1/2 Prinz B2K5: Zhuo Lin Bin und Ou Yang Mei

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1/2 Prinz Band 2: Fantasie und Realität

Chinesisches Original von: 御我 (Yu Wo)

Englische Übersetzung von Smerian


Fantasie und Realität Kapitel 5: Zhuo Lin Bin und Ou Yang Mei – deutsche Übersetzung von Meranii

Von dem Moment an, in dem ich aufgewacht war, Frühstück gemacht hatte, dem Bus nachgejagt war, bis zu dem Zeitpunkt, als Guis Vorlesung zu Ende war, drehten sich meine Gedanken nur um eine Sache: Soll ich mich ins Unikrankenzimmer schleichen und einen kurzen Blick auf Wolf-dàgē werfen oder nicht?

Nüchtern betrachtet wäre es weiser, nicht hinzugehen, wer weiß schließlich, ob Wolf-dàgē mich wiedererkennen würde oder nicht? Aber gefühlsmäßig… Ohhh, ich will WIRKLICH sehen, wie Wolf-dàgē eigentlich aussieht! Es ist schier unmöglich, dass er seinem Gegenstück im Spiel ähnlich sieht, oder?! Offensichtlich ist Wolf-dàgē ja kein Werwolf.

Da ich nicht sicher war, was ich tun sollte, konnte ich nur anfangen, Blütenblätter zu zupfen… „Nachsehen, nicht nachsehen, nachsehen, nicht nachsehen, nachsehen…“

Plötzlich sprach eine tiefe Stimme hinter mir: „Fräulein, Sie können hier keine Blumen pflücken!“

„Verzeihung, Verzeihung“, entschuldigte ich mich, während ich mich vor dem Hausmeister verbeugte.

Ich glaube, ich gehe doch und riskiere einen Blick! Nachdem ich mich entschieden hatte, drehte ich mich um, um zum Unikrankenzimmer zu gehen, aber plötzlich dachte ich: Sollte ich mir nicht erst mal irgendeine kleine Verletzung zuziehen, bevor ich gehe? Was wäre ansonsten meine Entschuldigung, ins Krankenzimmer zu gehen? Aber Verletzungen tun weh, und es ist nicht wie im Spiel, wo ich einfach Heiltränke trinken kann, um meine Verletzungen zu heilen. Eine echte Verletzung schmerzt mehrere Tage und außerdem hinterlässt sie eine Narbe! Ich will nicht verletzt werden… Aber anders werde ich Wolf-dàgē nicht zu sehen bekommen. Was soll ich tun?

„Schwesterchen, was machst du hier?“ Yang Ming tauchte plötzlich auf und gab mir einen Schlag auf den Rücken.

AHHH! Du hast mich erschreckt, Yang Ming, du Idiot!“, sagte ich.

Ich bin gerade dabei, mir den Kopf über etwas zu zerbrechen!

„Wieso reagierst du denn so heftig? Hast du das bekommen?“ Feng Yang blinzelte mir wissend zu.

Das? Ach richtig, das! Jetzt habe ich eine Entschuldigung.

Ich drückte die Tür des Krankenzimmers sanft auf und steckte meinen Kopf für einen Blick hinein. Es sieht so aus, als wäre niemand hier?

„Gibt es ein Problem, kleines Mädchen?“, fragte eine herzliche Stimme hinter mir.

Ich drehte mich erschrocken um. Ist das die menschliche Version von Wolf-dàgē? Wooow! Auch wenn er nicht gut aussieht, ist er auf seine eigene Art sehr modisch. Wie soll ich es sagen – er ist wie die zuverlässige, ältere Bruder Figur aus einem Action-Manga, mit einer lauten und autoritären Stimme… Gut! Ich gebe zu, dass mein Vergleich erbärmlich schlecht ist.

