „Gui” ungläubig an. Er kann doch noch nicht einmal dreißig Jahre alt sein. Er ist definitiv keinen Tag älter als fünfundzwanzig, allerhöchstens sechsundzwanzig! Er ist nur ein paar Jahre älter als die Studenten, aber er ist schon Professor?

„Ich habe gehört, dass er ein Genie mit einem IQ von 200 ist, dass er mit fünfzehn Jahren auf die Universität gekommen ist, mit achtzehn graduiert ist und mit zweiundzwanzig einen Doktor erhalten hat, bevor er seine Studien im Ausland fortgeführt hat, und mit fünfundzwanzig mit einem weiteren Doktor zurückgekommen ist. Und als er sechsundzwanzig Jahre alt war, haben Elite-Universitäten im ganzen Land darum sich darum gerissen, ihn als Professor anzustellen”, sagte Yun neidisch.

… Dann ist er vielleicht doch nicht Gui! Ob Gui tatsächlich irgendetwas in seinen Kopf hat oder nicht ist etwas, das ich bis zu diesem Tag stark bezweifle. Trotzdem… er sieht Gui zu ähnlich. Er sieht genauso aus wie Gui in Second Life, ohne irgendeine Verschönerung.

Professor „Sieht-Aus-Wie-Gui” lächelte und sagte: „Guten Morgen, Studenten. Ich bin euer neuer Professor für Geschichte der chinesischen Literatur, Min Gui Wen; ihr könnt mich einfach Gui nennen. Ich bin eigentlich nicht so viel älter als ihr, also hoffe ich, dass wir Freunde werden können.”

Ich brach auf meinem Pult zusammen. Wenn ich sagen würde, dass das nicht Gui ist, wer würde mir das eigentlich glauben? Gui ist mein Professor? Mein Gott, ICH GLAUBE ES NICHT!

„Jing, kannst du mir helfen, ihn – Professor Min – zu fragen, ob er Second Life spielt?” fragte ich, nachdem ich meinen ganzen Mut zusammengenommen hatte. Ich beschloss, ein für alle Mal herauszufinden, ob mein Glück tatsächlich so mies war.

Jing betrachtete mich argwöhnisch. „Warum fragst du ihn nicht selbst?”

„Ähhh, ich… ich bin schüchtern!” erwiderte ich mit einem schwachen Lachen.

„…” Jing und Yun sahen mich skeptisch an und mein Gesicht brannte vor Verlegenheit.

“Ich habe keine Ahnung, was du hier abzuziehen versuchst… Schön, wie auch immer, ich helfe dir zu fragen! Da ich Second Life auch spiele, interessiert mich das auch”, murmelte Yun. Dann hob er die Hand und fragte: „Professor Min, darf ich Sie etwas fragen, das nicht mit dem Unterricht zusammenhängt?”

Professor Min antwortete mit einem unbekümmerten Lächeln: „Du darfst.”

„Spielen Sie Second Life?

Professor Min hielt für einen Moment überrascht inne und antwortete dann begeistert: „Natürlich! Ich nehme gerade am Abenteurerwettkampf teil. Mein Team hat bereits die erste Runde der Finalrunden abgeschlossen!”

Vier von fünf anwesenden Studenten stießen einen überraschten Ausruf aus, wie etwa „Wirklich?”, „Das ist unglaublich!”, oder „In welchem Team sind Sie?”

Als die Atmosphäre im Kurs auflebte, ließ Professor Min ebenfalls seine professorenhafte Haltung fallen und beantwortete glücklich alle Fragen. „Ich bin ein Barde der Dämonenrasse. Ich bin ein Mitglied von Odd Squad.”

„Odd Squad? Das ist ein sehr berühmtes und seltsames Team. Ich habe gehört, dass ihr wichtigster Kämpfer, der Krieger Prince, extrem stark und unglaublich gutaussehend ist!” rief Yun aus.

Professor Min… Gui schwärmte: „Ja! Prince ist wirklich sehr stark und er ist auch extrem gutaussehend.”

„Meinen Sie das ernst? Sogar noch gutaussehender als Sie, Professor?” fragte Jing verwundert.

„Er sieht viel besser aus als ich”, erwiderte Gui mit ernstem Gesichtsausdruck.

„Oh mein Gott, Lan, hast du das gehört? Spielst du nicht Second Life? Hast du Prince jemals gesehen?” Jing packte mich plötzlich an den Schultern und fing an mich zu schütteln, was dazu führte, dass ich aus meiner zombieartigen Trance herausgerissen wurde.

„Ich nehme an… das könnte man so sagen!” erwiderte ich schwach, meine ganze Kraft floss aus mir heraus, nun da die Wahrheit bestätigt worden war.

„Ohhh… also musst du Professor Min in Second Life gesehen haben! Das ist der Grund, warum du wolltest, dass wir ihn fragen, richtig, Lan?” sagte Yun, wobei seine fröhliche Stimme Guis Aufmerksamkeit erregte.

Oh mein Gott, Gui sieht mich an! Ich mied seinen Blick und hob beiläufig eine Hand, um mein Gesicht zu verdecken, während ich murmelte: „Nee. Ich bin mir den Abenteurerwettkampf ansehen gegangen, also habe ich ihn von weitem gesehen, das ist alles.”

Aus heiterem Himmel erklang eine missmutige Stimme im Hörsaal.

„Prince? Hmph!” Feng Yang Mings Verachtung stand ihm klar ins Gesicht geschrieben.

„Hast du etwas gegen Prince?” fragte Gui. Seine Miene war eisig geworden und die Atmosphäre im Kurs kühlte sich ebenfalls rasch ab.

Yang Mings Kopf war zur Seite geneigt, seine Haltung eine eindeutige Zurschaustellung von Arroganz, als er erwiderte: „Ich bin mit ihm früher schon einmal aneinandergeraten, das ist alles.”

Ich betrachtete nervös die angespannte Atmosphäre zwischen meinem Bruder und Gui, aber aus irgendeinem Grund schien Gui erstarrt zu sein. Der Ausdruck in seinen Augen war zu kompliziert, als das ich ihn verstehen könnte. Die frostige Stimmung hielt eine Weile an, bevor…

„Steh auf”, sagte Gui mit ernster Stimme.