Wolf-dàgē sah mich an, während ich mich am Kopf kratzte, und fragte dann sanft: „Studentin, wo hast du dich verletzt?“

Ich kam wieder zur Besinnung. „Äh, ich- ich habe Krämpfe…“, sagte ich. Selbst während ich meinen Bauch rieb und Schmerzen vortäuschte, spähte ich weiterhin aus dem Augenwinkel zu ihm.

Wooow, Wolf-dàgē ist im echten Leben tatsächlich genauso groß, wie im Spiel. Meine Nackenmuskeln fangen an, zu schmerzen, weil ich aufgrund meiner Größe von nur 165 Zentimetern so weit zu ihm aufschauen muss.

„Oh, dann leg dich schnell auf das Bett da drüben. Ich gehe sofort los und hole dir eine heiße Wärmeflasche.“

Ich lag brav auf dem Bett, aber meine Augen folgten Wolf-dàgē weiterhin, während er sich durch den Raum bewegte. Heehee, ist es Wolf-dàgē ein wenig peinlich, dass ich ihn anstarre? Irgendwie habe ich das Gefühl, dass sein Rücken sehr, sehr steif aussieht – ich hätte nie erwartet, dass Wolf-dàgē so schüchtern ist! Ich kicherte in mich hinein.

Die heiße Wärmflasche haltend sagte Doktor Li Tian Lang so sanft wie möglich: „Hier, leg das auf deinen Bauch. Damit fühlst du dich besser.“

Ich nahm die heiße Wärmflasche dankbar an. Wolf-dàgē ist im echten Leben tatsächlich genauso liebenswürdig wie im Spiel. „Danke, Wolf-dàgē”, sagte ich aufrichtig.

Wolf-dàgē und ich erstarrten beide. Mein Gott, ich muss wirklich ein Idiot sein!

„Professor Min hat allen aus meinem Kurs von Ihnen erzählt! Ich- ich habe gehört, dass ihr beide gute Freunde im Spiel seid? Außerdem habe ich schon mal Ihre Kämpfe im Turnier gesehen, deshalb habe ich mir die Umstände gemacht, einen Blick auf Sie zu erhaschen… Hahaha, es tut mir leid, ich habe eigentlich keine Krämpfe“, sagte ich und lachte schwach. Gott, bitte lass Wolf-dàgē meine Geschichte glauben!

„Oh, also hat Gui euch von mir erzählt!“ Li Tian Lang erholte sich lachend. „Du hast mir einen Schreck eingejagt, weil normalerweise nur dieser Bursche – Prince – mich Wolf-dàgē nennt. Alle anderen nennen mich Wolf-gē, oder nur Wolf. Welche Klasse hast du im Spiel? Bist du in einem Team?“

Ich stürzte mich kopfüber in den Rest meiner Lügengeschichte. „Äh, ich bin eine Magierin. Und was ein Team angeht… Ja, aber es ist nicht so bekannt wie Ihres. Wolf-dàgē hat vermutlich noch nichts davon gehört!” Waah, Wolf-dàgē, ich hatte nicht vor, dich anzulügen!

„Oh. Dann gib dein Bestes!“ Li Tian Lang streckte die Hand aus, tätschelte mir den Kopf und ich kicherte wie immer. „Schreib deinen Namen und deine Matrikelnummer auf diese Patientenliste. Auch wenn du nur so getan hast, ist es immer noch besser, sie auszufüllen.“

„Okay.“ Ich nahm ihm das Formular ab und trug meinen Namen ein.

„Nun, momentan sind nicht viele Leute hier, also kannst du hier liegen, bis du gehen möchtest!“, sagte Wolf-dàgē mit einem Lächeln zu mir.

„Haha, ich gehe lieber”, erwiderte ich und stieg vom Bett. Ja klar, weiter liegen bleiben? Ich habe nicht mal das Abendessen gekocht; ich werde von drei Leuten in die Ecke gedrängt und ermordet werden, wenn ich nach Hause komme. „Auf Wiedersehen, Wolf-dàgē.”

„Auf Wiedersehen.“ Li Tian Lang starrte mir nach, während ich die Tür aufdrückte und ging.