Jeder im Kurs stieß ein banges Keuchen aus. Auch ich sah meinen Bruder ängstlich an, zutiefst besorgt, dass er den Professor am ersten Unterrichtstag kränken könnte. Yang Mings Miene versteifte sich und dann kam er langsam auf die Beine. Obwohl er tat, wie ihm geheißen, sagte der Ausdruck in seinen Augen deutlich, dass er nicht die Absicht hatte, klein beizugeben.

Gui schien zunächst erschüttert. Dann, als ob er kaum seinen Augen trauen könnte, sprach er endlich: „Prince…?”

Yang Ming sah den Professor verständnislos an.

„…” Meine Augen weiteten sich. Was bedeutet diese Szene vor meinen Augen?

Gui schien erkannt zu haben, dass er sich vor seinem Kurs sonderbar benahm, da er sich umgehend beruhigte und lächelte. „Du darfst dich jetzt setzen! Lasst uns die Anwesenheitsliste durchgehen, damit ich euch alle kennenlernen kann.”

Ich saß unbehaglich und mit einem Haufen unbeantworteter Fragen da, bis die Pausenglocke schließlich ertönte. Sobald Gui aus dem Vorlesungsraum gegangen war, brach ich sofort auf meinem Tisch zusammen. Ich dachte, Wie genau soll ich denn dieses Semester überleben? Und Gui hat „Prince” ausgerufen, als er vorhin meinen Bruder angesehen hat – was in aller Welt könnte das bedeuten? Könnte Gui meinen Bruder mit mir verwechselt haben? Das ist unmöglich…

MIST! dachte ich, als ich mich plötzlich daran erinnerte, dass Gui SCHWUL war! … Wenn er meinen Bruder mit mir verwechselt hat, dann… Oh Gott! Das Blut schien mir in den Adern zu gefrieren.

„Lan, Lan! Professor Min hat gesagt, wenn wir Second Life spielen, nimmt er uns mit, um die Mitglieder von Odd Squad zu treffen. Ich möchte sooo gerne Prince treffen!” sagte Jing mit sehnsüchtigem Gesicht: „Also habe ich beschlossen zu spielen, kannst du mir beim Aufleveln helfen?”

„…” *SCHWITZ*

„Lan, verrate mir deinen Usernamen. Ich werde dir eine PM schicken sobald ich online bin und wir können Jing zusammen powerleveln! Danach können wir alle losgehen und Prince treffen. Ich möchte ihn fragen, wie er es geschafft hat, so stark zu werden”, sagte Yun mit einem ähnlich erwartungsvollen Gesicht.

„Ich…” Was soll ich tun…? Ich möchte heulen…

„Was ist los? Oder könnte es sein, dass dein Level zu niedrig ist und dir das zu peinlich ist um es uns zu sagen?” fragte Yun lachend.

„Ähm, ja, so ist es! Ich habe nicht viel trainiert, also kann ich nicht dabei helfen, Jing zu powerleveln. Du kannst dich um sie kümmern”, sagte ich hastig.

Verblüfft sagte Jing: „Na und? In dem Fall bitten wir einfach Yun, uns beide zu powerleveln!”

Ich suchte nach einer Ausrede. „Ich… äh, mein Mann wird mich powerleveln!”

Ohhh – also willst du bloß nicht, dass jemand in deine eigene kleine Welt reinplatzt, hm! Du Verräterin, lässt deine Freunde für einen Kerl stehen“, sagten Jing und Yun, die sich über mich lustig machten.

„Ich…” Waaah… Jetzt will ich wirklich heulen…

Im Unikrankenzimmer…

Gui betrat das Unikrankenzimmer. Gegen eine Wand gelehnt beobachtete er den großen, breitschultrigen Arzt im Inneren, der damit beschäftigt war, die medizinische Ausrüstung wegzuräumen. Nach einer langen Weile sagte er schließlich: „Ich habe heute einen Studenten getroffen, der Prince wirklich ähnlich sieht.”

Der Rücken des Arztes schien einen Moment lang zu erstarren. Dann drehte er sich um. „Was für ein Zufall! Prince ist auch hier?”

„Ich bin mir nicht sicher, ob es tatsächlich er ist. Was das Aussehen angeht, sehen sie sich nicht besonders ähnlich, aber ihre Haltung und ihr Verhalten sind fast identisch”, sagte Gui mit nachdenklich gerunzelten Augenbrauen.

„Wie wäre es, ihn zu fragen?”

„Zuerst wollte ich ihn fragen, aber er schien mich nicht wiederzuerkennen. Ich weiß nicht, ob er nur so tut, als ob er mich nicht kennt, oder ob er einfach wirklich nicht Prince ist.” Gui hob den Kopf und sah den Arzt an. „Wolf-dàgē, sollte ich ihn fragen oder nicht?”

„Was das angeht… hmmm!” Wolf-dàgēs – Lee Tian Langs – ungeschliffenes und offenes Gesicht war voller Zögern. „Du siehst im echten Leben genauso aus wie im Spiel, wenn er also wirklich Prince ist, muss er nur so getan haben, als ob er dich nicht kennt, da er dich wahrscheinlich wiedererkennen konnte… Warum fragst du ihn nicht einfach heute Nacht, wenn du online bist?”

„Hmm, in Ordnung“, erwiderte Gui, tief in Gedanken versunken.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gerade erst mein erschöpftes Selbst nach Hause geschleppt, wo ich meine Eltern sah, die im Wohnzimmer vor Wut kochten.

„Papa, Mama, ihr seid zurück”, begrüßte ich sie vorsichtig.

XIAO LAAAAAN!” Meine Mutter umarmte mich plötzlich fest und begann zusammenhanglos zu schluchzen.

Geschockt wusste ich nicht, was ich tun sollte, also wandte ich mich hastig an meinen Papa und fragte: „Papa, was in aller Welt ist passiert?”

„Das ist alles wegen diesem Prince…”, sagte mein Papa entrüstet durch zusammengebissene Zähne. „Es hat uns so viel Mühe gekostet, in die Finalrunden zu kommen, nur um von ihm in der ersten Runde besiegt zu werden. Verdammt sei er!”

„…” Es geht wieder um mein männliches Alter Ego, dachte ich und brach in Angstschweiß aus.

„Dieser verdammte Prince, ich hasse ihn”, sagte meine Mama als sie aufsah, mit hassverzerrtem Gesicht.

„Wer hat etwas davon gesagt, dass er Prince hasst?” fragte Yang Ming, als er durch die Tür kam. „Ich hasse diesen Dreckskerl auch – er hat mir meine Mädels geklaut und dafür gesorgt, dass ich am ersten Vorlesungstag von meinem Professor bestraft wurde. Ich werde ihn umbringen, selbst wenn es mich das Leben kostet!”

„Das stimmt! Wir werden ihn umbringen, selbst wenn es uns unser Leben kostet!” wiederholten meine Eltern.

„…” *Heul* Ich verstehe endlich, wie du dich gefühlt hast, als du von allen Fronten belagert wurdest, Xiang Yu[2]!

Online…

In dieser Nacht traf ich Lolidragon in dem Moment, in dem ich mich in Second Life einloggte.

„Prince, du siehst ziemlich blass aus”, sagte Lolidragon. Sie sah mich besorgt an, als ich zwischen sitzen und ruhelosem hin und her laufen wechselte.

„Ist Gui schon hier?” fragte ich, ohne ihre Frage wirklich zu beantworten. Stattdessen blickte ich weiterhin nach links und rechts, nicht in der Lage, mein Herz zu beruhigen.

„Noch nicht… Seit wann ist er dir so wichtig?” fragte Lolidragon und schaute mich unsicher an.

„Hör auf, dich auf meine Kosten lustig zu machen, Lolidragon! Du musst mich retten!” jammerte ich, als ich mich in ihre Arme warf.

Meine Aktion jagte Lolidragon eindeutig einen Schreck ein. Schnell fragte sie mich, was in aller Welt passiert war, also erzählte ich ihr nochmals tränenreich die heutigen tragischen Begegnungen. Zuerst erzählte ich ihr von meinem Treffen mit Gui und dann, wie er meinen kleinen Bruder mit mir verwechselte. Danach erzählte ich ihr von der Abneigung meines Bruders gegen mich, und letzten Endes, wie sogar meine Eltern geschworen hatten, mich umzubringen oder bei dem Versuch zu sterben…

Mein Gott, das muss der schlimmste Tag meines Lebens sein.

„Hmmm…” Er ist wirklich bemitleidenswert. Die Welt ist so groß, und doch musste Prince einfach Gui über den Weg laufen – das muss Schicksal sein!

Nachdem sie drei Sekunden lang still Anteil an Prince‘s Unglück genommen hatte, fing Lolidragon an zu fühlen, dass der ganze Vorfall… sehr interessant war!

Unglücklicherweise bemerkte ich, mit meinem Kopf in ihren Armen vergraben, nicht, dass Lolidragon – die sich an Chaos erfreute – teuflisch grinste und ihren Fuchsschwanz zeigte…

„Du musst dir nicht so viele Sorgen machen, Prince. Du musst dich nicht einmal beeilen, es abzustreiten, da ich den Verdacht hege, dass Gui dir unter Umständen ohnehin nicht glauben wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir auf Feng Wu Qing treffen, und wenn das passiert, wird Gui erkennen, dass er einen Fehler gemacht hat”, sagte Lolidragon.

Bei sich dachte sie: Trotzdem, bevor wir auf Feng Wu Qing treffen… Heh heh, wird es eine gute Show zu sehen geben! Lolidragons Grinsen wurde sogar noch durchtriebener…

„Wirklich?” fragte ich und runzelte die Stirn.

Lolidragon begann wie wahnsinnig zu nicken.

„Dann… okay, nehme ich an!” sagte ich. Ich bin immer noch ein bisschen unschlüssig, aber… Seufz! Was geschehen wird, wird geschehen. Was kann ich schon dagegen tun?

Lolidragon zeigte plötzlich hinter mich und sagte: „Gui ist hier.”

Ich erstarrte. Als ich mich langsam umdrehte, kam Guis vertrautes Gesicht mit seinem verspielten, fröhlichen Lächeln in mein Blickfeld. Ich zwang meine angespannten Gesichtsmuskeln, sich zu entspannen, und lächelte unbeholfen. „Morgen, Gui.”

„Guten Morgen, Eure Hoheit ist diesen Morgen so schön und vornehm wie immer.” Wie üblich verbeugte Gui sich schwungvoll.

„Ja… Ahahaha…”, lachte ich schwach.

Gui – der bereits beide Hände gehoben hatte, um seinen Kopf in Vorbereitung auf Prügel zu schützen – erstarrte einen Moment lang, bevor er den Kopf hob und mir einen verwunderten Blick zuwarf. Das verspielte Lächeln, das ursprünglich auf seinem Gesicht gewesen war, war verschwunden, und der hirnlose Gui wurde durch den Gui mit einem IQ von 200 ersetzt. Er sah mir tief in die Augen, als würde er über etwas nachdenken.

„Prince, bist du immer noch Student?” fragte er.

„Hä? Äh, ja!” erwiderte ich und mein Herz sprang mir fast aus der Brust.

Er starrte mich weiterhin unverwandt an, als er fragte: „Gehst du auf die XXX Universität?” Er erwähnte endlich den Namen meiner Universität.

Ich brach in Angstschweiß aus, log nach Strich und Faden und sagte: „Nein.”

„Oh.” Das Wort „Zweifel” stand Gui klar ins Gesicht geschrieben, als er mich nachdenklich ansah.

Ich wurde blass und ich drehte mich zu Lolidragon um, aber alles was sie tat, war mir ein „OK”-Zeichen zu geben. OK? Gibt es irgendetwas in der Welt, das weniger OK ist als das hier?

Glücklicherweise wechselte Gui plötzlich das Thema. „Oh ja, ich habe Wolf-dàgē in meiner Uni getroffen. Er ist der Arzt im Unikrankenzimmer!”

Als ich das hörte, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf. „WAS?”

Wolf-dàgē ist auch an meiner Uni? Oh Gott, wird diese Reihe schicksalhafter Begegnungen noch sehr viel länger andauern? GIB MIR EINE ANTWORT, GOTT!

Während ich den Himmel verfluchte, sah Lolidragon mit Unentschlossenheit im Gesicht das Ausscheidungsdiagramm des Wettkampfs durch. Unglücklicherweise hatte ich kein Interesse daran, mir anzuhören, wer unser nächster Gegner sein würde. Spielt keine Rolle, wer es ist, ich werde einfach meinen ganzen Ärger an ihnen auslassen! dachte ich heftig.