Li Tian Lang hob die Patentientenliste in seiner Hand an und untersuchte es eingehend… „Feng Lan? Feng Yang Ming? Hmmm…”

Die Tür wurde ein zweites Mal aufgedrückt.

„Wolf-gē? War das grade meine Studentin? Ist sie verletzt?”, erkundigte sich Gui besorgt.

„Nein, sie kam, um mich zu sehen. Wer hat dich gebeten, überall von mir zu erzählen!“, sagte Li Tian Lang vorwurfsvoll.

Gui war vollkommen verwirrt. „Ich? Habe ich jemals über dich geredet?”

Als er das hörte, dachte Li Tian Lang eine Weile wortlos nach, bevor er fragte: „In welcher Beziehung stehen Feng Lan und Feng Yang Ming zueinander?“

„Sie sind Zwillinge – warum fragst du?“, fragte Gui verwundert.

„Kein bestimmter Grund.“ Dennoch behielt Li Tian Lang das Gefühl, dass Feng Lan und Prince sich sehr ähnlich benahmen. Wenn er Princes Kopf tätschelte, hatte Prince auf dieselbe Weise gekichert. Oder ist diese Ähnlichkeit nur, weil Feng Lan und Feng Yang Min Zwillinge sind und sich Zwillinge oft ähnlich benehmen? „Ich werde mir Feng Yang Ming wann anders ansehen.“

„Hmm… Aber ich habe Prince versprochen, dass ich meine Nase nicht mehr in seine Angelegenheiten stecken würde“, sagte Gui in einem beunruhigten Tonfall.

„Du könntest Recht haben. Nun, wenn Prince es uns nicht sagen will, dann lass es uns vergessen und den Dingen ihren Lauf lassen! Ich werde auch nicht herumschnüffeln“, sagte Li Tian Lang aufrichtig.

Währenddessen war ich auf dem Heimweg und mir nicht im Klaren, dass meine Identität fast aufgedeckt wurde. Ich dachte gerade darüber nach, ob ich Schweinerippchensuppe oder Kartoffelsuppe kochen sollte, als Rose an mir vorbei lief. Ich sah auf und fragte mich: Sollte ich hallo zu ihr sagen? Aber das letzte Mal, als wir uns getroffen haben, hatte sie gesagt, dass sie mich vergessen würde. Ich frage mich, ob sie immer noch mit mir befreundet sein will…

Moment! Ich blickte an mir herunter, während ich den Kragen meiner Bluse weiter wegzog – Ich habe Brüste! Ich schaute mich um. Das ist eine normale Wohngegend. Ich bin in der echten Welt, wie kann es also sein, dass ich Rose sehe?

Ich konzentrierte mich und sah sie wieder an. Mittlerweile stand Rose neben dem Bushaltestellenschild und wartete auf den Bus. Das ist so ein seltsames Gefühl… Warte eine Sekunde! Der Typ, der etwa drei Schritte von Rose entfernt steht, kommt mir seeehr bekannt vor… Wicked? MEIN GOTT! Noch schlimmer, es sieht so aus, als würde ich denselben Bus wie sie nehmen!

Ahhh, Buddha! Ahhh, Gott! Ahhh, Allah! Ich begann, ein buddhistisches Sutra zu singen, während ich vor mir ein Kreuz mit meinen Armen formte. Ich flehe euch alle an! Das muss eine Halluzination sein… Oder lasst es einen Tagtraum sein! Waaaaaaah…

Die Realität blieb jedoch so grausam wie immer. Es kam letzten Endes trotzdem so, dass ich denselben Bus nahm und neben den beiden stand… Vergiss es, immerhin werden sie mich wahrscheinlich nicht – nein, sie werden mich definitiv nicht erkennen können!

Ich erhaschte einen Blick auf den heißen Typen und die Schönheit, die neben mir standen. Rose ist tatsächlich sehr schön und auch Wicked ist sehr gut aussehend! Die beiden sind wirklich eine Augenweide – ist es möglich, dass sie ein Paar sind? fragte ich mich insgeheim.

Trotzdem, auch nach vielen Haltestellen, schien keiner von beiden die geringste Absicht zu haben, aus dem Bus zu steigen. Mein Zuhause war an der letzten Haltestelle.

Mist, es kann nicht irgendein Zufall sein, wie dass sie meine Nachbarn sind, oder? Nein, das ist unmöglich. Unsere Nachbarn sind der Onkel des Ehemanns der älteren Schwester meiner Mutter, und seine Familie, oder etwa nicht?

Abgesehen davon, wenn unter meinen entfernten Verwandten so ein heißer Typ wie Wicked wäre, hätte mich meine Mutter schon längst zu einem Verkupplungstreffen geschleift. Auf diese Art hätte meine Mutter dieses Vorzeigestück einer männlichen Augenweide in unsere Familie einheiraten lassen[1] – ich meine, mich in seine Familie einheiraten lassen, und mich dann ihn mit nach Hause bringen lassen, damit sie sich an ihm erfreuen kann.

Während ich wild spekulierte, stieg Rose eine Haltestelle vor meiner aus. Ich stieß einen Seufzer der Erleichterung aus. Das wäre dann eine Person weniger, um die ich mich sorgen muss.

Endlich erreichte der Bus mein Zuhause. Ich warf einen letzten, verstohlenen Blick auf Wickeds gut aussehende Gesichtszüge, bevor ich meinen Blick losriss und aus dem Bus ausstieg…

Ahhh, jemand scheint mir zu folgen!

Angstschweiß lief meinen Nacken herunter, als ich meinen Kopf drehte, um zurückzusehen, nur um dann festzustellen, dass es Wicked war, der mich schwach anlächelte. Hä? Was genau geht hier gerade vor?!

Obwohl ich innerlich in Panik geriet, zwang ich mich dazu, äußerlich ruhig zu bleiben, während ich Wickeds Lächeln erwiderte. Dann drehte ich mich um, bereit zu fliehen.

„Warte“, rief Wicked mir plötzlich zu.

Kurz zog ich die vorliegende Situation in Betracht. Mit meiner momentanen Größe, der Länge meiner Beine, körperlicher Kraft und Ausdauer konnte ich wohl kaum hoffen, Wicked abzuschütteln. Dann vergiss es!, dachte ich, ergab mich meinem Schicksal und drehte mich um, um ihn anzusehen. „Gibt es ein Problem?“

„Xiao Lan – du bist Xiao Lan, richtig?“ Unvermutet war ein warmer Ausdruck in Wickeds Gesicht.

Er kennt mich? Er kennt sogar meinen Namen? Ich war verblüfft.

„Dann hast du es wohl vergessen… Ich bin Zhuo Ling Bin – Zhuo-gēge. Erinnerst du dich an mich?“

Zhuo-gēge? Der, der nebenan gewohnt hat, als ich noch ein Kind war, und schließlich weggezogen ist – DER Zhuo-gēge? Ich starrte Wicked an und versuchte, diese unglaubliche Enthüllung zu verdauen. Ernsthaft? So ein großer Zufall? Wicked ist Zhuo-gēge?!

„Bist du wirklich Zhuo-gēge?“

„Das stimmt! Du hast dich endlich erinnert. Ich war mir eben nicht ganz sicher, ob du wirklich Xiao Lan bist. Aber, perfektes Timing – ich habe grade angefangen zu befürchten, dass ich vergessen habe, wie man zu deinem Haus kommt.“ Wicked… nein, Zhuo-gēge lächelte, als er mich ansah.

Nach dem Abendessen trug ich ein Tablett mit frisch gekochtem Tee ins Wohnzimmer, wo mein Brüderchen und Zhuo-gēge fröhlich am Plaudern waren. Zhuo-gēges Erklärung zufolge war er auf der XXX-Universität gewesen.