Genau in diesem Moment erklang deutlich Wolf-dàgēs Stimme und ich kroch widerwillig aus meiner dunklen Ecke der Verzweiflung, um zuzuhören. „Dieses Mal ist unser Gegner jemand, den wir kennen. Es ist das Rose Team.”

WAS? Das war noch ein weiterer harter Schlag für mich. Ich kroch zurück in meine dunkle Ecke, um die Voreingenommenheit des Schicksals gegen mich zu beklagen. Es ist schlimm genug, dass ich meinem Ärger keine Luft machen kann, aber warum muss es das Rose Team sein, dessen Mitglieder denken, ich sei schwul…? Waaaaaaaaah!

„Dieser Kampf könnte sich als unangenehm für Gui herausstellen”, sagte Yu Lian-dàsăo und sah Gui mit Anteilnahme an.

„Ja, armer Gui.” Auch Lolidragon schaute Gui an, als ob er jemand wäre, der bereits gestorben war.

Gui und ich waren jedoch beide extrem verwirrt. Was hat das mit Gui zu tun? Verdiene ich nicht mehr Mitgefühl als er?

„Ich habe gehört, dass Rose und Fairsky einen Fanclub für Prince gegründet haben und dass sie es geschafft haben, eine Menge Mädchen dazu zu bringen, beizutreten. Der Name ihres Clubs scheint folgender zu sein… Rettet den Supergutaussehenden Prince aus den Dämonischen Klauen des Schwulen Guiliastes und Helft Prince aufs Neue die Güte der Frauen zu Verstehen Unterstützungsgruppe.” Lolidragon sprach den Namen der Gruppe in einem Atemzug aus und erstickte beinahe dabei.

Was für eine Art von merkwürdig benanntem Unterstützungspruppe ist das? dachte ich, als ich verblüfft zuhörte. Eine Unterstützungsgruppe wurde tatsächlich wegen mir gegründet? Mein Gott, stecke ich nicht auch so schon in genügend Schwierigkeiten?

„Außerdem haben sie sich, um Gui eine gewaltige Tracht Prügel zu verpassen, vor kurzem einem speziellen Trainingsprogramm unterzogen. Fairsky hat auch einen Haufen Geld für diverse göttliche Waffen ausgegeben, die die Kampfkraft des Rose Teams stark in die Höhe getrieben haben”, fügte Yu Lian-dàsăo mit einem Stirnrunzeln und einem Seufzer hinzu.

Endlich ist hier jemand mit noch mieserem Glück als ich, dachte ich und seufzte erleichtert auf. Dann warf ich Gui einen mitfühlenden Blick zu. Unglücklicherweise gab das Grinsen auf meinem Gesicht vollkommen die Tatsache preis, dass ich mich eigentlich an seinem Leid erfreute.

Gui lächelte lediglich.

„Prince zuliebe kann ich mit allem fertig werden“, sagte er und sah mich an, wobei ihm seine Gefühle klar ins Gesicht geschrieben standen. Er wurde umgehend für eine Tracht Prügel beiseite gezogen…

Im Moment stört mich die Tatsache, dass er mein Professor ist nicht im Geringsten. Schließlich hat er zurzeit den Eindruck, ich wäre Feng Yang Ming! Selbst wenn Professor Min Gui Wen im echten Leben Rache nehmen will, wird er nicht nach Feng Lan Ausschau halten… Heh heh, Lolidragons Rat ist eigentlich ziemlich gut!

„Während Prince damit beschäftigt ist, Gui zu verprügeln, lasst uns die Köpfe zusammenstecken und uns einen Schlachtplan erstellen sagte Wolf-dàgē ernst. „Fällt jemandem eine Möglichkeit ein, mit ihren göttlichen Waffen fertigzuwerden?”

„Hmph! Ich glaube nicht, dass mein Black Dao im Vergleich zu einer göttlichen Waffe schlecht abschneiden würde!” erwiderte ich, während ich Gui einen weiteren Schlag verpasste.

„Ich denke auch nicht, dass ihre göttlichen Waffen so eine große Sache sind. Ich glaube nicht, dass sie uns nur dadurch schlagen können, dass sie göttliche Waffen benutzen”, fügte Lolidragon kalt hinzu. „Geld ist nicht allmächtig. Man kann damit zwar göttliche Waffen kaufen, aber nicht die nötigen Fähigkeiten, um sie zu nutzen.”

Ich senkte meine Faust für einen Moment und sagte langsam: „Lolidragon, du scheinst… ziemlich sauer zu sein?”

Lolidragon blickte finster drein und rief bitter: „Natürlich bin ich sauer! Weißt du, wieviel Geld Fairsky für diese göttlichen Waffen ausgegeben hat? Zehn Millionen Real-Life-Dollar! Sie hat ganze zehn Millionen Dollar ausgegeben, einfach so! Wenn ich zehn Millionen hätte, müsste ich mir nicht den Arsch aufreißen als G- WÄRE ICH IN LÄNGST DEN RUHESTAND GEGANGEN!”

Also bist du im Grunde neidisch, dass sie so viel Geld hat, dachte ich und sah die grollende Lolidragon hilflos an.

„Dann lasst uns zunächst einmal das Thema göttliche Waffen beiseite schieben. Also, das Rose Team besteht aus zwei Kriegern, einem Bogenschützen, einem Priester, einer Magierin und einer Diebin. Es ist eine ziemlich gute Teamzusammenstellung, aber sie sollte kein großes Problem für uns darstellen. Trotzdem sollten wir sie, nur um auf der sicheren Seite zu sein, ernst nehmen und nicht unterschätzen”, sagte Wolf-dàgē ernsthaft.

Alle Mitglieder von Odd Squad nickten zustimmend, außer Gui… Das war jedoch nicht seine Schuld, da eine Person, die ohnmächtig auf dem Boden lag, wohl kaum nicken konnte.

Als ich in die Arena voranging, kamen die unverkennbar vertrauten Gesichter der Mitglieder des Rose Teams in Sicht. An ihrer Spitze standen Fairsky und Rose, welche mich mit gekränkten Mienen ansahen. Innerlich fühlte ich mich äußerst unbeholfen, aber an der Oberfläche war meine Miene so kalt und distanziert wie immer.