Das ist auch MEINE Universität! Ich hätte nicht gedacht, dass er die Experimente für sein Aufbaustudium in den Labors meiner Universität durchführt!

Dort hatte er mich zufällig gesehen und deshalb extra einen Ausflug zu meinem Haus gemacht, um zu schauen, ob es wirklich ich gewesen war.

Gerade als ich mich ruhig hingesetzt hatte, hörte ich, wie sich ihre Unterhaltung Second Life zuwandte…

„Unglaublich, Yang Ming ist also Feng Wu Qing – heißt das, dass wir die ganze Zeit in demselben Team waren?“ Zhuo-gēge hatte einen verblüfften Ausdruck im Gesicht.

Als ich das hörte, erinnerte ich mich plötzlich auch. Stimmt ja – mein Bruder und Zhuo-gēge sind beide Mitglieder von Dark Emperor, nicht wahr?

„Zhuo-dàgē ist also Wicked-dàgē, und ich hab es nicht mal gemerkt.“ Das Erstaunen war meinem Bruder ins Gesicht geschrieben.

Was gibt es daran so Verwunderliches? Du konntest nicht mal die Identität deiner eigenen älteren Zwillingsschwester im Spiel herausfinden, die sogar aus demselben Mutterleib wie du geboren wurde! Erwähn erst gar nicht Zhuo-gēge, den du seit acht Jahren nicht mehr gesehen hast, dachte ich verächtlich.

„Dann ist Ming Huang also Zhuo Ming Bin?“, rief mein Bruder plötzlich aus. „Er ist ziemlich anders, als damals als Kind. Er scheint viel gereizter geworden zu sein.“

Was? Ming Huang ist Zhuo-dìdi[2]? Das kann nicht wahr sein – Zhuo-dìdi war mal so süß und anhänglich, er ist mir immer nachgelaufen und hat mich „Jiějie“ genannt… Wie könnte er dieser gewalttätige, nicht-männliche, nicht-weibliche Ming Huang sein? Ruinier nicht mein schönes Bild von Zhuo-dìdi! heulte ich.

Zhuo Ling Bin lächelte hilflos. „Das Kind ist in seiner rebellischen Phase!“

Dann wandte sich Zhuo-gēge plötzlich mir zu und fragte: „Spielst du auch, Xiao Lan?”

Ich zögerte einen Moment, bevor ich antwortete. „Ähhh, ja.“

„Sie ist dort sogar eine Transe!“ Mein Bruder – der einfach nicht widerstehen konnte, die Bombe platzen zu lassen – hatte tatsächlich mein Geheimnis ausgeplaudert! Ich funkelte ihn unbarmherzig an, Hass und Bedauern in meinem Herzen überquellend.

GOTT… Wieso hab ich mein Geheimnis dem größten Plappermaul der Feng Familie erzählt?!

„Eine Transe? Das sollte in Second Life eigentlich nicht möglich sein, oder?“ Zhuo-gēge sah mich ungläubig an.

Das veranlasste meinen Bruder – der einen Mund größer als den Drei-Schluchten-Damm hatte – sofort damit zu beginnen, Zhuo-gēge die ganze Geschichte zu erzählen. Ich hielt meinen Kopf die ganze Zeit, von Anfang bis Ende seiner Erzählung, gesenkt, und hoffte, dass Zhuo-gēge vergessen würde, wie ich aussah… Oder vergessen würde, wie Prince aussah.

„So ist das also?“ Zhuo-gēge lächelte mich nervöses Etwas an und sagte: „Keine Sorge, ich werde es keinem sagen.“

Aber ich habe keine Angst, dass du mein Geheimnis preisgibst, ich habe Angst, dass du mich erkennst…

Zhuo Ling Bin schaute auf die Uhr, stand auf und sagte: „Es wird spät, ich sollte mich auf den Weg machen. Es findet später heute Nacht immer noch ein Kampf statt. Ich werde dich später in Second Life sehen, Yang Ming.“ Mein Bruder gab Zhuo-gēge ein OK-Handzeichen.