„Prince…”, rief Rose zögerlich nach mir.

Ich hob meine Hand und unterbrach sie. „Sag jetzt nichts. Ein Kampf ist ein Kampf; wenn es etwas gibt, worüber du reden möchtest, kann das bis nach dem Kampf warten.”

Als sie meine Worte hörte, begannen Tränen in Rose’s Augen aufzusteigen. Der Kummer und der Schmerz in ihrem Blick wurden stärker…

Verunsicherung befiel mich plötzlich. Habe ich etwas Falsches gesagt?

„Prince, wie konntest du so etwas Herzloses sagen?” Fairsky war voller Verbitterung, und sie rief aus: „Weißt du, wie sehr wir jeden Tag an dich denken? Wir kommen zu jedem einzelnen deiner Kämpfe um dich anzufeuern und haben sogar eine Unterstützungsgruppe für dich gegründet. Reicht das alles immer noch nicht aus, um dich zu berühren?”

Ich bin herzlos? Ich wollte mich nur zunächst um die bevorstehende Sache kümmern! Ich verstehe wirklich nicht, wie Mädchen denken…

Scheiße! Werde ich immer weniger wie ein Mädchen und mehr wie ein Kerl!?

„Lasst uns loslegen!” Ich hatte keine andere Wahl, als weiterhin kalt zu sprechen. Erst, wenn wir uns ums Geschäftliche gekümmert haben, kann ich offen über diese Unterstützungsgruppe mit dem superschwer-auszusprechenden Namen mit ihnen reden.

Die vertraute Stimme des Schiedsrichters erklang: „Möge der Kampf beginnen!”

Doll beschwor sofort ihre Skelette. Meinen Berechnungen zufolge würden die Skelette und ich mehr als genug sein, um Li’l Strong und Broken Sword auf Trab zu halten. Ich beschloss, mich zuerst um Broken Sword zu kümmern und es den Skeletten zu überlassen, sich mit Li’l Strong auseinanderzusetzen. Unsere Unterhaltung im Separee des Restaurants hatte mich erkennen lassen, dass Broken Sword ein ernstzunehmender Feind war.

Wie erwartet schwang Broken Sword seine Klinge in meine Richtung und schrie „Swaying Sword Style!”.

Sofort blockte ich seine Attacke mit meinem Black Dao und dachte, Hmph! Mein Bruder hat mir den Inhalt der Romanreihe von Jin Yong so oft beschrieben, dass ich sie schon in und auswendig kenne. Es entstand ein Regen aus silbernen und goldenen Funken, als unsere Waffen sich mit dem widerhallenden Geräusch von aufeinanderprallendem Metall trafen.

Broken Sword war, wie ich es vorausgesehen hatte, ein würdiger Gegner. Als wir in einen ausgeglichenen Kampf verstrickt waren, begann mein Blut vor Erregung zu kochen. Nachdem wir eine Reihe von Schlägen ausgetauscht hatten, fanden wir uns Schwertgriff an Schwertgriff ineinander verkeilt. Uns voneinander lösend, zogen wir uns jeweils für eine kleine Atempause ein paar Schritte zurück.

„Du bist wirklich stark, Broken Sword”, sagte ich und sah ihn respektvoll an.

„Hör auf, Müll zu reden.” Broken Swords Augen waren rachsüchtig und hasserfüllt, was mich bis ins Mark erschütterte.

Was ist los? Es gibt wirklich keinen Grund für ihn, mich so sehr zu hassen, selbst wenn er mich für schwul hält, richtig? Schließlich habe ich ihn nicht XX oder OO, richtig?

„Ein Kampf ist nur ein Kampf, Broken Sword. Ist es wirklich nötig für dich, mich so sehr zu hassen?” brüllte ich, während ich sein Schwert mit meinem Dao abwehrte.

„Wenn du nicht gewesen wärst, wäre unser Rose Team nicht so geworden!” schrie Broken Sword aufgewühlt.

„Nicht so geworden?” Wie was? dachte ich, und erstarrte… aber, unglücklicherweise war es nicht besonders klug, auf einem Schlachtfeld zu erstarren. Obwohl ich es schaffte, sein Schwert abzuwehren, wurde ich von seinem linken Haken direkt ins Gesicht getroffen und fiel zu Boden.

Broken Sword benutzte sofort sein Knie, um mich auf dem Boden festzunageln, und hielt mir sein Schwert an die Kehle. Als er über mir stand, hatte er die Zähne so fest zusammengebissen, dass sie knirschten.

Durch zusammengebissene Zähne fauchte er: „Es liegt an dir. Du bist derjenige, der Rose und Fairsky verändert hat. Rose tut nichts anderes, als den ganzen Tag dein Bild anzustarren und zu weinen. Währenddessen gibt Fairsky ununterbrochen Tausende und Abertausende Dollar aus, um göttliche Waffen zu kaufen oder um gegnerische Teams zu bestechen, damit sie aufgeben, nur in der Hoffnung, dir in einem der Kämpfe zu begegnen. Dieses Team… D-dieses Team! Wenn der Umstand nicht wäre, dass wir es nicht übers Herz bringen, Rose und Fairsky im Stich zu lassen, wären wir vier schon vor langer Zeit aus diesem Team ausgetreten.”

Mittlerweile hatten beide Teams aufgehört, um Broken Sword zuzuhören. Ich war da keine Ausnahme – ich konnte nur stumm seinen Anschuldigungen lauschen, bevor ich mich zu Li’l Strong, Legolas und For Healing Only umdrehte. Sie funkelten mich alle mit einer Mischung aus Wut und Empörung an.

Rose hatte ihr Gesicht mit den Händen bedeckt und begonnen zu weinen, während Fairsky aufgebracht rief: „Kann ich ihn nicht mögen? Die Person, die ich mag, ist Prince und nur er allein. Was auch immer kommen mag, ich werde niemals aufgeben. Ganz egal, was für Methoden oder Strategien ich benutzen muss – selbst wenn ich unermessliche Mengen an Geld ausgeben muss – ich werde niemals aufgeben.”

„Ohne einen Gedanken an die Anzahl der Menschen zu erübrigen, die du verletzen wirst – Menschen, die an deiner Seite sind, und sich um dich sorgen?” fragte Doll und sah Fairsky kummervoll an. Ein Anflug von Schuld huschte über das Gesicht der letzteren.

Ich hörte zu und fühlte mich ziemlich betäubt, als die normalerweise kindliche Doll tatsächlich etwas derart Reifes sagte. Heute hat es einfach zu viele überraschende Ereignisse gegeben. Meine Nerven haben zu viele Schocks erlitten, ich kann nichts mehr spüren.

„Das ist mir egal!” schrie Fairsky und hielt sich die Ohren zu, als ob sie Dolls Worte aussperren könnte. „Und Broken Sword, nimm deine Waffe von Prince weg! Wage es ja nicht, Prince zu verletzen, oder… oder ich nehme dir die göttliche Waffe weg, die ich dir gegeben habe!”

In dem Augenblick, in dem diese Worte Fairskys Mund verließen, erkannten alle, dass sie einen gewaltigen Fehler gemacht hatte. Broken Swords Gesicht wurde zuerst rot. Dann erbleichte es, und dann wurde es grün…

Er warf Fairsky einen schmerzerfüllten Blick zu, bevor er wortlos sein Schwert von meiner Kehle nahm. Mit lautem Geklirr warf er das Schwert auf den Boden. Dann drehte er sich um und verließ die Arena.

„Broken Sword…” Fairsky beobachtete ihn fassungslos, als er ging.

Es gab ein weiteres Klirren, als ein schwerer Gegenstand auf den Boden geworfen wurde. Li’l Strong hatte seine große Axt ebenfalls weggeworfen.

„Das ist genug, Fairsky. Ich will dein Geld nicht”, sagte er, bevor er Broken Sword aus der Arena folgte. Mit kaltem Gesichtsausdruck warf Legolas seinen Bogen weg und ging, ohne ein Wort zu sagen. Schließlich seufzte For Healing Only schwer auf und ließ seinen Stab los, wobei er, bevor er ging, noch einen besorgten Blick auf Rose und Fairsky warf.

Rose sah die Rücken der sich entfernenden Mitglieder des Rose Teams an, und der Ausdruck auf ihrem Gesicht verriet ihren inneren Kampf und ihre Unentschlossenheit. Endlich ging sie auf mich zu und sagte: „Prince, ich werde lernen, dich zu vergessen.”

Dann legte sie plötzlich ihre Arme um mich und KÜSSTE MICH…

In meinem Kopf war ein Meer aus Weiß. Ich fühlte mich völlig betäubt und dachte: Großartig! Noch ein Ereignis, das ich zu meiner Liste schockierender Ereignisse des Tages hinzufügen kann… Ich habe gerade meinen ersten Kuss an eine schöne Frau verloren!

„Leb wohl, Prince”, sagte Rose mit einem tränenvollen Lächeln – einem Lächeln, das zu sagen schien, dass sie sich letzten Endes von irgendetwas befreit hatte. Ich sah zu, wie sie sich anmutig umdrehte und ging. Obwohl sie meinen ersten Kuss geraubt hatte, wünschte ich ihr aus tiefstem Herzen alles Gute und ich hoffte, dass sie das nächste Mal ihren wahren Traumprinzen finden würde.

„Rose, du gehst auch?” rief Fairsky. “Selbst du verlässt mich?”

Rose hielt mitten im Schritt inne und nahm einen tiefen Atemzug, bevor sie antwortete: „Ja, ich gehe. Ich hoffe, du kannst es auch bald beenden, Fairsky.” Dann lief sie weiter.

„Ich will nicht! Ich will nicht aufgeben! Ich werde Prince nicht aufgeben”, rief Fairsky mir zu, ihre Augen voller Tränen. Dann floh sie aus der Arena, während sie in ihre Hände schluchzte… und aus irgendeinem unbekannten Grund lief Doll ihr hinterher…

Als das erste Team, das ich getroffen hatte, als ich gerade erst in Second Life angefangen hatte, vor meinen Augen auseinanderbröckelte, verspürte ich einen unbeschreiblichen Schmerz in meinem Herzen. Was mich jedoch noch mehr erschütterte, war…

Ist es meine Schuld? Ich konnte nicht anders, als mich das zu fragen. Bin nicht schließlich ich die Person, die das Rose Team so hat werden lassen?

„Lolidragon, verletzt meine Täuschung auch viele Menschen an meiner Seite, die sich um mich sorgen?” fragte ich über den Teamchat.

„Ähm… Nun, ich denke, Gui genießt es, von dir verletzt zu werden”, erwiderte Lolidragon beiläufig.

„Lolidragon…”, sagte ich vorwurfsvoll, aber sie unterbrach mich sofort.

„Lass dich davon nicht beunruhigen, Prince. Vertrau mir, es ist nicht deine Schuld”, sagte sie nachdrücklich.

„Wirklich?” fragte ich, immer noch zweifelnd.

Wolf-dàgē, Yu Lian und Gui lauschten dem Gespräch zwischen Lolidragon und mir und wechselten verwirrte Blicke. Sie waren jedoch sehr rücksichtsvoll und verzichteten darauf, mir zu der Zeit irgendwelche Fragen zu stellen.

„Fairsky, warte!” Obwohl Doll vom Rennen bereits außer Atem war, war sie trotzdem nicht in der Lage, zu Fairsky, einer Diebin, aufzuschließen. .

Fairsky wirbelte herum. „Was willst du? Dich über mich lustig machen?” wollte sie wissen.

„Nein, das nicht. Es ist nur… Ich verstehe, wie Fairsky-jiějie denkt“, sagte Doll leise.

„Du magst Prince auch?” fragte Fairsky skeptisch.

„Nein, es ist nur, dass Doll’s Familie auch sehr reich ist…”

Fairsky schien ein wenig verblüfft zu sein. „Du…? Das sieht man dir überhaupt nicht an.”

„Das ist nicht der springende Punkt, Fairsky-jiějie. Doll will dir nur sagen, dass du nicht weiter so sein kannst wie jetzt. Viele Dinge können nicht mit Geld gekauft werden”, sagte Doll. Ihr Tonfall entspannte sich. „Doll hat auch einmal gedacht, dass man alles, was man will, mit Geld kaufen könnte… Erst später habe ich erkannt, dass man sich nichts kaufen kann, was wirklich wichtig ist.”