„Ich bringe dich zur Tür, Zhuo-gēge.“ Ich begleitete ihn gewissenhaft raus.

Zhuo-gēge blieb stehen, als wir den Eingang erreichten. Mit einem leichten Lächeln im Gesicht sagte er: „Xiao Lan, ich hoffe, dass ich dich eines Tages in Second Life treffen kann!“

„Ja.“ Wir haben uns schon getroffen!

Als er das hörte, wurde Zhuo-gēges Lächeln breiter und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass sein Lächeln schmerzhaft anzusehen war. Zhuo-gēge, bitte setz mich nicht noch mehr unter Druck!

In dem Moment fragte er: „Ich habe gehört, dass dein Lehrer Odd Squads Gui ist?“

„Ja.“ Wieso hast du jetzt die Unterhaltung auf Gui gelenkt? Weißt du etwa, dass es mich nervös macht?

„Ich bin wirklich an Odd Squad interessiert. Ich werde mich, wann anders, mal in deine Klasse setzen. Dein Professor wird sicher sehr überrascht sein, mich zu sehen.“

Ja, das stimmt! Wenn er sieht, wie nah du meinem Bruder stehst, denkt er vielleicht, dass du sein Nebenbuhler bist! dachte ich mir boshaft und versuchte, mir die Situation vorzustellen. Das verspricht, ziemlich interessant zu werden…?

Sobald ich anfing über dieses absolut mögliche und sehr interessante Szenario nachzudenken, hatte ich die Gefahr, in der sich meine Identität befand, völlig vergessen. Ich lächelte fröhlich, als ich sagte: „Natürlich, natürlich. Gib mir nur vorher Bescheid, wenn du kommst, und ich sage meinem Bruder, er soll dir einen Platz freihalten.“

„Oh? Ich würde stattdessen viel lieber neben dir sitzen“, sagte Wicked. Bevor ich reagieren konnte, hatte er schon zum Abschied gewinkt und war gegangen und ließ mich an Ort und Stelle erstarrt hinter sich zurück.

Neben mir pfiff Yang Ming laut. „Sieht so aus, als wäre Zhuo-gēge sehr an meiner großen Schwester interessiert. Schwesterchen, du kannst ihn in Second Life ausnutzen. Dark Emperors Dunkelelfenkrieger, Wicked, ist ziemlich berühmt!“

Mich in Second Life auf Wicked verlassen? Ich stellte mir die Situation vor: Zwei hoffnungslos verliebte Männer laufen Hand in Hand. Und dann kommt noch ein anderer Mann dazu – Gui – der eifersüchtig von der Seite zusieht… Könnte sich irgendjemand so ein Bild mit einem ernsten Gesicht ansehen?

Ich schüttelte ungeduldig den Kopf und befreite mich von diesem irgendwie doch ekelhaften Bild. Ich schenkte dem ganzen Durcheinander von Ereignissen und Identitäten keine Beachtung mehr und war kurz davor, in mein Zimmer zurückzukehren, um mich zum Trainieren in Second Life einzuloggen, als…

„Xiao Lan, habt ihr euer Gespräch beendet? Kommt und trefft eure Cousine[3], die gerade aus Amerika zurückgekommen ist“, sagte meine Mutter mit einem weiten Lächeln, während sie mich in das Wohnzimmer herüberwinkte.

„Cousine?“, fragte ich verständnislos.