„Aber… aber ich mag Prince wirklich. Außer Geld zu benutzen weiß ich keinen anderen Weg, wie ich sein Herz gewinnen könnte”, sagte Fairsky niedergeschlagen. Ich bin nicht so hübsch wie Rose oder Lolidragon und meine Persönlichkeit ist zu hitzig. Wie könnte ich ohne meinen Reichtum andere Frauen in den Schatten stellen?

Doll erwiderte bestimmt: „Wenn du Prince-gēge wirklich magst, dann tu, was Doll sagt.”

„Was soll ich tun?”

„Entschuldige dich bei allen im Rose Team.”

Als sie das hörte, erstarrte Fairskys Gesicht sofort, und Doll fügte schnell hinzu: „Wenn du dich gut mit deinen Teammitgliedern verstanden und hart mit ihnen zusammengearbeitet hättest, um unser Team zu besiegen, hätte Prince-gēge es dir gegönnt. Er hätte dich vielleicht sogar respektiert, oder dich sehr gemocht! Hast du nicht gesehen, wie viel Respekt Prince-gēge Broken Sword-gēge entgegengebracht hat?”

„Mm!” stimmte Fairsky nach einem Moment des Nachdenkens widerstrebend zu. Schließlich war es auch nicht so, als ob sie so ein Zerwürfnis zwischen sich und den anderen Mitgliedern des Rose Teams wollte.

„Doll, du bist wirklich eine ungewöhnliche Person”, sagte Fairsky und sah Doll neugierig an. „Wer genau bist du…?”

Doll lächelte nur geheimnisvoll.

Wie immer war es nach einem Kampf Zeit, aufzuessen und sich auszuruhen. Die Mitglieder von Odd Squad waren im Restaurant versammelt, mit einer gewaltigen Anzahl von Gerichten auf dem Tisch vor ihnen, und… sahen hilflos zu, wie ich ein weiteres Mal aufseufzte. Ich hatte nicht einmal meine Essstäbchen in die Hand genommen.

„Wer hätte gedacht, dass nicht einmal Essen Prince aufmuntern könnte; das ist wirklich noch nie dagewesen!” sagte Lolidragon hilflos. Sie sah sich am Tisch um, aber alle anderen schüttelten nur die Köpfe, da sie nicht in der Lage waren, sich etwas auszudenken, um meine Stimmung zu verbessern.

„Seufz…” Ich hatte darüber nachgegrübelt, was dem Rose Team passiert war. Die Schuld, die mein Herz beschwerte, fühlte sich an wie ein Stein, der von einem Misthaufen aufgehoben worden war – er war vernichtend schwer und stank ekelerregend. Selbst wenn ich wollte, es war unmöglich so zu tun, als ob es mir gleichgültig wäre…

Besonders Dolls Worte hallten ständig in meinem Kopf wider. Sollte ich allen einfach reinen Wein einschenken? fragte ich mich. Aber was wird passieren, wenn ich die Wahrheit sage? Was, wenn sie sie nicht akzeptieren können? Ich war kurz davor, mir die Haare auszuraufen. Was soll ich tun? Was soll ich tun?

„Gib dir nicht die Schuld dafür, Prince. Schließlich gibt es da draußen zu viele Mädchen, die dich mögen. Es gibt einfach keine Möglichkeit, wie du all ihre Gefühle erwidern könntest”, sagte Yu Lian-dàsăo sanft.

„Aber…” Das Problem ist, dass ich ein Mädchen bin, und es bleibt eine Tatsache, dass ich diese ganzen Mädchen angelogen habe…

„Aber was?” Eine leichte Spur von Zwang war in Yu Lian-dàsăos sanfter Stimme, als sie fragte.

„Ähh…” Mein Gesicht wurde kreidebleich. Muss ich ihnen wirklich reinen Wein einschenken? Ist heute der Tag, an dem die Wahrheit enthüllt wird?

„Prince, was ist es, wegen dem du alle angelogen hast…?”

„Ich…” Dann werde ich ihnen eben die Wahrheit sagen! Ich will sie alle nicht weiter betrügen, dachte ich unglücklich. „Ich bin ein Mäd-”…

Yu Lian-dàsăo unterbrach mich und sagte: „Ich denke, die Täuschung, über die du gesprochen hast, bezieht sich auf etwas, das du vor uns verheimlicht hast, richtig? Prince, wegen so etwas musst du dir keine Gedanken machen. Jeder benimmt sich anders im Internet, als er es im wirklichen Leben tut. Nimm mich zum Beispiel. Ich bin im Real Life eigentlich nicht annähernd so sanft und unbekümmert!” Als sie das sagte, versuchte Dàsăo sogar, es uns zu demonstrieren, indem sie einen strengen, finsteren Blick annahm…

Dàsăo, ich denke, dein „sanftes und unbekümmertes” Schattenlächeln ist viel furchterregender…

Wolf-dàgē versuchte ebenfalls, mich zu trösten, und sagte: „Das stimmt, Prince. Solange das Du im Spiel immer noch du bist, reicht uns das. Was für eine Person du im Real Life bist, ist nicht wichtig.”

„Das stimmt auch nicht ganz. Was ist denn schließlich, wenn Prince einer der zehn meistgesuchten Flüchtigen ist?” Lolidragon fälschte einen verängstigten Gesichtsausdruck, als sie mich ansah…

Du! Mach dir mal folgendes klar, du blöde Lolidragon! Wer ist hier diejenige, die auf der Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen ist? Du bist diejenige, die an der Spitze der Liste der „zehn meistgesuchten Verbrecher” in Second Life steht!

„Das ist unmöglich. Ihre erlauchte Hoheit könnte wohl kaum ein gesuchter Verbrecher sein”, sagte Gui und sah mich mit unerschütterlicher Gewissheit an. Seine Augen schienen zu sagen, dass er mir vollkommen vertraute… also begann ich ihn zusammenzuschlagen. Warum, fragt ihr? Weil es mir schon in den Fingern juckte, weil ich ihn so lange nicht zusammengeschlagen hatte!

„Hurra! Prince-gēge hat angefangen, Gui-gēge zu verprügeln! Das ist großartig! Es sieht so aus, als hätte sich Prince-gēge schließlich doch noch erholt!” rief Doll aus, als sie glücklich begann zuzusehen, wie eine bestimmte Person Gui verprügelte.

„Jepp, jepp, wenn er Gui zusammenschlagen kann, dann bedeutet das, dass jetzt alles wieder in Ordnung ist.” Die restlichen Mitglieder von Odd Squad nickten erleichtert.

Puh! Das war ein langes und befriedigendes Workout. Es fühlte sich an, als würde ich meine Fäuste benutzen, um die ganzen negativen Gefühle abzulassen, die sich in meinem Herzen aufgestaut hatten.

Ich sah auf die gebrochene und angeschlagene Gestalt von Gui hinunter. Ich danke dir für dein Opfer! Ich legte meine Handflächen zusammen und betete für seine verstorbene Seele. Mögest du in Frieden ruhen!

Es war Zeit für uns, offline zu gehen. „Bis dann, Leute”, sagte jeder meiner Teamkameraden der Reihe nach. Ich sah zu, wie sie sich einer nach dem anderen ausloggten, aber gerade, als ich mich selbst ausloggen wollte, um das Frühstück zuzubereiten, packte Gui plötzlich mein Hosenbein.

Er hob seinen Kopf und schaute zu mir auf, sein Blick war so unerschütterlich sicher wie zuvor.

„Es tut mir leid, Prince…”

„Hä?” Ich stand vor einem absoluten Rätsel. Seit wann entschuldigt sich ein Opfer bei der Person, die es zusammenschlägt?

„Ich werde nicht mehr versuchen, meine Nase in deine Angelegenheiten zu stecken”, sagte Gui und sah mich zärtlich an. Seine Miene war so bezaubernd schön, dass sie mein Herz flattern ließ.

„Egal, wer du auch sein magst, es kümmert mich nicht”, sagte Gui mit eindringlicher Stimme.

Oh wirklich? Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich sehr verstimmt, als ich diesen Satz hörte. Ich dachte: Du bist schwul, aber ich bin ein Mädchen. Bist du sicher, dass dich das nicht kümmert?

„Selbst wenn die Person, die ich im realen Leben bin, sich drastisch von der Person unterscheidet, die ich im Spiel bin?” fragte ich kalt.

„Ich glaube fest, dass das, was du jetzt bist, dein wahres Ich ist, genau wie die Person, die ich jetzt gerade bin, mein Wahres Ich ist”, sagte Gui bestimmt. „Alles Andere ist nicht von Belang – sei es Geschlecht, Aussehen, oder selbst die Fassaden, die wir im wirklichen Leben aufrechterhalten… nichts davon ist wichtig.”

Gui’s Worte machten mich sehr neugierig. Bedeutet das, der hirnlose Gui ist der wahre Gui?

„Also ist der Professor Min im wirklichen Leben nur eine Fassade?”

Sobald diese Worte meinen Mund verließen, erstarrte Gui.

Ich erstarrte ebenfalls. Lässt dieser Satz nicht eindeutig durchblicken, dass ich Gui im Real Life kenne? Mein Gesicht erblasste, aber es gab keine Möglichkeit, jetzt aus dieser Sache herauszukommen, also sah ich Gui streng an und sagte: „Ich bin nicht Feng Yang Ming.”

Ich kann es genauso gut sagen. Schließlich ist die Katze bereits aus dem Sack. Außerdem, wenn es bedeutet zu vermeiden, dass Gui weiterhin meinen Bruder für mich hält… Siehst du, wie nett ich zu dir bin, Yang Ming? Waaah…

Gui gewann plötzlich seine Fassung wieder und erwiderte mit lächelndem Gesicht einfach: „Mm, du bist nicht Feng Yang Ming, dann… bin ich nicht Min Gui Wen, ich bin Guiliastes!”

Warte einen… Oh mein Gott, in den Gelben Fluss zu springen kann man vergessen, ich denke, selbst in Bleichmittel zu springen, wird diesen Schlamassel nicht in Ordnung bringen![3] Bruderherz, ich habe dir das nicht mit Absicht in die Schuhe geschoben. Ich habe bereits versucht, deinen Namen reinzuwaschen. Das ist der Wille des Himmels, ich habe dabei nichts zu sagen!  

[½ Prince Band 2 Kapitel 4 Ende]

 

Fußnoten

[1] Kümmere dich tausend Tage lang um eine Tochter, und sie wird sich den Rest deines Lebens um dich kümmern: Im Chinesischen ist das “养女千日用在一生” (Ausspr. yăng nǚ qiān rì yòng zài yì shēng), was wörtlich so viel bedeutet wie: „Kümmere dich (wie in füttere und kleide) um eine Tochter tausend Tage lang und sie wird dir den Rest deines Lebens nützlich sein.” Dies ist ein Wortspiel mit  „养兵千日用在一时” (Ausspr. yăng bīng qiān rì yòng zài yì shí), was bedeutet: „Kümmere dich tausend Tage lang um einen Soldaten und er wird einen kurzen Moment lang nützlich sein”.

[2] Xiang Yu ist einer der berühmtesten Generäle der chinesischen Geschichte. Dem Tod von Qin Shi Huang folgend ging die Qin-Dynastie zu Ende (gestürzt von Xiang Yu) und es bildeten sich zwei Gruppen – die Chu und die Han. Xiang Yu gehörte zum Adel der Chu, und daher erhob er sich, um die königliche Herrschaft der Chu anzunehmen, aber er wurde vernichtend von Liu Bang geschlagen, dem Anführer der Han und Nachfahren von Liu Bei (ihr wisst schon, dem Typen aus ‚Three Kingdoms – Der Krieg der Drei Königreiche’)

Der Legende zufolge wurde Xiang Yu auf einem Schlachtfeld umzingelt, als er und seine Leibwächter einen letzten Widerstand leisteten. Xiang Yu fiel schließlich durch sein Schwert (einige sagten, er hätte sich selbst enthauptet), es vorziehend, auf dem Schlachtfeld und mit unberührter Ehre zu sterben. Nach seinem Tod kam die Han-Dynastie an die Macht. Seht hier für weitere Informationen.

[3] In den Gelben Fluss zu springen kann man vergessen: Hier bezieht sich Feng Lan auf eine chinesische Redewendung, die da heißt, „In den Gelben Fluss zu springen, wird dich nicht von deinen Verfehlungen/dem Stigma des Verdachts reinwaschen”.

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