„Das stimmt! Während ihr mit Ling Bin geredet habt, ist eure Cousine zu einem Besuch vorbeigekommen. Sie ist die dritte Tochter des Onkels des Ehemanns meiner Schwester, der nebenan wohnt.“ Das Lächeln im Gesicht meiner Mutter wurde noch strahlender. Mit einem Gesicht voller fraglicher Absichten zog sie meinen Bruder zu sich und flüsterte: „Sohn, auch wenn deine Cousine zwei, drei Jahre älter ist als du, ist sie sehr schön. Noch dazu ist sie eine entfernte Verwandte, die nicht blutsverwandt mit dir ist, also wenn du die Chance bekommst…“

Mein Bruder – der es liebt, mit Mädchen zu flirten – erwiderte tatsächlich grob: „Ich habe kein Interesse an älteren Frauen. Ich mag nur Mädchen in meinem Alter.“

Jedenfalls gingen mein Bruder und ich trotzdem brav unsere Cousine begrüßen. Als wir in das Wohnzimmer liefen, setzte mein Bruder eine unschuldige Miene und ein Lächeln, das nur für ältere Verwandte bestimmt war, auf.

Du Schwindler! dachte ich, während ich mein damenhaftestes Lächeln aufsetzte und meine Cousine ansah…

Mein Bruder und Rose riefen gleichzeitig laut aus:

„Rose?”

„Wu Qing?”

„Welche Rose? Das ist deine Cousine Ou Yang Mei“, sagte mein Vater und sah die beiden fragend an.

Meine Finger zitterten. „Wie kann das sein? Bist du nicht gerade eben eindeutig an einer früheren Bushaltestelle ausgestiegen?”

Rose… Cousine Ou Yang Mei sah mich an. „Bus? Oh, ich bin eine Haltestelle früher ausgestiegen, weil ich noch etwas Obst als Geschenk kaufen wollte. Warst du auch in dem Bus, Cousine[4]?“

„Vergiss den Bus, bist du wirklich meine Cousine?”, fragte Yang Ming ungläubig. „Bist du nicht jünger als ich?“

„Ich werde dieses Jahr dreiundzwanzig Jahre alt. Ich habe nur ein Baby-Face.“ Ou Yang Mei lächelte hilflos. „Wer hätte gedacht, dass du eigentlich mein Cousin bist, Wu Qing.“

„Ja…“

„Wartet mal – kann irgendwer uns zwei Eltern erklären, was in aller Welt gerade passiert?“, warfen mein Vater und meine Mutter schließlich ein, nicht mehr dazu fähig, wortlos zuzusehen.

„Es ist nichts Wichtiges, nur dass mein Cousin und ich früher im selben Team in Second Life waren“, sagte Ou Yang Mei mit einem schwachen Lächeln.

„So ist das also…”

Mein Vater, meine Mutter, mein Bruder und meine Cousine begannen sofort, sich fröhlich miteinander zu unterhalten. Ich saß jedoch nur steif neben ihnen und lächelte hin und wieder. In meinem Herzen dachte ich mir: Nicht nur habe ich als Prince Papa und Mama getötet und meinem Bruder die Frau weggeschnappt, ich bin sogar so weit gegangen, meine Cousine abzuservieren… und habe sie sogar geküsst.

Dann… ist der Moment, in dem Princes Tarnung auffliegt, auch der Moment, in dem ich von meiner Familie enterbt werde?

Mit diesen Erkenntnissen heulte ich innerlich: Wer ist Prince? Ich bin nicht Prince…

[½ Prince Band 2 Kapitel 5 Ende]

Fußnoten

[1] In unsere Familie einheiraten lassen: Die chinesische Gesellschaft war (und ist in einigen Hinsichten immer noch) patriarchalisch. Wenn daher eine Frau heiratet, heiratet sie in die Familie ihres Ehemannes ein und zieht bei ihnen ein, um mit ihnen zu leben.

[2] Dìdi: Dieses Suffix bedeutet “jüngerer Bruder” im Chinesischen, kann sich aber auch auf jüngere Burschen beziehen, denen der Sprecher nahe steht.

[3] Cousine: In diesem Fall bedeutet “Cousine” eigentlich genauer gesagt “ältere weibliche Cousine väterlicherseits der Familie”.

[4] Cousine: In diesem Fall bedeutet “Cousine” eigentlich genauer gesagt “jüngere weibliche Cousine väterlicherseits der Familie”.

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